Notenbanken rüsten sich mit Milliarden gegen Brexit

24. Juni 2016, 17:49
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Bank of England stellt Finanzinstituten 250 Milliarden Pfund per Kredit bereit

Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU hat am Freitag die großen Notenbanken rund um den Globus auf den Plan gerufen. Die britische Notenbank kündigte an, Banken für den Fall der Fälle zusätzlich 250 Milliarden Pfund (gut 300 Milliarden Euro) zur Verfügung zu stellen. Wenn notwendig, könne man auch eine "substanzielle Menge" an ausländischer Währung verleihen, sagte der Chef der Bank of England, Mark Carney. Das größte Risiko seien die kurzfristigen Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Man habe sich aber gut vorbereitet und stehe für weitere Maßnahmen bereit.

Carney versuchte, das Vertrauen in die britischen Banken zu stärken. Sie hätten in den vergangenen Jahren zusätzlich 130 Milliarden Pfund an Eigenkapital aufgebaut. Außerdem seien sie in Stresstests schon drastischeren Ereignissen ausgesetzt worden.

Als sich ein Sieg der Leave-Kampagne abzeichnete, stürzten sich Anleger auf den Schweizer Franken. Er gilt traditionell als Fluchtwährung in unsicheren Zeiten. Die Schweizer Nationalbank schaute aber nicht lange zu und begann, selbst Franken zu verkaufen, um die Währung zu schwächen. Der Euro legte zum Franken am Ende des Tages daher nur etwa zwei Prozent zu.

Auch die Europäische Zentralbank sah sich zu einer Mitteilung genötigt. Sollten Banken der Eurozone Probleme haben, an Geld zu kommen, sei man bereit einzuspringen, teilte sie mit. Man habe sich gemeinsam mit anderen Notenbanken und den Finanzinstituten auf einen Brexit vorbereitet. Am Freitag fand eine Telefonkonferenz der Notenbanken der G7-Länder statt, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Mit von der Partie war auch die Zentralbank der USA, die Federal Reserve. Sie teilte mit, die Ereignisse auf den globalen Finanzmärkten sorgsam zu beobachten. Sie sei bereit, anderen Zentralbanken Liquidität in US-Dollar zur Verfügung zu stellen, damit es zu keinen negativen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft kommt.

Ob die Notenbanken ihre Geldpolitik anpassen müssen, werden die Auswirkungen des Brexits auf die sich ohnehin eher schwach entwickelnde Weltwirtschaft entscheiden. Das Aufkaufen weiterer Anleihen ist eine Option. (sat, 25.6.2016)

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