Moody's stuft Österreich herab

25. Juni 2016, 12:11
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Moody's senkte am Freitag, Standard&Poor's bereits 2012, Fitch 2015 – Auswirkungen waren kaum wahrnehmbar

Wien – Nun hat Österreich bei allen drei großen Ratingagenturen die jeweils zweitbeste Note. Moody's hat gestern der Republik die Bestnote Aaa für langfristige Verbindlichkeiten entzogen und um eine Stufe auf "Aa1" herabgesetzt. Im Jänner 2012 hatte Standard&Poors Österreich von AAA auf AA+ gesenkt, im Februar 2015 folgte Fitch mit der Reduktion ebenfalls von AAA auf AA+. Der Ausblick ist jeweils stabil.

Als S&P 2012 als erste Ratingagentur Österreich nicht mehr die Top-Bonität zugestand, hatte es noch helle Aufregung und Warnungen vor höheren Zinskosten gegeben. Österreich wurde damals mit einigen anderen Euroländern zusammen wegen schlechten Managements der Eurozone abgestraft. Die Auswirkung der Abstufung stellte sich aber im Nachhinein als kaum wahrnehmbar heraus. Österreichs Staatsanleihen haben inzwischen teilweise schon Negativzinsen – Investoren zahlen also drauf, um ihre Geld in Österreich anzulegen.

Schwache Wachstumserwartungen

Entscheidend für die aktuelle Herabstufung durch Moody's waren die schwachen mittelfristigen Wachstumserwartungen, schrieb die Ratingagentur zur Begründung. Angesichts des geringen Wirtschaftswachstums sei es schwierig, die hohen Staatsschulden in einem mittelfristigen Zeitraum deutlich und nachhaltig zu reduzieren.

Moody's schätzt Österreichs jährliches Wirtschaftswachstum bis 2020 auf durchschnittlich 1,3 Prozent. Kurzfristig werde das Wachstum durch temporäre Effekte zwar stärker ausfallen, ab 2019 aber ohne weitere strukturelle Wirtschaftsreformen nur 1,1 Prozent pro Jahr betragen.

Standard&Poor's (S&P) hatte sich hingegen bei der jüngsten Einschätzung im März 2016 zu den Wachstumsaussichten optimistisch geäußert. Das Wachstum werde von 2016 bis 2019 so hoch oder sogar leicht höher als bisher vorhergesagt ausfallen, so die Einschätzung. Die wettbewerbsfähige, exportorientierte Wirtschaft werde wohl die Stagnation der jüngsten vier Jahre überwinden.

Fitch wiederum erwartete im Februar bei der bisher letzten Bewertung ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent sowohl heuer als auch 2017. (APA, 25.6.2016)

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