Tatortfoto von Brunnenmarkt-Mord auf Facebook: Polizei ermittelt

24. Juni 2016, 13:30
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Extrem rechte Internetseiten verbreiten "abscheuliches" Foto auf Facebook – Innenministerium beantragt Löschung

Auf rechtsradikalen Internetseiten ist ein Foto aufgetaucht, das offenbar kurz nach dem Mord an einer 54-jährigen Wienerin am Brunnenmarkt vergangenen Mai aufgenommen worden ist. Die Frau war von einem geistig Verwirrten mit einer Eisenstange erschlagen worden. Das Foto zeigt die Leiche der Frau, die Spuren der Attacke sind detailliert sichtbar. Die Polizei spricht von einem "abscheulichen" Foto.

Zur Stimmungsmache

Unklar ist, wie das Bild an die Öffentlichkeit gelangt ist. Es wurde beispielsweise auf der Facebook-Seite von "Pegida Wien" geteilt. Mit dem Foto soll offenbar die Stimmung gegen Flüchtlinge weiter aufgeheizt werden. Der aus Ungarn betriebene extrem rechte Blog, der das Bild erstmals veröffentlicht hat, spricht davon, dass ihm das Foto "anonym zugespielt" worden sei. Mittlerweile ist der Beitrag allerdings nicht mehr abrufbar.

Polizei ermittelt

Auf Anfrage des WebStandard sagt die Landespolizeidirektion Wien, dass das Foto nicht aus der Tatortmappe der ermittelnden Beamten stammt. "Ob es ein Polizeibeamter oder ein Rettungsmitarbeiter mit seinem privaten Handy gemacht hat", könne die Polizei Wien laut ihrem Abteilungsleiter für Pressearbeit, Manfred Reinthaler, allerdings nicht ausschließen. Nun wurde das Büro für Besondere Ermittlungen in Kenntnis gesetzt, das Bundeskriminalamt und das Innenministerium verlangten von Facebook die "unverzügliche Löschung".

Weitergabe interner Fotos

Bereits in der Vergangenheit waren interne Fotos aus Polizeiakten oder von Polizeibeamten getätigte Aufnahmen an Medien weitergegeben worden. So hatte die deutsche Bild-Zeitung vergangenen August Fotos aus dem Inneren jenes LKWs publiziert, in dem über 70 Flüchtlinge erstickt sind. Die Staatsanwaltschaft hatte damals wegen einer möglichen "Verletzung der Amtsverschwiegenheit" im "Umfeld der Polizei" ermittelt.

Kurzes Zeitfenster

Bei der aktuellen Causa könnte es sich auch um die Aufnahmen eines Passanten handeln. Allerdings lagen zwischen Tat und Festnahme des Täters nur zehn Minuten. Eine Kollegin des Mordopfers flüchtete nach der Attacke, die Notdienste rief ein Anrainer, der die Szene aus seinem Fenster beobachtet hatte. Die Aufnahme ist allerdings nur wenige Schritte von der Leiche entfernt gemacht worden. Das Opfer soll außerdem noch fünf Minuten gelebt haben. Die Aufnahme müsste also zwischen 2.35 Uhr und 2.40 Uhr gemacht worden sein – oder im Beisein von Polizei. (Fabian Schmid, 24.6.2016)

  • Der Brunnenmarkt am Morgen nach der Tat
    foto: apa/oczeret

    Der Brunnenmarkt am Morgen nach der Tat

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