Wir haben "Game of Thrones" gesehen: S06 E10 – "The Winds of Winter"

Blog27. Juni 2016, 21:22
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Die Staffel sechs ist beendet: Es ging um Rache, Drachen und Dome. Wir blicken zurück und ein auch ein wenig nach vorn

Wer nicht wissen will, wie die sechste Staffel endet, sollte nicht weiterlesen.

Wir haben die letzte Folge alle gemeinsam angeschaut – hier geht es zur Nachlese.

sky/hbo
S!P!O!I!L!E!R! So viele, dass sogar Ser Davos vor denen davonrennen würde.

Daniela Rom: Was vom Staffelfinale übrigbleibt

Mein Fazit: hmmm. Die Figuren werden neu aufgestellt für das große Ende. So weit, so unüberraschend. Die Reise nach Dorne hätten wir uns gerne sparen können, aber offenbar wird von hier aus noch einmal ein neues Bündnis in den Krieg geworfen. Tote gab es auch, an allen Ecken und Enden.

Cersei am Eisernen Thron und drei tote Kinder – das könnte noch sehr unlustig werden, und die Lady Lannister die neue (eh alte) Bösewichtin für das Ende der Serie (jetzt, wo Ramsay weg ist). Jaime hat auch nicht gerade sehr zufrieden ausgesehen, als seine Lover-Schwester gekrönt wurde.

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Wer von den Abgebildeten stirbt in Folge 10 von Staffel 6? Oder vielleicht ist die bessere Frage: Wer stirbt nicht?

Dass Daenerys endlich auf dem Meer dahinschippert, ist eine Erleichterung. Dass sie ihren Love Interest in Mereen zurückgelassen hat, sehr schade. Aber so sind’s, die Kriegersbräute, da leidet schon mal die Work-Life-Balance.

Der Norden ist wieder vereint. Damit wurde zwar Sansa an Rang zwei gereiht, weil sich die Lords zu Jon Snow verpflichtet haben. Ganz glaube ich immer noch nicht, dass Sansa ihren Anspruch auf die Herrschaft des Nordens wirklich sang- und klanglos aufgibt. Aber vielleicht wird das ja das Power-Couple ohne Trauschein.

Achja, und dann war da noch das mit den Eltern vom Jon. Der Norden weiß ja noch gar nicht, dass Jon durchaus Anspruch auf den Norden hat, als Sohn von Lyanna und Neffe von Ned. Jedenfalls gut, dass das jetzt endlich geklärt ist. Damit spitzt sich der Kampf um den Eisernen Thron wohl auf Jon, Dany und Cersei zu – oder kommen vielleicht doch noch Sansa oder Arya oder irgendjemand anderes ins Spiel? Und können wir uns darauf einigen, das Lyanna Mormont, die kleinste große Anführerin im Norden, die Coolste von allen ist?

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Wann kommt Bran eigentlich endlich an der Schwarzen Festung an?

Alle warten außerdem noch auf die White Walkers und den großen Kampf gegen die Untoten. Vielleicht ist es danach eh wurscht, wer den Thron besteigt. Vielleicht wird’s am Schluss doch noch der König der Herzen: Tyrion.

Michaela Kampl: Schlussstrich gezogen

Am schönsten war die Musik im Staffelfinale. Als da alle in Kings Landing in ihre Gwanderl schlupfen und sich auf den Prozess vorbereiten, das war richtig gut. So alles in allem war die letzte Folge der sechsten Staffel ein einziger großer Endpunkt. Oder wenn wir schon bei Satzzeichen sind, vielleicht eher ein Doppelpunkt: Die Geschichte wir so zusammengezurrt, damit dann in der kommenden Staffel der große Kampf beginnen kann. Mit Drachen und Schiffen und vielleicht explodiert auch wieder was. Cersei konnte endlich nachdem sie die Sekte mit allen Chefs, Mitgliedern und Anhängern in die Luft gesprengt hat am Eisernen Thron Platz nehmen. Der Tod ihres letzten verbliebenen Sohnes Tommen scheint sie weniger zu rühren als die Tode ihrer anderen Kinder. Es wirkt ein wenig so, als hätte sie das in Kauf genommen. Aber es wird nicht einfach für Cersei.

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Tyrion weiß auch nicht, was er jetzt bis nächsten Frühling tun soll, wenn Staffel 7 beginnt.

Nachdem Daenerys ihren Ritter Daario Naharis in den Wind geschickt und Tyrion Lannister zu ihrem fixen Berater gemacht hat, segelt sie mit hunderten Schiffen Richtung Westeros – plus Luftunterstützung von drei mittelgroßen, feuerspeienden Drachen. Im Norden haben sich nun alle drauf geeinigt, dass Jon Snow – obwohl ihres Wissens weiterhin nur uneheliches Kind von Ned Stark – der echte König des Nordens ist.

Die ihm Untergebenen haben keine Ahnung, dass der junge Mann mit den schwarzen Locken wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Sohn von Lyanna Stark und Rhaegar Targaryan ist und damit nach den geltenden Erbfolgeregelung im "Game of Thrones"-Universum den gleichen Anspruch auf den Eisernen Thron hat wie seine Tante Dany. Vielleicht sogar den größeren, weil in diesem Mittelalter-Szenario sind die Thronansprüche von Frauen immer nachgereiht. Aber er hat keine Drachen. Das könnte noch zum Problem werden.

