Platz für Superschiffe: Panamakanal eingeweiht

25. Juni 2016, 21:48
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Mit zwei Jahren Verzögerung wurde am Sonntag die neue Schleusenreihe des Panamakanals eingeweiht. Der Kanal ist Lebensader für das Land und Schmiere für den Welthandel

Panama-Stadt/Puebla – Die Andronikus der chinesischen Reederei Cosco hat an diesem Sonntag die neue Schleusenreihe des Panamakanals eingeweiht. Mit 300 Meter Länge und einer Ladekapazität von 94.000 Tonnen verdeutliche das Containerschiff, das zu Ehren dieses Anlasses auf Cosco Shipping Panama umgetauft wurde, auch gleich, warum der Ausbau des Kanals nötig war: Es gehört nämlich zur Post-Panamax-Klasse der Superfrachter, die schlicht nicht in die alten, vor 102 Jahren erbauten Schleusen passen.

Auf der besonders befahrenen Route zwischen Asien und der Ostküste der USA mussten diese Tanker bisher den 5000 Kilometer längeren Umweg über die Magellanstraße oder die fünf Tage längere Route durch den Suezkanal nehmen. Und es ist auch kein Zufall, dass die Andronikus Chinesen gehört. Die aufsteigende Welt- und Handelsmacht ist neben den USA der wichtigste Kunde des Kanals. Chinesische Firmen haben nicht nur Anteile an den beiden Häfen Panamas, Balboa und Colon, sondern bauen Logistik- zentren in der Karibik, Süd- und Mittelamerika.

Bis zu 14.000 Arbeiter und 18 Kräne waren für den Bau der neuen Schleusenreihe simultan im Einsatz. 4,7 Millionen Kubikmeter Beton und 321.000 Tonnen Stahl wurden benötigt. Ein gigantisches Bauwerk vom Ausmaß der Gizeh-Pyramiden in Ägypten.

Technische Neuerungen

Richtig erkennbar war das Design nur aus der Luft. Im Vergleich zur alten Schleusenreihe gibt es einige Neuerungen: Die Tore öffnen sich nicht mehr wie ausgebreitete Arme, sondern funktionieren als Gleittüren, was die Wartezeit bei der Schleusendurchfahrt verkürzt. Alles ist computergesteuert, und es gibt Wasserauffangbecken, die das für die Anhebung und Absenkung der Schiffe benötigte Süßwasser zu 80 Prozent wieder verwerten. Trotzdem wird der Kanal letztlich mehr Wasser verbrauchen, denn die alte Schleusenreihe bleibt weiter im Einsatz für kleinere Schiffe.

Schon Wochen vor der offiziellen Jungfernfahrt hatte die Kanalverwaltung die Schleusen getestet, die immer wieder Probleme machten. Mal funktionierte der Mechanismus nicht richtig, mal leckte der Beton. Nun aber könne er den großen Moment gar nicht mehr erwarten, verkündete Kanalverwaltungschef Jorge Quijano.

Bevölkerung ist stolz

Die Panamaer, denen 1999 von den US-Amerikanern die Kontrolle über die Wasserstraße übertragen wurde, sind stolz auf ihren Kanal, der dem Land jährlich eine Milliarde Dollar Nettogewinn oder knapp drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts einbringt. Mit der neuen Schleusenreihe sollen sich Frachtaufkommen und Gewinn verdreifachen.

Mit Pauken, Trompeten und mehreren Staatschefs aus der Region wird Panama die Durchquerung feiern – in der Hoffnung, dass wenigstens an diesem Tag die Ingenieurskunst die Vorwürfe als Steuer- und Geldwäscheparadies überlagert. Doch ganz loszulösen sind der Kanal und das Geld nicht einmal an diesem Tag.

Schon der ursprüngliche Bau des Panamakanals durch den Franzosen Fernand de Lesseps endete mit einem Finanzskandal, der ganz Frankreich in eine Krise stürzte. Und selbst wenn der Bau der neuen Schleusenreihe nicht ganz so dramatisch verlief und sogar vorab durch ein Referendum vom Volk gebilligt wurde, hatte auch er seine Skandale.

Alte und neue Probleme

Um die Ausschreibung bemüht hatte sich sowohl ein Konsortium unter US-amerikanischer Führung als auch das aus spanischen, belgischen, panamaischen und italienischen Firmen bestehende Konsortium GUCP. Letzteres erhielt aufgrund des günstigeren Angebots von 3,1 Milliarden US-Dollar den Zuschlag. Viel zu billig seien die Europäer gewesen, hatte Wikileaks zufolge damals die US-Botschafterin nach Washington berichtet, garniert mit dem Verdacht der Korruption. In der Tat häuften sich bald die Probleme.

Das in Panama vorhandene Material für den Zement erwies sich als mangelhaft. Dann ging den Baufirmen das Geld aus, monatelang standen die Kräne still. Aus der geplanten Einweihung zum 100-Jahr-Jubiläum des Kanals im Jahr 2014 wurde nichts. Die Bootslotsen bemängelten, der Manövrierraum sei zu klein, die neuen Boote – gekauft von einer spanischen Firma, die von Quijanos Sohn repräsentiert wurde – seien instabil und in den durch Gezeiten, Wind und Strömungen unruhigen Gewässern schwer zu lenken, berichtete die New York Times. Wer letztlich für die von europäischen, japanischen und US-Banken geborgten 2,5 Milliarden Dollar Mehrkosten aufkommen wird, entscheiden Schiedsgerichte.

Niedrigere Preise am Suezkanal

Doch nicht nur die Kosten sind ein Wermutstropfen. Da ist zum einen die Konkurrenz: Gefährlicher als der von chinesischen Investoren bisher nur auf dem Papier geplante Kanal durch Nicaragua ist die Senkung der Tarife am Suezkanal.

Dann entpuppt sich der Klimawandel immer mehr als Problem. Abschmelzende Eisberge lassen die früher nur selten befahrbare Nordpolarroute zur Konkurrenz heranwachsen. Und in Panama nimmt bei lang anhaltenden Trockenphasen die Süßwassermenge ab, und die Schiffe müssen Fracht abladen, da sie sonst zu viel Tiefgang für die Durchfahrt hätten.

Dann sind die Perspektiven für den Welthandel nicht mehr so rosig wie bei der Planung vor zehn Jahren. Viele Häfen, in denen die Riesentanker abgewickelt werden sollen, hinken mit dem Ausbau ihrer Infrastruktur hinterher. (Sandra Weiss, 25.6.2016)

  • Schleusen für die Riesen: Vor der Erweiterung des Panamakanals mussten Superfrachter auf der Route zwischen Asien und der  US-Ostküste den 5000 Kilometer längeren Umweg über die Magellanstraße in Kauf nehmen.
    foto: reuters / carlos jasso

    Schleusen für die Riesen: Vor der Erweiterung des Panamakanals mussten Superfrachter auf der Route zwischen Asien und der US-Ostküste den 5000 Kilometer längeren Umweg über die Magellanstraße in Kauf nehmen.

  • Seit Sonntag ist die neue Route geöffnet. Zuerst passierte sie der chinesische Frachter Andronikus.
    foto: apa/afp/johan ordonez

    Seit Sonntag ist die neue Route geöffnet. Zuerst passierte sie der chinesische Frachter Andronikus.

  • Tränen für den Kanal.
    foto: apa/afp/rodrigo arangua

    Tränen für den Kanal.

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