Ball, Brexit, Leithagrenze

24. Juni 2016, 18:03
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Im Burgenland – um jetzt von der Weite der großen Welt in die eigentliche zu kommen – ist man im Wiglwogl, ob man sich grämen soll über den ballesterischen Öxit oder nicht, Sponsortätigkeit des Landestourismus hin oder her. "Endlich", sagte am Donnerstag einer beim Zusammenstehen, "kann ich jetzt zu Ungarn helfen." Nicht nur wegen des seelenwärmenden, leibbetonenden "foci", den sie spielen, oder dem begnadeten Goalie Király aus Steinamanger. Sondern insgesamt historisch gesehen. "Was", sagt der also, mit dem man zusammenstand, "sind die knapp hundert Jahre Österreich gegen die 1000 Jahre, die das Burgenland bei Ungarn war?"

Der Gedanke hat was. Schaut man mit historischem Blick – 1866 und damit Königgrätz und Custozza und Lissa (Lissa!) sind ja auch erst 150 Jahre her -, erkennt man immer noch eine klare Trennlinie an der Leitha. Auch und gerade auf dem Platz. Cisleithanien ist mit Tschechien und Österreich fulminant gescheitert. Transleithanien mit der Slowakei, Ungarn und Kroatien fulminant nicht.

1867 ist mit der amtlichen Kenntnisnahme von 1866 das doppelgesichtige Kakanien entstanden. Der Fußball hierzulande erst danach, weshalb Ungarn und Österreich – dem öden Witz hohnsprechend – stets gegeneinander, nie miteinander gegen wen anderen, gespielt haben. Ähnlich wie England und Schottland. Der Brexit ist diesbezüglich völlig blunzn. Und Wiedervereinigung passiert ja eh ganz woanders. Den Burgenländern, die nun mit Ungarn – und, ja, Kroatien – jubeln, kann man natürlich schändliche Gloryhunterei vorwerfen. Es ist aber wohl viel einfacher: Gast und Kellner sprechen endlich wieder dieselbe Sprache. Egészségedre! (Wolfgang Weisgram, 24.6. 2016)

  • So schön ist es an der Leitha.
    foto: reuters/niesner

    So schön ist es an der Leitha.

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