News-Gruppe: Fellner wirft Gruner+Jahr nach Ausstieg Unfähigkeit vor

24. Juni 2016, 14:26
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"Absurde Sanierungskonzepte" und "unglaubliche Niederlage" – News-Verlag laut Minderheitsgesellschafter "schwerer Sanierungsfall" – Czipin lud zu Theaterposse

Wien – Nach dem Ausstieg von Gruner+Jahr bei der Verlagsgruppe News (VGN) gibt es von Mitgesellschaftern Kritik an der deutschen Bertelsmann-Tochter. Gruner+Jahr hat seinen 56-Prozent-Anteil an der News-Gruppe an den dortigen Geschäftsführer Horst Pirker abgetreten. Wolfgang Fellner, der am Verlag eine Finanzbeteiligung von 18,7 Prozent hält, lässt nun kein gutes Haar an den Deutschen.

"absurde Sanierungskonzepte"

Im Branchenmagazin "medianet" spricht Fellner von einem "hohen Maß an verlegerischer Unfähigkeit und Unkenntnis des österreichischen Marktes". Die Gruner+Jahr-Betriebsführung habe in den vergangenen Jahren "absurde Sanierungskonzepte" vorgelegt, "bei denen jeder Halbprofi erkennen konnte, dass daraus nichts wird", so Fellner. "Die Erfahrung für den Markt hat gefehlt und es ist eine unglaubliche Niederlage für den deutschen Großverlag, wenn er ein Unternehmen für mehr als 100 Millionen Euro kauft und dann schlussendlich verschenken muss bzw. sogar noch etwas dazugeben muss. Das ist wahrlich kein Meisterstück verlegerischen Handelns."

20 bis 30 Millionen Euro

Der News-Verlag sei laut Fellner ein "schwerer Sanierungsfall". Er sei deshalb selbst nicht zu einem stärkeren Engagement bereit gewesen, so der Gründer der Magazin-Gruppe in "medianet". "Es würde 20 bis 30 Millionen allein an finanziellem Aufwand brauchen, die man erst einmal aufbringen müsste. Die ersten Jahre würde man also nur dafür arbeiten, um auf Null zu kommen. Dafür habe ich einfach keine Zeit, weil ich eben in neue Digitalprojekte investieren möchte."

Fellner gegenüber Pirker positiv

Der Übernahme der Gruner+Jahr-Anteile durch Horst Pirker steht Fellner aber positiv gegenüber. "Die deutschen Eigentümer wollten es an andere Investoren verkaufen, das war aber unmöglich, da auch das höchstkomplizierte Medienübernahmegesetz die Sanierung des Verlags für Neukäufer unmöglich macht. Deshalb war es unverkaufbar. Kurier war auch eine Option, wollte aber nur Teile und war der Meinung, ein gutes Angebot gelegt zu haben. Horst Pirker hat dann die Ganzübernahme angeboten. Mir wäre beides recht gewesen, ich stehe der Übernahme sehr konstruktiv und unterstützend gegenüber."

Kurier-Mediengruppe

Verstimmung über den Deal herrscht dem Vernehmen nach auch bei der zu Raiffeisen gehörenden Kurier-Mediengruppe, die 25,3 Prozent am größten österreichischen Magazin-Verlag hält. Dort sollen vor allem die späte Information und die Kommunikation über den Verkauf für einige Irritationen gesorgt haben.

"Health Check"

In der Verlagsgruppe selbst wird unterdessen auf konkrete Ergebnisse des sogenannten "Health Check" des Beratungsunternehmens Czipin gewartet. Von Sparen, effizienterem Ressourceneinsatz, intelligenten Lösungen und einer möglichen Neuordnung des Anzeigengeschäfts ist dabei schon im Vorfeld die Rede. Für Freitag luden die "Produktivitätssteigerer" von Czipin die Mitarbeiter der News-Gruppe übrigens zu einer Sondervorstellung der Theaterposse "Frühere Verhältnisse" von Johann Nestroy ins Theater Nestroyhof Hamakom ein. "Anschaulicher wurde die Notwendigkeit zur Veränderung noch nie dargestellt", hieß es im Einladungstext. In letzter Minute wurde die Veranstaltung schließlich wieder abgesagt. (APA, 24.6.2016)

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