Deutsche Favoriten, slowakische Sensationsgier

26. Juni 2016, 13:12
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Sonntag, 18 Uhr: Die Slowakei steht gegen Deutschland vor einer Mammutaufgabe – obwohl sie den Weltmeister vor weniger als einem Monat bezwang. Nun kennt man sich und ist sich über die Favoritenrolle einig

Lille – Deutschland ist eine fußballerisch selbstbewusste Nation. Nach einer ZDF-Umfrage glauben 45 Prozent der Deutschen, dass "Die Mannschaft", wie sie von ihrer Marketingabteilung getauft wurde, den Titel holt. Vier Siege braucht das Team von Joachim Löw noch, der erste ist für Sonntag (18 Uhr, im Liveticker auf derStandard.at) geplant. Es wird kein Selbstläufer: Die Slowakei ist der letzte Bezwinger des amtierenden Weltmeisters, am 29. Mai gewann der Weltranglisten-24. in Augsburg mit 3:1. Seitdem spielten die Deutschen viermal zu null.

Die deutsche Aufstellung dieses Benefizspiels hatte aber mäßig viel mit der erwarteten Startelf am Sonntag gemein. Sebastian Rudy, Antonio Rüdiger oder Leroy Sané spielten 90 Minuten. "Das war natürlich ein anderes Spiel. Aber für den Kopf ist es gut zu wissen, dass wir sie schlagen können", sagte der slowakische Abwehrchef Martin Skrtel. Manuel Neuer gab den Plattitüden-Profi: "In einem Spiel kann immer alles passieren. Wir dürfen keinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen."

Slowakische Sensationsgier

Die Underdogs wissen, was sie mit einem Sieg erreichen würden. "Das ist das größte Spiel in der 23-jährigen Geschichte unseres Verbandes. Wenn wir gewinnen sollten, wäre das nicht nur eine Sensation für die Slowakei. Es wäre eine Sensation für ganz Europa", sagte Verbandschef Jan Kovacik am Freitag, bevor er den anwesenden Journalisten Champagner spendierte.

Champagner-Fußball ist von den Slowaken nicht zu erwarten. "Die Deutschen werden wieder sehr viel den Ball haben. Aber das ist nicht entscheidend im Fußball", sagte Skrtel. "Bei den Slowaken wissen wir schon, was auf uns zukommt", erinnert Löw an das Testspiel. Konkret ist das eine gesicherte Defensive mit Nadelstichen in der Offensive.

Hauptverantwortlich für Letztere ist Napoli-Star Marek Hamsik. "Jeder kennt seine Fernschüsse, da muss man nur mal ein Youtube-Video anschauen", sagte Neuer. Beim 2:1-Sieg gegen Russland bewies Hamsik, dass er sein Zielwasser auch zur EM mitgebracht hat. Sein Prachtschuss aus spitzem Winkel bedeutete via Innenstange das 2:0. "Marek ist einer der besten Spieler der Welt", behauptet sein Teamkollege Jan Gregus. Adam Nemec nennt ihn den "Kopf der Mannschaft", Skrtel die "Schlüsselfigur im Team".

Die langzeitige Schlüsselfigur des deutschen Teams könnte im Achtelfinale in die Startelf zurückkehren, Sebastian Schweinsteiger ersetzt womöglich Sami Khedira. "Basti ist in einem guten Zustand, wird jede Woche besser, stabiler und spielfreudiger. Er kommt so langsam auf das Niveau, dass er uns von Anfang an helfen kann", regte Assistenztrainer Markus Sorg Spekulationen an.

Sonst dürfte die Elf ident mit jener gegen Nordirland sein, inklusive Torschütze Mario Gomez. Einzig hinter Innenverteidiger Jerome Boateng steht ein kleines Fragezeichen. Er leidet an einer Muskelverhärtung in der Wade. (sid, masc, 24.6.2016)

EM-Achtelfinale

Deutschland – Slowakei (Sonntag, 18.00 Uhr, Lille, Stade Pierre Mauroy, SR Marciniak/POL)

Deutschland: 1 Neuer – 4 Höwedes, 5 Hummels, 2 Mustafi, 3 Hector – 6 Khedira, 18 Kroos – 13 Müller, 8 Özil, 19 Götze – 23 Gomez

Ersatz: 12 Leno, 22 Ter Stegen – 14 Can, 16 Tah, 7 Schweinsteiger, 9 Schürrle, 11 Draxler, 15 Weigl, 21 Kimmich, 10 Podolski, 20 Sane

Fraglich: 17 Boateng (Muskelverhärtung in Wade)

Slowakei: 23 Kozacik – 2 Pekarik, 3 Skrtel, 4 Durica, 15 Hubocan – 22 Pecovsky – 20 Mak, 19 Kucka, 17 Hamsik, 7 Weiss – 8 Duda

Ersatz: 1 Mucha, 12 Novota – 5 Gyömber, 14 Skriniar, 18 Svento, 16 Salata, 6 Gregus, 13 Hrosovsky, 10 Stoch, 9 Sestak, 11 Nemec, 21 Duris

Fraglich: 2 Pekarik (Nasenbeinbruch), 18 Svento, 20 Mak (beide Muskelbeschwerden)

  • Thomas Müller wartet nach acht EM-Spielen noch auf sein erstes Tor. Gegen die Slowakei hat er die nächste Chance zur Premiere.
    foto: reuters/platiau

    Thomas Müller wartet nach acht EM-Spielen noch auf sein erstes Tor. Gegen die Slowakei hat er die nächste Chance zur Premiere.

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