Lionel Messi beendet Nationalteam-Karriere

27. Juni 2016, 06:11
565 Postings

29-Jähriger verschießt im Finale der Copa América gegen Chile einen Elfer und tritt nach 113 Einsätzen, 55 Toren und vier Finalniederlagen zurück

East Rutherford – Als der speziell in Chile bekannte Francisco Silva den finalen Elfmeter verwandelte, zog sich Lionel Messi demonstrativ die Kapitänsbinde ab, verkroch sich auf die Ersatzbank, saß dort mutterseelenallein und traf seine folgenschwere Entscheidung noch auf dem Platz. "Für mich ist das Kapitel Selección beendet", sagte der fünfmalige Weltfußballer aus Argentinien nach dem mit 2:4 im Elfmeterkrimi verlorenen Copa-América-Finale gegen Chile.

"Es sind nun schon vier Endspiele. Es scheint nicht mein Ding zu sein. Ich habe alles versucht, es war mein größter Wunsch. Aber ich denke, das war es", sprach der Stürmer, der mit dem FC Barcelona Titel hamstert, aber im Albiceleste-Trikot nach der verlorenen Südamerika-Meisterschaft 2007 zuletzt gar in drei Finali in Folge versagte. Bei der WM 2014 gegen Deutschland sowie 2015 und 2016 bei der Copa América.

Einige Mitspieler hoffen noch, dass es nicht das letzte Wort von Messi gewesen ist und er am Ende doch im Nationalteam weitermacht. Andere werden es Messi gleichtun. In südamerikanischen Medien ist von den Rücktritten von Defensivspezialist Javier Mas-cherano (Barcelona) und Angreifer Sergio Agüero (Manchester City) die Rede. "Es ist wahrscheinlich, dass Messi nicht der Einzige ist, der das Team verlässt. Einige andere denken darüber nach, ob sie weitermachen sollen. Ich auch" , sagte Agüero der Zeitung Olé. Angel Di Maria, Ezequiel Lavezzi, Gonzalo Higuain und Lucas Biglia dürften genug haben.

Fußball-Genie Messi, das nie an die WM-Erfolge seines Vorgängers Diego Maradona heranreichte, bestritt 113 Länderspiele für den zweimaligen Weltmeister und löste nach seinem Treffer beim 4:0 im Copa-Halbfinale gegen die USA mit 55 Treffern Gabriel Batistuta als Rekordtorjäger ab. Doch der 29-Jährige konnte auch beim Centenario-Turnier in den USA die nun schon 23 Jahre währende Titellosigkeit nicht beenden, er führte das Team nur mit Juniorenteams zum U20-WM-Sieg 2005 und zu Olympiagold 2008, war deshalb daheim trotz aller Fußballkunst nie unumstritten.

"Ausgerechnet ich verschieße den ersten Elfmeter, der so wichtig war, um vorzulegen", jammerte La Pulga (der Floh) und begründete seinen Rücktritt dann: "Die Entscheidung ist zum Wohle aller. Es gibt viele Leute, die sich das gewünscht haben, die sich nicht damit zufriedengeben, wie wir es auch nicht tun, ein Finale zu erreichen und dann nicht zu gewinnen." Nachdem er den Ball über das chilenische Tor gesetzt hatte, zog er sein Trikot aus Verärgerung in die Länge und trottete mit hängendem Kopf von dannen.

Härteeinlagen

Zuvor hatte sich im MetLife Stadium von East Rutherford das Drehbuch des letztjährigen Finales wiederholt. Vor 82.026 Zuschauern lieferten sich Argentinien und Titelverteidiger Chile in torlosen 120 Minuten einen wahren Abnutzungskampf, der durch die frühen Platzverweise von Marcelo Diaz (29.) nach zwei Fouls an Messi sowie des Argentiniers Marcos Rojo (44.) nach hartem Einsteigen gegen Arturo Vidal noch verschärft wurde. Im Elfmeterschießen scheiterte dann zunächst Vidal an Argentiniens Schlussmann Sergio Romero, ehe Messi seinen Versuch weit über das Tor setzte. Die folgenden fünf Schützen verwandelten sicher, ehe Chiles Torhüter Claudio Bravo den Schuss von Lucas Biglia hielt und Francisco Silva den letzten Versuch einnetzte.

"Es ist zum Heulen", brachte es Argentiniens Sportzeitung Olé auf den Punkt. Zuletzt jubelten die Gauchos 1993 bei der Südamerika-Meisterschaft. Danach folgten nun schon 17 vergebliche Anläufe auf einen Titel, mit sieben verlorenen Endspieldramen: vier bei der Copa (2004, 2007, 2015, 2016), eines bei der WM 2014 in Brasilien gegen Deutschland, je eines beim Confed-Cup (2005) sowie bei dessen Vorgänger, dem König-Fahd-Pokal (1995).

"Nur Mannschaften, die zusammenhalten, gewinnen Turniere", sagte Vidal. (sid, red, 27.6.2016)

Copa America, Finale, Sonntag

Argentinien – Chile 2:4 i. E. (0:0, 0:0, 0:0)
East Rutherford, 82.000 Zuschauer

Rote Karte: Rojo (43./Argentinien)

Gelb-rote Karte: Diaz (28./Chile)

Sieger der Copa:

Uruguay 15 Titel (zuletzt 2011)
Argentinien 14 (1993)
Brasilien 8 (2007)
Chile 2 (2016)
Paraguay 2 (1979)
Peru 2 (1975)
Kolumbien 1 (2001)
Bolivien 1 (1963)

  • Francisco Silva nach dem entscheidenden Elfer.
    foto: reuters/penner

    Francisco Silva nach dem entscheidenden Elfer.

  • Häufchen Elend: Lionel Messi.
    foto: apa/afp/mike stobe

    Häufchen Elend: Lionel Messi.

Share if you care.