Arya Stark hingegen konnte einen weiteren Namen von ihrer Kill-List streichen und schneidet Walder Frey die Kehle durch, nachdem sie ihm seine Söhne in Form eines Fleisch-Kuchens verfüttert hat. Brandon Stark ist mittlerweile in seine Rolle als Three-Eyed-Raven reingewachsen, reist in die Vergangenheit und sieht wie sein Vater Ned seiner Tante Lyanna am Totenbett verspricht, sich um ihren Sohn zu kümmern – also um Jon Snow, wie wir nun dank einer wunderbaren Augenüberblendung wissen.

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Mahlzeit!

In Dorne ist die Oma von Margaery Tyrell auf der Suche nach Verbündeten, nachdem Cersei Lannister ihre gesamte Familie in die Luft gesprengt hat.

Die sechste Staffel fand ich trotz einiger Höhepunkte wie der wunderbar inszenierte Schlacht in Folge neun eher mittelgut. Die Dialoge waren irgendwie platter, die Geschichten simpler und alles ziemlich offensichtlich erzählt. Die Wendungen und Überraschungen, wie es sie in den vergangenen Staffeln gab, haben mir gefehlt. Jon ist der Sohn von Lyanna. Arya tötet ihre Feinde. Der Bösewicht Ramsey ist tot. Cersei nimmt Rache. Tyrion wird Berater von Daenerys. Die Drachen sind groß. Aber OK: Das Spielfeld ist nun aufgeräumt. Die losen Enden verknüpft. Winter is here. The Game is on.

Anya Antonius: Ein weißer Rabe

Es ist ordentlich etwas weitergegangen in dieser Staffel. Wir mussten uns auch wieder von einigen Gesichtern verabschieden. Die "Red Wedding" wurde ausgiebig gerächt, Boltons sind jetzt keine mehr übrig und auch die Freys wurden dezimiert. Legt euch nicht mit den Stark-Frauen an! Einem kurzen Wiedersehen mit Rickon folgte ein schmerzhafter Abschied. Der Tod des guten, treuen Hodor sorgte für ein kollektives Trauma.

Die Lannisters/Baratheons verlieren ihre letzten beiden Kinder. Fast alle Tyrells verbrennen im Wildfire. Alle Martell-Männer müssen dran glauben, auch hier regieren jetzt die Frauen.

Das streicht einige Big Player aus dem Spiel um den Eisernen Thron – von den Tyrells ist nur noch die Großmutter übrig, und auch von den Baratheons gibt es nur mehr den Bastard Gendry, der jedoch seit mehreren Staffeln abgängig ist. Auch die Martells sind ausradiert, hier hat sich Ellaria Sand an die Spitze gepusht. Es bleiben die Stark-Kinder, Daenerys Targaeryen und die Lannisters, die jetzt immerhin die Königin stellen. Long may she reign, das ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Aus dem Osten kommt nämlich nach scheinbar endloser Wartezeit endlich Daenerys samt gigantomanischem Heer und Drachen um in Westeros einmal ordentlich aufzuräumen. Jon Snow ist der King in the North, man wünscht ihm, dass es für ihn ein besseres Ende nimmt als für Robb, die Sieben haben ihn selig. Der Blick, den Sansa und Petyr dabei ausgetauscht haben, verheißt auch potentielles Drama.

sky/hbo
Bromance.

Doch immerhin, wir wissen endlich über Jons Herkunft Bescheid. Er ist Lyanna Starks Sohn und womöglich ein Targaeryen. Welche Fragen bleiben offen? Es wird immer schwieriger seine Sympathien gleichmäßig zu verteilen. Wünscht man Daenerys den Thron, was bedeutet das dann für die Starks? Putschen sich Petyr und Sansa auf den Eisernen Thron, was wird dann aus Daenerys? Als bekennendes Margaery-Fangirl bleibt zumindest der schwache Trost, dass man sich jetzt keine Sorgen mehr um sie machen muss, aber ihr Platz war der Eiserne Thron, ich bleibe dabei. Werden Jon, Sansa, Bran und Arya endlich zusammentreffen und ihre Macht im Norden weiter festigen? Oder werden Sansa, Petyr und Jon sich gegenseitig bekämpfen? Wird Arya ihre Kill-List weiter abhaken? Der Name "Cersei" würde noch draufstehen.

Doch deren verbleibende Familie stellt wohl die größere Gefahr dar. Immerhin hat sie Jaimes Lebenssinn zerstört, ihrem Weg zum Thron fielen alle gemeinsamen Kinder zum Opfer und was er durch den Mord an Mad King Aerys zu verhindern versuchte, hat sie nun durch Wildfire kaltblütig umgesetzt. Auch Tyrion hat noch eine Rechnung mit ihr offen und der ist momentan auf der Seite der Sieger. Die Karten sind neu gemischt, die Männer großteils tot oder entmachtet, die Frauen ziehen die Fäden. Im Norden formiert sich das weiße Heer der Untoten. Der Winter ist da. Und wir müssen wieder ein Jahr warten. (27.6. 2016)

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