Akademie der bildenden Künste: Das Sticken der Uhr

24. Juni 2016, 15:56
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Präsentationen an drei Schauplätzen bieten einen spannenden Parcours

Wien – Auf zum Rundgang an der Akademie der bildenden Künste: Insgesamt 156 Künstlerinnen und Künstler haben 2015/16 abgeschlossen, ein Teil ihrer Diplomarbeiten ist jetzt bis zum 1. Juli zu sehen.

In der Aula am Schillerplatz präsentieren sich die Architekturvisionen von heute für das Bauen von morgen, gleich dahinter, in der Performance-Kaverne, macht u. a. Dorothea Zeyringer Schluss mit ihrer Uni-Zeit. Sie hat dafür On time – Eine Performance aus 38 Beginnen entwickelt, in der die Zeit durch Zählen formatiert wird: mit nüchternem Understatement, das Rhythmus, Präzision und Sinn ihrer Arbeit emotional auflädt.

Im Xhibit-Ausstellungsraum setzt sich die Abkehr vom ausgereizten Spektakel fort: Daniela Zeilinger wertet mit ihren Textur-Kompositionen das analoge Lichtbild auf. Und Wiebke Kapitzky verbindet Grafik und Malerei zu einer Kunst, der man sehr nahekommen muss. Erst dann erschließen sich ihre fein auf Kohlepapier geschriebenen Reflexionen zu den Zahlensystemen der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven.

Nähe verlangen auch die großen Formate der Serie Where have all the pictures gone? von Doris Hofer im Semperdepot. Was auf den ersten Blick wirkt wie effektvoll gesicherte Farbrückstände und Zufallsspuren auf weißen Wänden, erweist sich als feinste Stickerei und in vermeintlicher Nebensächlichkeit gespeicherte Zeit. Im selben Raum zeigt Farshido seine Sammlung aus kleinen Erinnerungsstücken von Menschen auf der Flucht.

Verwandt ist das wieder mit Kilian Immervolls Installation Bodies of Rock im Xhibit: Nach einem bestimmten Prinzip gesammelte Steine auf Tonformen und ein Video thematisieren anhand der Löslichkeit von Kristallen das Verschwimmen der Grenze zwischen lebender und toter Materie. Am Ende dieser Liste aus der spannenden Präsentation eine Quizfrage fürs Publikum: Im Film Hyper Hyper Ich-id von Iris Borovcnik ist der Titel eines Stücks von René Pollesch enthalten. Welcher? (Helmut Ploebst, 25.6.2016)

Bis 1. 7., Akademie der bildenden Künste, Wien

Link www.akbild.ac.at

  • Eine von vielen inspirierenden Abschlussarbeiten, die auch ein Rätsel aufgibt: der Film "Hyper Hyper Ich-id" von Iris Borovcnik.
    foto: iris borovcnik

    Eine von vielen inspirierenden Abschlussarbeiten, die auch ein Rätsel aufgibt: der Film "Hyper Hyper Ich-id" von Iris Borovcnik.

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