Happy End in der historischen Nacht

24. Juni 2016, 17:34
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Die Toronto Raptors könnten sich als ideale Startadresse für Jakob Pöltl in seine NBA-Karriere erweisen. Der 20-Jährige sieht "eine perfekte Situation für mich"

New York / Wien – Ein historischer Fehler sollte die Wahl Jakob Pöltls zum ersten Österreicher in der National Basketball Association (NBA) durch die Toronto Raptors wohl nicht gewesen sein. Die Kanadier sicherten sich die Dienste des 20-jährigen Wieners an neunter Stelle im NBA-Draft. Und zwar ganz bewusst. Pöltls neuer Trainer in Toronto, Dwayne Casey, gibt sich beeindruckt vom 2,13 Meter langen Mann. "Jakob ist ein großes Talent, seine enorme Schnelligkeit bei seiner Größe ist außergewöhnlich. Wir sind sehr glücklich, ihn geholt zu haben."

Pöltl selbst hat es gar nicht erwarten können, dass bei der Draft-Gala in New York endlich sein Name aufgerufen wird. "Ich bin nur da gesessen und habe dauernd auf die Uhr geschaut." Am Freitag um 2.30 Uhr (MESZ) war es dann so weit. NBA-Präsident Adam Silver sprach die salbungsvollen Worte, Pöltl stolperte nicht auf die Bühne und auch nicht bei den zig Interviews danach. Es gab vereinzelt Buhrufe von aufgebrachten Raptors-Fans im Saal, das ist im Draft üblich. Wurscht. Toronto spielte eine starke Saison, scheiterte erst im Halbfinale am späteren Meister, den Cleveland Cavaliers um Superstar LeBron James.

Die Reaktion auf einen großen Moment im Leben des Jakob Pöltl.

"Das ist eine perfekte Situation für mich, bei einem Top-Team. Ich kann von sehr guten, erfahrenen NBA-Spielern lernen." Pöltl wurde für zwei Jahre verpflichtet, pro Saison kassiert er circa 2,3 Millionen US-Dollar. Bereits am Tag nach dem Draft ging es zügig weiter in die neue Heimat, die größte Stadt Kanadas und Hauptstadt der Provinz Ontario. Das weitere Programm: Medientermine und Vorbereitung auf die Summer League, die Spielwiese für Talente. Zeit zum Ausruhen bleibt keine, Pöltl will sich so schnell wie möglich einleben, "auf mich wartet viel Arbeit". Zuvor wurde aber im Big Apple noch gefeiert, gemeinsam mit Pöltls Eltern Martina und Rainer sowie Schwester Miriam und seinem alten Utah-Trainer Larry Krystkowiak, die sich bereits beim Draft in den Armen gelegen waren.

Hinten anstellen

Bei den Raptors wird sich Pöltl hinter dem litauischen Internationalen Jonas Valanciunas auf der Center-Position um Spielminuten anstellen müssen. Beim Workout vor dem Draft war er bei Sprintübungen aber schon schneller auf den Beinen als Valanciunas. Das blieb auch dem Trainer nicht verborgen.

"Wie viele der jungen Burschen wird er sich aber an das körperlich harte Spiel bei den Profis noch gewöhnen müssen. Aber wir denken, dass er seine Spielweise auch auf die NBA gut übertragen wird", sagt Casey. Der 59-Jährige ist seit fünf Jahren im Amt, auch das zeugt von Kontinuität bei einem Verein, der auf gute Charaktere großen Wert legt. Valanciunas hat mit Pöltl bereits Bekanntschaft gemacht. Bei einem Länderspieltest im vergangenen Sommer schenkte ihm der Wiener im Nationalteam-Dress 27 Punkte ein. Österreich verlor trotzdem.

toronto raptors
Torontos Trainer über Jakob Pöltl.

Ersatz für Valanciunas bei den Raptors war bisher Bismack Biyombo. Der Kongolese spielte stark in den Playoffs, nahm seine Ausstiegsoption aus seinem Vertrag wahr, könnte den Verein bald verlassen. Das würde Pöltl weitere Türen zu mehr Einsatzzeiten öffnen. Am 31. August startet die Quali für die EM 2017 auswärts in den Niederlanden. Österreich will sich erstmals seit 40 Jahren für ein Großereignis qualifizieren.

Dass Pöltl das ÖBV-Team verstärkt, ist unwahrscheinlich. Obwohl er "grundsätzlich sehr gerne" spielen würde, die Entscheidung liegt beim Verein. Summer League in den USA und Nationalteam lassen sich terminlich nur schwer vereinbaren. Österreichs einzige annehmbare Basketballhalle, das Multiversum in Schwechat, würde aber aus allen Nähten platzen, sollte Pöltl doch kommen.

Euphorie hier, Euphorie da. Für Jakob Pöltl ist es endlich so weit, "für mich fängt in der NBA ein neues Leben an". (Florian Vetter, 24.6.2016)

  • Das Kapperl des neuen Vereins gilt quasi als die Krone auf dem Kopf. Jakob Pöltl repräsentiert ab sofort die Toronto Raptors.
    foto: apa/fohringer

    Das Kapperl des neuen Vereins gilt quasi als die Krone auf dem Kopf. Jakob Pöltl repräsentiert ab sofort die Toronto Raptors.

  • Die erste Umarmung gab es für eine stolze Mutter.
    foto: apa/fohringer

    Die erste Umarmung gab es für eine stolze Mutter.

  • Pöltl gibt Auskunft über sich selbst.

    Pöltl gibt Auskunft über sich selbst.

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