"Schön waren wir nicht, schön ist auch die Realität nicht immer"

27. Juni 2016, 12:33
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Reaktionen zum Ableben des Karikaturisten Manfred Deix

Reaktionen aus Kunst und Kultur

Gottfried Helnwein, Maler und jahrzehntelanger Freund und Weggefährte von Deix, stellte fest: "Der größte satirische Zeichner dieses Jahrhunderts ist nicht mehr. Wenn Michelangelo sagte, die größte Kunst sei 'nichts als ein Schatten der göttlichen Perfektion', dann hat Deix mit seiner Kunst den unerbittlichen Gegenbeweis angetreten: Er zeigte uns, dass das Werk des Schöpfers nur so strotzt von Fehlern, Peinlichkeiten und Schnitzern. Gott sei Dank, muss man sagen, denn bei einem perfektionistischen Gott hätten wir wenig zu lachen, und es war Deix, der uns zu der bedeutenden philosophischen Erkenntnis verholfen hat, dass die Schöpfung lächerlich und Gott der größte Humorist ist."

Für Gottfried Gusenbauer, Direktor des Karikaturmuseum Krems, übernahmen Deix Zeichnungen auch eine Ersatzfunktion: "Es gab und gibt viele Tabus und unangenehme Wahrheiten, die man nicht ansprechen durfte oder konnte, hier hat uns Deix mit seinen Bildern die Augen geöffnet."

Schriftsteller Thomas Glavinic tat via Twitter kund: "Manfred Deix war ein ganz Großer. Dieses Jahr kann mich mal." Auch Thomas Edlinger, ab 2017 Leiter des donaufestivals in Krems, hat per twitter von 2016 schon genug:

Reaktionen aus der Politik

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) meinte auf Twitterü über Deix: "Er hat uns allen den Spiegel vorgehalten."

Für Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) war Manfred Deix "ein kompromissloser Beobachter unserer Gesellschaft, der das Beobachtete auf geniale Weise in seinen Karikaturen zu Bild brachte." Mit seinen Zeichnungen habe er "mehr als 40 Jahre lang pointiert und ohne Tabu aktuelle gesellschaftliche und politische Vorgänge aufgezeigt, kommentiert und mit viel Humor verarbeitet. (...) Deix' Portraits und Bildgeschichten weisen eine mitreißende Geschmacklosigkeit auf – wie das Satiremagazin 'Titanic' über seinen unverwechselbaren Stil schrieb."

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) erklärte, es "waren manchmal auch bittere Wahrheiten, mit denen er Österreich zum Lachen und Nachdenken brachte. Schön waren wir nicht in seinen Bildern, aber schön ist auch die Realität nicht immer. (...) Als Politikerinnen und Politiker taten wir gut daran, genau hinzuschauen."

Für Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) war Deix "unverwechselbar in seiner Kunst und einzigartig in seiner Persönlichkeit. Sein scharfer Blick und seine spitze Feder werden uns sehr fehlen. Er war ein Vordenker, der uns zum Nachdenken und Umdenken gebracht hat. (...) Manfred Deix war eine ganz besondere Persönlichkeit, die einem stets ehrlich, direkt und unverfälscht begegnet ist."

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) verweist in einer Stellungnahme darauf, dass Deix sich nie über seine Sujets erhob: "Deix war auch selbst Teil seiner von ihm geschaffenen Welt. Er hatte einen Blick, der nicht von oben, nicht mit elitärer Verachtung kam, sondern von innen. Seine Bilder zeugen stets von großer Empathie für die Menschen." (APA, red, 27.6.2016)

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