Vermisster Schweizer Bub aus Wohnung in Düsseldorf befreit

26. Juni 2016, 12:11
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Der Zwölfjährige ist unverletzt, ein 35-jähriger Deutscher wurde festgenommen. Die beiden sollen einander über ein Onlinespiel kennengelernt haben

Solothurn – Eine Woche nach seinem Verschwinden ist ein zwölfjähriger Bub aus der Schweiz in der Nacht auf Sonntag in Düsseldorf im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen wohlbehalten aufgefunden worden. Er befand sich in der Wohnung eines 35-jährigen Deutschen, den er über ein Internetspiel kennengelernt hatte.

"Heute ist ein guter Tag", sagte Urs Bartenschlager, Chef der Kriminalpolizei Solothurn, am Sonntag. Man habe aufgrund von Notizen Hinweise gehabt, dass Paul sein Verschwinden über mehrere Wochen geplant habe. Er habe eine "Strichliste" geführt und die Tage seines Verschwindens gezählt. Der Bub habe mit einem Unbekannten über ein Online-Kinderspiel mindestens einen Monat lang Kontakt gehabt und das Spiel intensiv genutzt.

Laut Bartenschlager schließt die Polizei einen sexuellen Übergriff nicht aus; das sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Der Bub sei körperlich unversehrt, seine Eltern seien noch in der Nacht nach Düsseldorf gebracht worden.

Ein Spezialeinsatzkommando der deutschen Polizei hatte gegen 1.30 Uhr im Düsseldorfer Stadtteil Hassels die Wohnung des Mannes gestürmt, der widerstandslos festgenommen wurde. Am Samstagabend hatten sich die Hinweise verdichtet, dass sich der Zwölfjährige in der Wohnung aufhielt.

Verfahren wegen Entführung eröffnet

Motiv und Hintergrund sind noch unklar, der Mann ist mit dem Kind nicht verwandt. Die Solothurner Ermittlungsbehörden gehen nicht davon aus, dass der Mann an die Schweiz ausgeliefert wird. Staatsanwalt Ronny Rickli sagte, man habe ein Verfahren wegen Entführung eröffnet. Dieser Straftatbestand komme bei Kindern unter 16 Jahren auch dann infrage, wenn diese sich scheinbar oder zunächst freiwillig bei einer Person aufhalten.

Laut Kriminalpolizeichef Bartenschlager war noch vieles unklar. Der Fall zeige jedoch exemplarisch die Gefahr des Internets. Auch bei harmlosen Kinderspielen seien nicht nur harmlose Spieler unterwegs, diese würden unter Fantasienamen auftreten.

Der Bub war am Samstag der Vorwoche von seinen Eltern als vermisst gemeldet worden. Die Polizei ging davon aus, dass er sein Elternhaus im Ort Gunzgen im Kanton Solothurn in der Absicht verlassen hatte, nicht mehr zurückzukehren. (APA, sda, red, 26.6.2016)

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