3:0 gegen Slowakei: Deutschland souverän zum Duell der Weltmeister

27. Juni 2016, 20:29
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Deutschland steht dank eines klaren Erfolgs gegen die Slowakei im Viertelfinale. Jerome Boateng, Mario Gomez und Julian Draxler trafen für das DFB-Team. Am Samstag bekommt es der Weltmeister mit einem ehemaligen Weltmeister zu tun: Italien

Lille – Selbstverständlich hat Deutschland die Slowakei nicht auf die leichte Schulter genommen. Deshalb hat Bundestrainer Joachim Löw auch Jerome Boateng, den bisher äußerst souveränen Innenverteidiger, trotz zwickender Wade und trotz Gelb-Vorbelastung aufgeboten. Immerhin hat die Slowakei den Weltmeister vor vier Wochen in Augsburg mit 3:1 bezwungen. Freilich, es war eine wegen Regens grenzwertige Partie und lediglich eine zu Testzwecken.

Wiedersehen am Sonntag in Lille, 19 Grad Celsius, Sonnenschein. Es geht um was im Stade Pierre Mauroy. EM-Achtelfinale. Die Deutschen, Augsburg hin oder her, sind natürlich die Favoriten – die haushohen. Und also machen sie auch von Beginn an das Spiel. In Minute sieben köpfelt Sami Khedira nach einem Freistoß drüber. Es ist bisher nicht das Turnier des Juvenus-Mittelfeldmannes. Aber die nächste Aktion bringt den frühen Führungstreffer. Boateng zieht nach einem Eckball aus mehr als 20 Metern ab: 1:0. Wegen des Toreschießens hatte Löw den 27-Jährigen nicht unbedingt aufgeboten. In seinen 62 Länderspielen davor hatte Boateng noch nie getroffen.

In der 13. Minute reißt Martin Skrtel Mario Gomez am Leiberl – dummerweise im Strafraum. Schiedsrichter Szymon Marciniak aus Polen entscheidet folgerichtig auf Elfmeter. Mesut Özil tritt an, schießt nicht superscharf, halbhoch, rechts. Dort ist der slowakische Keeper Matus Kozacik. Trost für Özil, auch sein Ex-Klubkollege bei Real Madrid, Cristiano Ronaldo, und nicht zuletzt Aleksandar Dragovic haben bei dieser EM schon Elfer vergeben.

Es dauert mehr als 18 Minuten, bis die Slowaken erstmals im Strafraum der Deutschen auftauchen, Manuel Neuer ist aber Herr der Lage.

Einbahnstraßenfußball

Es bleibt beim Einbahnstraßenfußball. 24. Minute: Özil schießt diesmal schärfer und aus größerer Distanz, aber auch knapp vorbei. Julian Draxler, der statt Mario Götze auf der linken Seite agiert, zielt in Minute 39 vorbei. Wenig später die bis dahin gefährlichste Aktion der Slowaken: Peter Pekarik, der trotz Nasenbeinbruchs spielt, flankt auf Juraj Kucka. Dieser bringt den Ball per Schulter gefährlich aufs Tor (41.), aber da ist ja Neuer. Zwei Minuten später sind die slowakischen Viertelfinalträume so gut wie geplatzt. Mario Gomez trifft vom Fünfer (43.) nach pipifeiner Draxler-Vorarbeit zum 2:0. Der Weltmeister ist auf Viertelfinalkurs. Augsburg war ein Ausrutscher. Spätestens jetzt völlig wurscht.

Nach der Pause, die Luft ist ein bisschen draußen, zieht Kucka (49.) halt einmal ab, aber im Tor ist ja Neuer. 63. Minute: Draxler schießt volley aus kurzer Distanz zum 3:0 ein. Das zweite Länderspieltor des Wolfsburg-Mittelfeldlers. Hoch wird der Weltmeister nicht mehr verlieren. 68. Minute, Freistoß Slowakei: Jan Durica schießt gar nicht weit daneben. Es wäre eh nur Kosmetik gewesen. Die Partie hat in der zweiten Hälfte nicht mehr wahnsinnig viel zu bieten. Schon in der Nachspielzeit schießt Kroos zu direkt auf Kozacik. Kurz darauf vergibt noch einmal Kroos, diesmal aus einem Freistoß.

