Online-Petition für neues "Brexit"-Votum: 25.000 Stimmen aus Nordkorea

26. Juni 2016, 18:32
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Offenbar technische Hilfsmittel im Einsatz – Aktivisten riefen Nicht-Briten zur Unterzeichnung auf

Kurz nach dem sich Großbritannien mit knapper Mehrheit für einen EU-Austritt entschieden hat, kehrt angesichts der ersten Folgen Ernüchterung ein. Aus der Wirtschaft kommen skeptische Töne, Schottland drängt wieder auf Unabhängigkeit vom Königreich und so mancher Wähler erzürnt sich darüber, dass UKIP-Chef Nigel Farage unmittelbar nach Ergebnisverkündung ein zentrales Versprechen des Austritts-Lagers – 350 Millionen Pfund wöchentlich für die Gesundheitsversorgung – revidierte.

Starken Zulauf fand eine Online-Petition, die nun eine zweite Abstimmung über den Verbleib in der Union fordert. Mittlerweile steht sie bei über drei Millionen Unterschriften. Allerdings, so berichtet das rechte US-Blog Breitbart, hat sich Verdacht erhärtet, dass zahlreiche Stimmen nicht von Briten oder gar automatisiert abgegeben wurden.

foto: screenshot
Von den über drei Millionen gelisteten Unterzeichnungen dürften einige von nicht-britischen Staatsbürgern oder gar per Skript hinterlassen worden sein.

Schlecht abgesichert

In der Tat erscheint das Online-Formular manipulationsanfällig. Wer unterschreiben möchte, muss lediglich mit dem Anhaken eins Kästchens bestätigen, "Brite oder abstimmungsberechtigt" zu sein. Dazu gilt es, Name, Land, Postleitzahl und eine E-Mail-Adresse anzugeben, die anschließend über einen Kontrolllink in einer Mail bestätigt wird.

Ein Captcha, also die Abfrage eines Bildcodes, zur Verhinderung von automatischem Zugriff gibt es nicht. Eben so wenig verweigert das System den Versand an E-Mail-Aliases. Anbieter wie etwa Gmail ermöglichen es, Nachrichten nicht nur unter "name@gmail.com" zu erhalten, sondern etwa auch unter "name+X@gmail.com", wobei "X" beliebig mit Text oder Ziffern ersetzbar ist. Was in Kombination mit Filtern eine einfachere Sortierung eingehender Mails erlaubt, ermöglicht in einem solchen Fall theoretisch eine schnelle Einreichung vieler Stimmen, ohne für jede eine eigene Mailadresse anlegen zu müssen.

2.700 Stimmen aus der Antarktis

Breitbart dokumentiert einerseits User, die auch Nicht-Briten zur Unterzeichnung der Petition aufrufen, als auch ein Skript, mit dem sich mutmaßlich Eintragungen vornehmen lassen. Und dieses dürfte anscheinend auch zum Einsatz kommen, denn unter den virtuellen Unterschriften befinden sich angeblich rund 25.000 aus Nordkorea, wo der Zugriff auf das Internet wenigen Eliten vorbehalten ist.

Auch über 2.700 Stimmen aus den britischen Antarktisgebieten werden demnach verzeichnet, obwohl dort offiziell nur 250 Menschen leben. 41.000 Unterschriften sollen außerdem aus dem Vatikan stammen.

Kommitee prüft

Über die aktuellen im JSON-Format vorliegenden Rohdaten lassen sich die Angaben von Breitbart allerdings nicht nachvollziehen, hier sind 26 Stimmen aus Nordkorea, 44 aus dem Vatikan und 13 aus der Antarktis gelistet. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass diese bereits um gefälschte Unterschriften bereinigt wurden.

Das für die Online-Petitionen zuständige Komitee hat mittlerweile reagiert und eine Prüfung angekündigt. Alle Stimmen, die als "betrügerisch" eingestuft werden, sollen entfernt werden. Laut Independent wurden bereits 77.000 entfernt.

Hürden genommen

Doch selbst ohne diesen wird sich die Politik mit dem Ansinnen befassen müssen. Ab 10.000 Eintragungen ist die Regierung verpflichtet, auf eine Forderung zu reagieren. Ab 100.000 muss sie außerdem im Parlament debattiert werden. Die Dauer der Petitionen ist standardmäßig auf sechs Monate festgelegt, eine Unterzeichnung ist noch bis zum 25. November möglich. (gpi, 26.06.2016)

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