Abkühlung in Basel

28. Juni 2016, 15:30
posten

Marktbarometer attestiert gewisse Mäßigung nach Jahren des Überschwangs

Verglichen mit den zuletzt weltweit im Kunsthandel erwirtschafteten Umsätzen von 63,8 Milliarden Dollar 2015 bzw. 68,2 Milliarden im Jahr 2014 fiel der für die heurige Auflage der Art Basel (14. bis19. Juni) verlautbarte Versicherungswert von umgerechnet etwa 3,9 Milliarden Dollar nachgerade in die Kategorie Peanuts. In ihrer Bedeutung ist sie allerdings die wichtigste Messe für Kunst der Gegenwart und der Generation Postwar weltweit.

Dazu kamen im Laufe der Jahre Ableger in Miami (im Dezember, seit 2002) und Hongkong (im März, seit 2013), die den Ruhm der Marke "Art Basel" mehrten, jedoch in der Relevanz für den globalen Markt nicht an das seit 1970 in Basel stattfindende Original herankommen.

Das Ruhekissen der Zampanos

Wie kein anderes Event fungiert die Art Basel auch als verlässliches Barometer, sowohl die Käufertrends als auch die allgemeine Stimmungslage betreffend.

Insofern scheint nach Jahren permanenten Überschwangs angesichts der aktuellen Auflage, die 286 Galerien aus 33 Ländern vereinte, eine gewisse Mäßigung eingetreten zu sein. Der sonst bisweilen ausufernde Andrang am Preview-Tag war heuer deutlich zurückhaltender: in Besuchern gemessen, nicht jedoch an Verkäufen in höheren Preisregionen. Die Abkühlung scheint eher die Mittelware zu treffen.

Das Ruhekissen der Zampanos unter den Galeristen sind Listen mit Sammlern, die nur darauf warten, zum Zug zu kommen. Jackson Pollocks für 25 Millionen Dollar angepriesene Number 21, 1949 (Mitchell-Innes & Nash, New York) war wenige Minuten nach dem Einlass reserviert, Hauser & Wirth hatte ab 14 Uhr quasi keine Ware mehr verfügbar: alles verkauft oder reserviert. Etwa Maria Lassnigs Macht des Schicksals von 2006, für 1,2 Millionen Dollar und damit den bislang höchsten je für ein Lassnig-Werk veröffentlichten Wert (bisheriger Auktionsrekord: Der Wald, 1985; 491.000 Euro, Dorotheum 2014).

Internationale Aufholjagd

Ob wie von der Künstlerin zuletzt bevorzugt an ein Museum oder an einen Privatsammler, ist unbekannt. Die vom Vorsitzenden der Lassnig-Privatstiftung prognostizierte und von einer Ausstellungstournee (derzeit Tate Liverpool, bis 18. 9.) begleitete Aufholjagd auf dem internationalen Parkett scheint erste nennenswerte Früchte zu tragen. (Olga Kronsteiner, 25.6.2016)

Share if you care.