Bisher unbekanntes Massensterben in der Unteren Trias entdeckt

2. Juli 2016, 20:51
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500.000 Jahre nach der großen Krise an der Perm-Trias-Grenze verändert sich die Pflanzenwelt grundlegend

Zürich – Seit es Leben auf der Erde gibt, haben Katastrophen mit globalen Auswirkungen immer wieder zu Massenaussterben geführt. Eine der größten derartigen Veränderungen fand vor rund 252 Million Jahren am Übergang vom Perm zur Trias statt. Fast alle meeresbewohnenden Arten sowie zwei Drittel aller Reptilien und Amphibien starben aus. Sogar die Insekten waren betroffen, kein anderes Aussterbeereignis davor und danach brachte das zuwege.

Kurzzeitige Diversitätsabnahmen betraf auch die Pflanzenwelt, diese erholte sich jedoch innerhalb einiger Tausend Jahre wieder. Nun haben Schweizer Wissenschafter Hinweise auf ein bisher unbekanntes, mindestens ebenbürtiges Massenaussterben entdeckt, das nur 500.000 Jahre nach dem Perm-Trias-Ereignis eintrat und in der Unteren Trias die vorherrschende Vegetation plötzlich und radikal veränderte.

Wechsel innerhalb von wenigen Tausend Jahren

Die Forscher um Peter A. Hochuli und Hugo Bucher von der Universität Zürich untersuchten über 400 Meter mächtige Sedimente aus Nordost-Grönland. Kohlenstoff-Isotopenkurven legen nahe, dass innerhalb von wenigen Tausend Jahren die vorherrschenden Samenfarne und Nadelgehölze durch eine Vegetation von Sporenpflanzen abgelöst wurden. Einige Sporenpflanzen wie Farne sind auch heute dafür bekannt, dass sie lebensfeindliche Bedingungen besser überstehen können als höher entwickelte Pflanzen.

Bisher ging man davon aus, dass sich während der Unteren Trias vor 252,4 bis 247,8 Millionen Jahren die Umwelt langsam erholte. "Die gleichzeitig auftretenden, einschneidenden Veränderungen der Flora und die Zusammensetzung der Kohlenstoff-Isotope legen den Schluss nahe, dass der wirkliche Einschnitt in der Vegetation erst in der Unteren Trias, also rund 500.000 Jahre später als bisher angenommen stattfand", erklärt Hochuli.

Die Forscher konnten das Massenaussterben der Vegetation nicht nur in Grönland beobachten. Schon vor einigen Jahren haben sie in einigen Sedimentproben aus Pakistan erste Hinweise auf diese Wende der Flora entdeckt. Zudem zeigen neuste Datierungen vulkanischer Aschen von australischen Wissenschaftern, dass auch in Australien die bedeutendste Veränderung der Pflanzenwelt erst einige Hunderttausend Jahre nach der Perm/Trias-Grenze passierte. In dieser Periode starb zudem die dort ansässige Samenpflanzengruppe der Glossopteriden aus, die bisher dem Perm zugeordnet war. Aufgrund dieser Befunde müssen nun die Sedimentabfolgen des Urkontinents Gondwanaland auf der Südhalbkugel neu interpretiert werden.

Vermutlich durch Vulkanausbrüche ausgelöst

Warum es zu dieser neu beschriebenen Naturkatastrophe kam, ist noch nicht ganz geklärt. "Wir sehen jedoch einen Zusammenhang zwischen diesem bisher unbekannten, weltweiten Ereignis und den enormen Vulkanausbrüchen, die aus der Unteren Trias des heutigen Sibirien bekannt sind", erklärt Bucher. (red, 2.7.2016)

  • Im Unteren Trias kommen Sporenpflanzen wie diese Densoisporites playfordii auf und verdrängen Samenpflanzen und Nadelbäume.
    foto: uzh

    Im Unteren Trias kommen Sporenpflanzen wie diese Densoisporites playfordii auf und verdrängen Samenpflanzen und Nadelbäume.

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