Brexit trifft Banken beiderseits des Ärmelkanals hart

27. Juni 2016, 17:57
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Citi senkte Kursziel für Bank-Austria-Mutter UniCredit deutlich

London – Banken auf beiden Seiten des Ärmelkanals gehören schon jetzt zu den größten Verlierern des Austritts Großbritanniens aus der EU. Die Deutsche-Bank-Aktie fiel am Montag um bis zu 9,7 Prozent auf ein Allzeittief von 12,07 Euro. Analysten stuften nicht nur britische, sondern auch andere europäische Banken und US-Investmentbanken massenhaft herab, Börsianer warfen deren Aktien aus den Portfolios.

Die Hoffnung auf steigende Zinsen in Europa sei in noch weitere Ferne gerückt, und die Konjunktur werde sich zumindest auf der Insel eintrüben, heißt es in vielen Studien. Die Kapitalkosten für die Banken dürften steigen. Der europäische Banken-Index, der am Freitag um 15 Prozent eingebrochen war, sackte um weitere 7,7 Prozent auf den niedrigsten Stand seit der Euro-Schuldenkrise vor vier Jahren.

Besonders stark vom Ausverkauf an der Börse betroffen sind die italienischen Institute UniCredit und Intesa SanPaolo, deren Aktien am Freitag jeweils um mehr als 20 Prozent gefallen waren. Am Montag gaben sie weiter deutlich nach, obwohl das Wirtschaftsministerium in Rom Unterstützung "in verschiedenen Formen" signalisierte. In Zeitungsberichten hieß es, der Staat erwäge, sich mit rund 40 Mrd. Euro an angeschlagenen Banken zu beteiligen. Die US-Investmentbank Citi senkte das Kursziel für UniCredit auf 2,40 von 4,00 Euro. Die Mutter der deutschen HypoVereinsbank und der heimischen Bank Austria, die derzeit auf der Suche nach einem neuen Chef ist, gelte am Markt als eine der schwächsten Banken in Italien.

Deutsche Börse weniger wert

Die Deutsche Bank ist an der Börse noch knapp 17 Mrd. Euro wert, weniger als die Hälfte ihres Börsenwertes vor zwei Jahren. Sie beschäftigt in London mehr als 8.000 Mitarbeiter, vor allem im Investmentbanking. "Der Finanzplatz London wird nicht sterben, aber er wird schwächer werden", sagte Vorstandschef John Cryan dem "Handelsblatt". Nach dem Brexit könnte die Bank unter anderem den Devisenhandel nach Frankfurt verlagern. Auch die Commerzbank -Aktie kam unter die Räder: Sie fiel um 5,8 Prozent auf 5,84 Euro. Die Deutsche Bank senkte das Kursziel für das Papier auf 10 von 13 Euro, JPMorgan ebenfalls auf 10 von 11 Euro.

Noch schlimmer getroffen wurden die britischen Geldhäuser. Barclays fielen um 18 Prozent, Royal Bank of Scotland (RBS) verloren mehr als ein Viertel ihres Wertes auf 152 Pence, den tiefsten Stand seit siebeneinhalb Jahren. Als relativ "sicherer Hafen" gelten dagegen die auf Asien ausgerichteten Investmentbanken HSBC (minus 1,9 Prozent) und Standard Chartered (minus 6,1). RBC Capital kürzte die Kursziele für britische Banken pauschal um 30 Prozent. Die Finanzmärkte gingen nun davon aus, dass die Bank of England den Leitzins um 25 Basispunkte senken und nicht vor 2019 wieder erhöhen werde, heißt es in der Studie. Das drückt die Margen der Banken. Zudem drohten mehr Kreditausfälle. "Es scheint, dass die Unsicherheit zumindest zu einer Abkühlung der Konjunktur führen wird." Nach dem Brexit dürfte die Notenbank den Londoner Häusern auch nicht erlauben, ihre Ausschüttungen wie von Börsianern erhofft zu erhöhen.

Auf die Stimmung drückte auch der Rücktritt des britischen EU-Finanzkommissars Jonathan Hill. In ihn hatten Analysten die Hoffnung auf eine Neuverhandlung des "EU-Passes" gesetzt, der britischen Banken erlaubt, ihre Finanzprodukte frei in der EU zu vertreiben. Das treffe umgekehrt aber auch Banken vom Kontinent, die künftig im Geschäft in London Beschränkungen unterliegen, heißt es in einer Barclays-Studie.

Sinkende Zinsen und eine schwächere Konjunktur treffen auch den Kontinent. JPMorgan senkte seine Prognosen für die Gewinne der europäischer Geldhäuser 2018 im Schnitt um 13 Prozent. "Die Folgen des Brexit werden 2017/18 und darüber hinaus stärker zu spüren sein", heißt es in einer Deutsche-Bank-Studie. Auch die US-Konkurrenten Goldman Sachs und Morgan Stanley dürften darunter leiden, dass die Verunsicherung der Manager das Geschäft mit Übernahmen und Börsengängen lähmen werde. Die US-Investmentbank zog ihre Empfehlung zurück, die Deutsche-Bank-Aktie überzugewichten, die Schweizer UBS und Credit Suisse – bisher als "neutral" eingestuft – sollten sogar untergewichtet werden. Der Deutschen Bank und der Credit Suisse werde es schwerer fallen, ihre dünne Kapitaldecke aufzupolstern. (APA/Reuters, 27.6.2016)

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