Gutes Zeugnis für das IST Austria – aber auch Kritik

28. Juni 2016, 14:00
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Zweite Evaluierung über die Jahre 2011-2015 – "Höchst beeindruckende" Erfolgsquote bei Drittmittel

Klosterneuburg – Ein gutes Zeugnis stellt eine Evaluierung dem Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ) aus. Den Forschergruppen wird eine "hervorragende Entwicklung" bescheinigt, die Einwerbung von externen Mitteln sei "höchst beeindruckend". Kritisch sieht die Analyse, die am Dienstag dem Ministerrat vorgelegt wurde, die "räumliche Trennung" von Einrichtungen in Wien.

Die zweite Evaluierung des IST Austria umfasst die Jahre 2011 bis 2015 und legte einen Schwerpunkt u.a. auf Ertrag und Qualität der wissenschaftlichen Arbeit und Berufungen. Sechs renommierte Wissenschafter unter der Leitung des Chemie-Nobelpreisträgers (2006) Roger Kornberg von der Stanford University führten die alle vier Jahre gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung durch.

Den wissenschaftlichen Ertrag bewerteten die Evaluatoren u.a. anhand der eingeworbenen Mittel aus externen Quellen: Die Erfolgsquote dabei sei "höchst beeindruckend", es seien insgesamt 55 Mio. Euro an Förderungen und 17,5 Mio. Euro an Spenden eingeworben worden. Als "bemerkenswert" bezeichneten die Prüfer die Erfolgsquote von 44 Prozent bei der Bewerbung um Forschungsmittel des Europäischen Forschungsrats (ERC). Rund 200 Veröffentlichungen im Jahr 2015 würden im Schnitt etwa fünf Publikationen pro Professor bedeuten und seien "ein beeindruckendes Zeichen für die Gesamtproduktivität des IST Austria".

"Herausragende Führungsqualitäten"

Die Forschungsgruppen hätten sich dank einer Mischung aus interner und externer Finanzierung "hervorragend entwickelt". Dass es bisher keine Abgänge von Professoren an andere Institutionen gegeben habe, spreche für "ein hohes Maß an Kollegialität und Loyalität". IST-Präsident Thomas Henzinger bescheinigen die Evaluatoren mit 40 Berufungen (19 Professoren und 21 Assistant Professors) "herausragende Führungsqualitäten".

Das PhD-Programm des IST sei ein beliebtes Ziel für ausländische Studenten. Eine "ungewöhnlich hohe Quote" von 75 Prozent der Kandidaten, denen ein Platz angeboten wird, würden diesen annehmen. Dies steche im Vergleich mit PhD-Programmen in den USA und anderen europäischen Ländern positiv hervor.

Auch wenn für die Evaluatoren "Standort, Campus und Gebäude des IST Austria ansprechend" sind, sehen sie die räumliche Trennung von anderen wichtigen akademischen Einrichtungen in Wien angesichts des "erschwerten Austauschs" kritisch. Für Doktoranden, die nicht am Campus wohnen, sei es schwierig, abends oder am Wochenende in die Labors zu gelangen. "Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die Unterbringungsmöglichkeiten vor Ort sind verbesserungswürdig", heißt es in dem Bericht.

Blick in die Zukunft

Die nächsten Jahre seien entscheidend für die Erreichung des Ziels des Instituts, eine internationale Spitzenstellung zu erlangen. Dafür empfehlen die Evaluatoren die Schaffung einer "Chemie-Biochemie-Molekularbiologie-Abteilung (CBMB) von Weltrang". Die Pläne für ein neues Chemiegebäude und Neuberufungen auf diesem Gebiet sollten das gesamte CBMB-Spektrum abdecken und auch das Feld der "Kryoelektronenmikroskopie" umfassen. Eine solche Technologie sollte am IST angesiedelt werden.

Weil das Ziel, hohes internationales Ansehen zu erlangen, ohne einige "StarwissenschaftlerInnen" in Schlüsselgebieten wie CBMB nicht zu erreichen sei, empfehlen die Evaluatoren, dass sich das IST aktiv um noch junge, aber bereits etablierte Wissenschafter bemüht. Als Beispiel nennt der Bericht die Berufung von Kim Nasmyth durch das Institut für molekulare Pathologie in Wien.

Auch unablässige Bemühungen um Spendenmittel seien weiterhin nötig, um ein Institut von höchstem internationalem Rang aufzubauen. Wichtig sei, dass die Bundesregierung bis spätestens 2021 "ihre Unterstützung für das IST Austria für den Zeitraum 2026 bis 2036 bekräftigt, um Stabilität zu gewährleisten und die für die Berufung von Spitzenkräften erforderlichen langfristigen Perspektiven zu ermöglichen".

Für Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) bestätigen sowohl die wirtschaftliche Evaluierung aus dem Jahr 2015 als auch die aktuelle wissenschaftliche Analyse," dass das IST Austria weiterhin auf Kurs zur absoluten Weltspitze liegt". (APA, 28.6.2016)

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