Grazer Firma USound will mit Mini-Lautsprechern Handymarkt aufmischen

27. Juni 2016, 09:48
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5 Mio. Euro an Investorengeldern eingesammelt – Lautsprecher haben sich seit Siemens-Patent aus 1877 kaum weiterentwickelt

Das 2014 gegründete Grazer Unternehmen USound will mit digitalen Mini-Lautsprechern und -Kopfhörern für Smartphones und Co. den globalen Handymarkt aufmischen. Im ersten Halbjahr 2017 sollen die sogenannten MEMS-Kopfhörer in die Massenproduktion gehen, anschließend die Lautsprecher. Die USound-Gründer kommen aus der Halbleiterindustrie, sie haben 5 Mio. Euro an Investorengeldern eingesammelt.

Lautsprechermarkt im Umbruch

Die Grazer erhoffen sich ein riesiges Geschäft, ist doch der Lautsprechermarkt dank neuer Halbleitertechnologien im Umbruch. Lautsprecher sind in Smartphones der letzte nennenswerte analoge Bauteil, ihre Soundqualität ist oft mäßig. "Seit dem Patent von Werner von Siemens aus dem Jahr 1877 haben sich die weitverbreiteten elektrodynamischen Lautsprecher technologisch nur wenig weiterentwickelt. Während es im Displaybereich gerade in den letzten zehn Jahren große Technologiesprünge gab, blieb der Fortschritt im Audiobereich vergleichsweise überschaubar", erklären die USound-Gründer Ferruccio Bottoni, Andrea Rusconi-Clerici und Jörg Schönbacher.

Die drei Halbleiter-Spezialisten bauen nun Lautsprecher auf Basis von Micro Electro Mechanical Systems (MEMS). Es handelt sich um Miniaturbauteile, die als digitales System zusammenwirken. Die Grazer Lautsprecher brauchen 50 Prozent weniger Platz und 80 Prozent weniger Energie, außerdem sind sie günstiger in der Herstellung und haben einen besseren Klang.

Reges Interesse

"Wir arbeiten an der nächsten Generation von Lautsprechern und stoßen damit bei den weltgrößten Hardwareherstellern auf reges Interesse", so Bottoni, der bereits mehr als 20 Patente angemeldet hat und nach drei Jahren Forschung und Entwicklung an die Öffentlichkeit geht.

Kapital hat sich USound auch schon gesichert – nach APA-Informationen bisher rund 5 Mio. Euro. Investiert haben Herbert Gartner, Gründer des 2011 für rund 145 Mio. Euro an ein US-Unternehmen verkauften Halbleiterunternehmens SensorDynamics, Greg Galvin, Gründer des Elektronikspezialisten Kionix, sowie Ignazio Rusconi-Clerici, Gründer der Softwarefirma Hyperion, die mittlerweile zu Oracle gehört. Die drei sitzen auch im Aufsichtsrat von USound.

Laut dem französischen Marktforschungsunternehmen Yole Developpement werden die MEMS-Märkte in den kommenden fünf Jahren von knapp 12 Mrd. Dollar auf 20 Mrd. Dollar anwachsen. Bisher ist der Umbruch von Analog auf Digital/Silizium bei Mikrofonen – durch die Firma Knowles – sowie Oszillatoren – durch SiTime – gelungen. Als nächstes sei der Lautsprechermarkt dran – angeführt werde das ganze von der Grazer Firma USound, so Yole Developpement Anfang Juni 2016. (APA, 27.6. 2016)

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    foto: schreenshot
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