1984: Das Ende der 78er und der gallische Triumph

Video24. Juni 2016, 17:41
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Österreichs Scheitern in der Qualifikation zog einen Generationswechsel und eine Ligareform nach sich. Die Endrunde prägten ein auf der Höhe seiner Kunst befindlicher Michel Platini und Dynamit aus Dänemark

Im Herbst 1983 verfiel Österreich der Depression, zumindest die fußballaffinen Zirkel des Landes. Greifbar nah schien die erstmalige Qualifikation für eine Endrunde der Europameisterschaft, doch dann ging dem Team auf der Zielgeraden die Luft aus: drei Niederlagen in Serie, Platz drei in Gruppe 6 hinter Deutschland und Nordirland.

Wie anders der Start: In fünf Matches hatte die Mannschaft von Trainer Erich Hof einen Punkt abgegeben (gegen die Deutschen) und nur ein einziges Goal kassiert. Dann jedoch wurde man in Belfast erst von den Nordiren überrannt (1:3). Zwei Wochen später wartete das Auswärtsspiel gegen die BRD, die Zuversicht hielt sich in Grenzen. In Gelsenkirchen stand’s nach 20 Minuten 0:3 – ein Begräbnis erster Klasse.

Am Ende Häme und eine brachiale Reform

Den Österreichern wurde ihr antiquierter Stil unter die Nase gerieben. "Schneckerlfußball", titulierte die Münchner tz, war das, was da geboten wurde. Die Qualifikation klang in Grabesstimmung aus. In Istanbul setzte es die erste Niederlage eines ÖFB-Teams gegen die Türkei. Keeper Friedl Koncilia hatte den "Albtraum" (Hof) mit einem Patzer eingeleitet. Die AZ schrieb noch letzte Worte: "Fast alle haben versagt." Die Ära der 78er war endgültig vorbei.

Und so war es wieder einmal an der Zeit, eine Reformdebatte loszutreten. Teamchef Hof redete einem "Ausländerstopp" das Wort, eine Bündelung der Kräfte statt der auf 16 Klubs aufgeblähten Ersten Division wurde gefordert. Tatsächlich wurde im Jahr darauf der Umbruch eingeleitet, die beiden höchsten Spielklassen auf je zwölf Teilnehmer eingedampft und mittels Playoff verzahnt. Die brachiale Konsequenz: 1984/85 mussten aus der ersten Liga fünf Klubs absteigen, aus der zweiten elf.

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Unerreicht: Michel Platini trifft in einer Endrunde neun Mal.

Gallischer Glanz, Elkjaers Hintern

Von der Endrunde in Frankreich bleibt die Erinnerung an ein wunderbares Ensemble der Gastgeber. Michel Platini, am Zenit seiner Kunst, zauberte die Équipe Tricolore mit neun Goals in fünf Matches zu ihrem ersten großen Titel. Alain Giresse und Jean Tigana gaben die kongenialen Leutnants. Und noch eine andere Elf begeisterte: Unter Anleitung des wunderlichen Deutschen Josef Piontek wirbelte das Danish Dynamite mit Verve. Die Skandinavier stellten ein Team von Legionären, das war damals ganz und gar außergewöhnlich.

Im Halbfinale gegen Spanien kam ein unglückliches Ende nach Elfmeterschießen: Preben Elkjaer Larsen vergab. Berühmtheit erlangte der Riss in der Hose, welcher dabei den Blick auf den Allerwertesten des Exzentrikers freigab. Das Finale im Pariser Prinzenpark drohte für die Franzosen schiefzugehen, ehe Spaniens Torhüter Luis Arconada Les Bleus mit einem schweren Schnitzer den Weg ebnete. Und die Iberer sollten bis zu ihrem ersten Titel 2008 bei Welt- und Europameisterschaften nicht mehr über das Viertelfinale hinauskommen. (Michael Robausch, 24.6. 2016)

  • Michel Platini stemmt nach dem Final-Erfolg der Franzosen über Spanien die Coupe Henri Delaunay.
    foto: imago

    Michel Platini stemmt nach dem Final-Erfolg der Franzosen über Spanien die Coupe Henri Delaunay.

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