Zentralmatura: Nachprüfungen retten Ergebnisse

27. Juni 2016, 18:00
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Schlechte Noten bei der Zentralmatura durch mündliche Prüfungen verbessert – Unterschiede je nach Bundesland, Schultyp, Geschlecht

Wien – Die Zahlen sind teilweise gravierend: 33,2 Prozent der Vorarlberger AHS-Maturanten sind bei der schriftlichen Reifeprüfung in Mathematik durchgefallen. Deutlich weniger dramatisch wird dieses Ergebnis erst durch die "Kompensationsprüfung", also eine mündliche Prüfung durch den eigenen Lehrer nach dem missglückten schriftlichen Antritt. Dank dieses zweiten Versuchs sind in Vorarlberg letztendlich 91,6 Prozent der AHS-Schüler in Mathe positiv.

"Die sind gut, die sind nicht so schlecht", sagt Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) über die ersten Ergebnisse der Zentralmatura dieses Jahres. Insgesamt haben 93,8 Prozent der Maturanten in Mathematik bestanden, 96,7 Prozent in Englisch und 99 Prozent in Deutsch. Das allerdings inklusive der erwähnten mündlichen Prüfung, falls die schriftliche Klausur negativ ausgefallen ist. Diesen ersten Teil schafften auf Anhieb etwa in Mathematik 78,2 Prozent an AHS und 87 Prozent an BHS.

Extreme Unterschiede

Erstmals wird die bundesweit standardisierte Reifeprüfung nicht nur an Allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS), sondern auch flächendeckend an Berufsbildenden höheren Schulen (BHS) und Schulen für Kindergarten- und Sozialpädagogik durchgeführt und die Ergebnisse zentral verglichen. Das Ergebnis: mitunter massive Unterschiede zwischen Bundesländern, Schultypen – und den Geschlechtern der Schülerinnen und Schüler.

Ein Bundesländer- und Schultypgefälle präsentiert sich zum Beispiel bei der Englischmatura. Fielen an burgenländischen BHS – vor Kompensationsprüfung – 18,9 Prozent der Maturanten in Englisch durch, waren es an oberösterreichischen AHS nur 3,7 Prozent. Österreichweit liegt der Anteil an rein schriftlichen Englisch-Fünfern an BHS mit elf Prozent doppelt so hoch wie an AHS (5,5 Prozent).

Details unter Verschluss

Die unterschiedlichen Ergebnisse zwischen den Schularten sollten nicht überbewertet werden, sagt Jürgen Horschinegg vom Bildungsinstitut Bifie, das die Zentralmatura entwickelt hat. "Unterschiedliche Schularten sind ja nicht deshalb unterschiedlich, weil sie einen anderen Namen haben, sondern weil sie unterschiedliche Dinge tun." Bei der Zentralmatura ginge es schließlich darum, ein gewisses Mindestlevel sicherzustellen – nicht darum, bei allen Schulen gleiche Ergebnisse zu erzielen.

Davon ist man aber auch unabhängig vom Schultyp weit entfernt. Denn die zum Teil krass unterschiedlichen Leistungen sind nicht nur Landes-, sondern auch auf Schul- und sogar Klassenebene zu beobachten. In 112 AHS-Klassen hätte es etwa kein einziges Nicht genügend in Mathematik gegeben, in 107 seien dagegen gleich mehr als die Hälfte durchgefallen, sagt Horschniegg. Deshalb seien aus den Bundesländerzahlen laut Bildungsministerium mangels Aussagekraft auch kaum Schlüsse zu ziehen. Konkrete Maßnahmen müssten vor Ort gesetzt werden, wenn man sich die Ergebnisse einzelner Schulen im Detail angeschaut hat.

Allein diese werden nicht veröffentlicht, sondern lediglich die weniger aussagekräftigen Länderergebnisse. Schulergebnisse publik zu machen wäre für Hammerschmid "wirklich die falsche Strategie". Denn es gehe nicht darum, "Schulen schlechtzumachen", sondern dafür zu sorgen, dass schlechte Schulen ein besseres Ergebnis erzielen. Welche das sind, wisse die Öffentlichkeit zwar nicht, aber das Ministerium. Dieses arbeite "gemeinsam mit der Schulaufsicht daran, dass sich diese Schulen verbessern können".

Gender-Gap bleibt

An AHS stechen vor allem die Unterschiede zwischen dem achtjährigen Gymnasium und der vierjährigen Oberstufenform ins Auge. In Mathematik etwa fallen an Oberstufengymnasien auch nach der Kompensationsprüfung 12,1 Prozent durch, in der Langform nur 5,3.

Auffällig auch dieses Jahr der Gender-Effekt bei den Leistungen in Englisch und Mathematik. Schon bei der Premiere der Zentralmatura 2015 schnitten die jungen Frauen an AHS in Englisch deutlich schlechter ab als ihre männlichen Kollegen – bei fast allen anderen standardisierten Englischtests ist es umgekehrt. Der Effekt wiederholte sich 2016 in annähernd gleichem Ausmaß: 6,3 Prozent der Mädchen fielen in Englisch durch, 4,4 Prozent der Burschen. Nach der Kompensationsprüfung waren es nur noch 2,4 bzw. 1,8 Prozent.

Auch bei der Mathe-Matura an den AHS schnitten die weiblichen Prüflinge schlechter ab: 25,4 Prozent Fünfer vor der Kompensationsprüfung gegen 16,7 Prozent bei den Burschen.

Hier will Hammerschmid "ganz besonders hinschauen" und "gendergerechten Unterricht" forcieren. (Sebastian Fellner, 27.6.2016)

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