Triathlon. Olympisch. Hobette.

Kolumne28. Juni 2016, 12:10
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Einmal das Feld eines Triathlons anzuführen, das geht im Grunde ganz leicht

Bei einem Rennen zu führen ist geil. Erst recht, wenn die Gesichter von Streckenposten, Referees und Begleitmotorradfahrern zeigen, dass das keiner erwartet hätte. Auch der Führende selbst nicht. Weil der – in dem Fall: ich – selbst weiß, dass er nicht wenige, sondern keine Chance auf Sieg oder Stockerlplatz hat.

Hobbyradler

Ich bin ein passabler Hobbyradler. Fahrrad: mittelgut. Lenker: klassisch. Helm: nicht tropfenförmig. Ich bin noch nie ein Rennen gefahren. Keines für Profis. Keines für Amateure. Keines, bei dem nur Vereinsfahrer antreten: Menschen, die Erfolg wollen. Deren Räder teurer sind als manche Autos. Die irritiert bis fassungslos sind, wenn einer wie ich vorne ist. Die darüber nicht lachen können.

Es war ein Triathlon- und ich war eingesprungen. Kurzfristig. Halbdistanz: 1,9 Kilometer schwimmen, 90 auf dem Rad. Dann noch ein Halbmarathon.

Durchreichung

Da als "Hobette" auf dem Rad zu führen, kann was: Ein super Gefühl. Sogar wenn es nicht lange dauert: Zweieinhalb Kilometer. Dann wurde ich durchgereicht. Bis – fast – ganz nach hinten.

Die ganze Geschichte? Ich war Teil einer Fun-Staffel. Ohne Siegambition. Dennoch hatte unsere Schwimmerin das Feld weggeblasen. Dann war ich dran: Chancenlos, aber getreu dem olympischen Motto: "Dabeisein ..." Unsere Staffel hieß aber aus anderem Grund "Olympic Relay": Die Schwimmerin, Sara Vilic, ist Olympionikin. Mein Triumph auf dem Rad war ihre Leistung im Wasser. Aber das Gefühl, geführt zu haben, kann mir keiner mehr nehmen: Auch das ist olympisch. (Thomas Rottenberg, 28.6.2016)

  • Allen auf und davon... Fragt sich nur, wie lange.
    foto: apa

    Allen auf und davon... Fragt sich nur, wie lange.

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