Es bleibt schließlich beim 3:0, Manuel Neuer bleibt ohne Gegentor, Deutschland ist im Viertelfinale, trifft dort am Samstag in Bordeaux auf Italien. Ein Fall für Fußballfeinschmecker. (rie, 26.6.2016)

EM-Achtelfinale, Sonntag

Deutschland – Slowakei 3:0 (2:0)
Lille, Stade Pierre Mauroy, 44.300 Zuschauer, SR Marciniak (POL)

Tore:
1:0 ( 8.) Boateng
2:0 (43.) Gomez
3:0 (63.) Draxler

Deutschland: Neuer – Kimmich, Hummels, Boateng (72. Höwedes), Hector – Khedira (76. Schweinsteiger), Kroos – Müller, Özil, Draxler (72. Podolski) – Gomez

Slowakei: Kozacik – Pekarik, Skrtel, Durica, Gyömber (84. Salata) – Kucka, Hrosovsky, Skriniar, Hamsik, Weiss (46. Gregus) – Duris (64. Sestak)

Anmerkung: Özil scheitert mit Elfmeter an Kozacik (13.).

Gelbe Karten: Kimmich, Hummels bzw. Skrtel, Kucka

Stimmen:

Joachim Löw (deutscher Bundestrainer, im ZDF): "Wir hatten immer die Kontrolle über das Spiel und haben den Ball gut laufen lassen. Es war ein ungefährdeter Sieg. Normalerweise ist Jerome Boateng immer nur zur Absicherung eingeteilt, aber den Ball nimmt er natürlich überragend."

Jan Kozak (Trainer Slowakei): "Die Deutschen sind eine Turniermannschaft. Sie wissen, wann sie aufdrehen müssen. Wir müssen den Deutschen ein Kompliment aussprechen, sie haben exzellent gespielt, ein frühes Tor erzielt. Wir haben uns aufgelehnt, ihnen aber keine Probleme bereiten können."

Jerome Boateng (im ZDF): "Ich bin froh, dass er reingegangen ist. Ich habe gesagt, ich hebe mir das erste Tor für das Turnier auf. Ich freue mich aber besonders für die Mannschaft, die sehr gut gespielt hat. Die Ärzte und Physios haben alle Vollgas gegeben, sonst hätte ich heute nicht spielen können"

Mario Gomez (im ZDF): "Es ist nie leicht. Die Flexibilität, die wir in den letzten zwei Spielen hatten, ist genial. Das ist ein schöner Moment, ich will gar nicht zurückdenken. Ich freue mich, dass mir die Mannschaft vertraut. Nach hinten verteidigen wir sehr, sehr gut. Es macht Riesenspaß." Über die anstehenden starken Gegner: "Unser Ziel ist der Titel, deshalb müssen wir diese Nationen schlagen."

Marek Hamsik (Slowakei): "Es ist schon schade, so klar zu verlieren. Aber wenn ich auf die gesamte EM samt Qualifikation zurückblicke, können wir schon stolz sein. Sie hatten sehr viel Ballbesitz, wir wollten kontern, aber mehr als eine Chance sprang dabei nicht heraus."

  • Jerome Boateng zieht zum 1:0 ab, Deutschlands Edel-Innenverteidiger ist jetzt auch ein Teamtorschütze. Der slowakische Star Marek Hamsik ist ein artiger Zuschauer.
    foto: imago sportfotodienst

    Jerome Boateng zieht zum 1:0 ab, Deutschlands Edel-Innenverteidiger ist jetzt auch ein Teamtorschütze. Der slowakische Star Marek Hamsik ist ein artiger Zuschauer.

  • Nach dem 3:0 von Julian Draxler war die Sache gegessen, Deutschland zog in überzeugender Manier ins Viertelfinale ein.
    foto: afp/ denis charlet

    Nach dem 3:0 von Julian Draxler war die Sache gegessen, Deutschland zog in überzeugender Manier ins Viertelfinale ein.

  • Manuel Neuer hatte im Achtelfinale immerhin ein bisschen zu tun. Der Bayern-Schlussmann ist nach vier EM-Partien noch immer ohne Gegentreffer.
    foto: reuters/carl recine

    Manuel Neuer hatte im Achtelfinale immerhin ein bisschen zu tun. Der Bayern-Schlussmann ist nach vier EM-Partien noch immer ohne Gegentreffer.

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