Konservatives Kandidatenrennen um Cameron-Nachfolge

30. Juni 2016, 12:45
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Heute endet die Bewerbungsfrist – Minister May und Gove gaben Kandidatur bekannt – Die potenziellen Kandidaten im Überblick

Bis Donnerstagmittag haben britische Konservative Zeit, ihre Kandidatur für den Posten des Parteichefs – gleichzeitig künftiger Premierminister – bekanntzugeben. Kurz vor Ende der Bewerbungsfrist meldeten Innenministerin Theresa May, die in Sachen Brexit an der Seite des scheidenden Premiers David Cameron stand, und überraschend Justizminister Michael Gove, ein lautstarker Brexit-Befürworter, ihre Ambitionen an. Auch Energieministerin Andrea Leadsom gab auf Twitter ihre Kandidatur bekannt. Zuvor hatten bereits Arbeitsminister Stephen Crabb und Ex-Verteidigungsminister Liam Fox ihre Kandidatur angekündigt. Der prominenteste Vertreter der Brexit-Kampagne und ehemalige Bürgermeister von London Boris Johnson will sich nicht für die Nachfolge Camerons bewerben.

Parteigranden hatten zuvor angekündigt, die Kür des neuen Chefs nach der Blaupause der Wahl Camerons 2005 durchführen zu wollen. Dies bedeutet, dass sich die konservativen Abgeordneten auf zwei Kandidaten einigen müssen, die daraufhin der Parteibasis zur Abstimmung vorgestellt werden.

foto: afp photo / ben stansall

Justizminister Michael Gove (48), nach Boris Johnson der zweite Wortführer der "Leave"-Kampagne, hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass er sich das höchste Amt nicht zutraue. Nun gab er offiziell seine Kandidatur bekannt.

Der frühere "Times"-Journalist, der 2005 ins Parlament gewählt wurde, war ein enger Freund von Cameron und Schatzkanzler George Osborne. Seine Entscheidung, für einen Austritt Großbritanniens einzutreten, hat diese Beziehung allerdings auf eine schwere Probe gestellt. Gove gilt als intellektuelles Schwergewicht in der Partei und hatte auch maßgeblichen Anteil an der Modernisierung der Partei, die letztlich zum Wahlerfolg 2010 führte Nicht zuletzt deswegen genießt er das Vertrauen beider Lager.

foto: reuters/ nicholson

Innenministerin Theresa May (59) gab in einem Beitrag für die "Times" am Donnerstag ihre Kandidatur bekannt. Sie trat für einen Verbleib in der EU ein, hielt sich aber auffallend zurück, was sie möglicherweise auch für Brexit-Befürworter wählbar macht. May wäre nach Margaret Thatcher die zweite Frau in der Downing Street 10. Theresa May steigt mit einem Bekenntnis zum EU-Austritt ihres Landes in das Rennen um die Cameron-Nachfolge ein: "Brexit bedeutet Brexit", kündigte sie am Donnerstag an.

"Es darf jetzt nicht der Versuch unternommen werden, in der EU zu verbleiben, ihr durch die Hintertür wieder beizutreten oder ein zweites Referendum abzuhalten." Auch eine vorgezogene Wahl werde es nicht geben. May erklärte, sie wolle den Austritt aus der EU nicht vor Jahresende beantragen. In der nahen Zukunft werde sich nichts an den Handelsvereinbarungen mit der EU ändern.

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Der frühere Verteidigungsminister Liam Fox (54) bemühte sich bereits 2005 um den Vorsitz der Konservativen und verlor dabei gegen Cameron. Seine Karriere als Verteidigungsminister im ersten Kabinett Camerons dauerte nur etwa eineinhalb Jahre. Im Oktober 2011 musste er zurücktreten, nachdem er mehrfach seinen Freund Adam Werrity auf Dienstreisen mitgenommen hatte, der als Lobbyist für die Rüstungsindustrie arbeitet.

Fox trat sehr engagiert für den Austritt aus der EU ein, nach dem Referendum bemühte er sich um eine Einigung der beiden Lager der Konservativen. Er könnte sich wie May als Kandidat der "Versöhnung" positionieren.

foto: imago

Stephen Crabb (43) gilt als einer der kommenden Stars der Konservativen. Der Arbeits- und Pensionsminister brachte sich am Montag über Sky News ins Spiel. Aus seiner Biografie könnte man Anleihen für einen sozialkritischen Film nehmen: Seine Mutter war Alleinerzieherin in Wales, nachdem sie sich von seinem gewalttätigen Vater getrennt hatte. Die kleine Familie war abhängig von Sozialleistungen, was Crabbs Einstellung zu der Bedeutung von Sozialleistungen prägte. Er selbst war kurzzeitig als Sozialarbeiter tätig, arbeitete sich hoch und studierte Politikwissenschaft.

2010 wurde er ins Parlament gewählt und 2014 zum Minister für Wales ernannt. Im März löste er Iain Duncan Smith als Arbeits- und Pernsionsminister ab, nachdem dieser unerwartet zurückgetreten war. Kommentatoren meinen, für Crabb könnte es noch zu früh für einen Aufstieg zum Premierminister sein.

foto: reuters/handout

Andrea Leadsom (53) ist seit 2014 Energieministerin. Sie gab ihre Kandidatur am Donnerstag auf Twitter bekannt. Beim Brexit-Referendum war sie Anhängerin des Leave-Lagers.

(mhe, flon, APA, 30.6.2016)

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