Der Bartgeier hat sich bei uns wieder nachhaltig etabliert

24. Juni 2016, 10:34
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Wiederansiedlungsprojekte starteten vor 30 Jahren, die Bilanz ist positiv

Salzburg/Wien – Experten schätzen, dass mittlerweile wieder 230 bis 250 Bartgeier (Gypaetus barbatus) in den europäischen Alpen ihren Lebensraum haben. Begonnen hat die Wiederansiedlung der Spezies vor 30 Jahren im Nationalpark Hohe Tauern.

1986 wurden im Rauriser Krumltal im Salzburger Pinzgau erstmals vier gezüchtete Junggeier ausgewildert. Seither wurden alpenweit mehr als 200 Tiere freigelassen, um langfristig eine stabile Population der zuvor bei uns ausgerotteten Bartgeier aufzubauen.

Weites Verbreitungsgebiet

Bartgeier erreichen eine Flügelspannweite von 235 bis 285 Zentimetern und ein Gewicht von fünf bis sieben Kilogramm. Sie ernähren sich von Aas und Knochen und sind im Flug an langen und schmalen Flügeln und einem keilförmigen Schwanz zu erkennen. Flügel, Rücken und Schwanz sind grau, die Federn am Kopf und an der Brust weiß bis rostrot. Typisch ist ein schwarzer Federbart, der über den Schnabel hängt und der den Greifvögeln ihren Namen gibt.

Die Bartgeier hatten einst einen großen Lebensraum in den Alpen. Doch weil man die Greifvögel verdächtigte, Lämmer oder Gämsen zu rauben – was ihnen auch den Namen "Lämmergeier" eingetragen hat –, wurden sie in unseren Breiten im 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet. Die letzte nachgewiesene Brut in den Westalpen hat es 1910 gegeben, die letzten Tiere dürften zwischen 1913 und 1920 erlegt worden sein.

In Europa überlebten einzelne Tiere nur in den Pyrenäen, auf Korsika und auf Kreta. Die Spezies ist allerdings auch in weiten Teilen Zentralasiens sowie in einigen ostafrikanischen Regionen beheimatet. Die Spezies als ganzes gilt daher nur als "potenziell gefährdet", eine niedrige Einstufung. Anderen Geierspezies geht es weniger gut, wie eine Reihe von Studien in den vergangenen Jahrzehnten zeigte.

So ging es wieder aufwärts

Den Weg zu einer Wiederansiedlung des Bartgeiers konnte ein Erfolg des Alpenzoos Innsbruck freimachen: In den 1970er-Jahren gelang es, die ersten Bartgeier in einer Voliere aufzuziehen und damit eine Nachzucht zu starten. 1978 wurde mit Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, des WWF Österreich und Schweiz sowie der Weltnaturschutzunion IUCN das internationale Projekt zur Wiederansiedlung gegründet.

Ziel war die Etablierung eines ohne menschliche Hilfe überlebenden Bestandes. Bis 1986 die ersten Tiere im Nationalpark Hohe Tauern ausgewildert werden konnten, musste ein Zuchtnetz aufgebaut werden. Dafür stellten mehrere Zoos ihre Vögel zur Verfügung.

Erfolgsprojekt wird weitergeführt

Und inzwischen wächst die Zahl der Paare, die in freier Natur Junggeier großziehen. Im Vorjahr flogen alpenweit 20 Junggeier aus. Heuer sind in den Hohen Tauern zwei Jungvögel geschlüpft. In den gesamten Alpen gibt es rund 40 Brutpaare. Trotzdem sind weiter Freilassungen notwendig. Diesen Freitag wurden im Untersulzbachtal im Salzburger Pinzgau erneut zwei junge Bartgeier ausgewildert.

"Das Projekt ist ein großer Erfolg", zog Hans Frey, Leiter der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee und einer der Initiatoren des Wiederansiedlungsprojektes, anlässlich des Jubiläums eine Bilanz. "Der Bestand in den Alpen entwickelt sich sehr gut." (APA, red, 24.6.2016)

  • Einer der schönsten Geier und zugleich einer der größten Vögel Mitteleuropas: der Bartgeier.
    foto: apa/alpenzoo innsbruck

    Einer der schönsten Geier und zugleich einer der größten Vögel Mitteleuropas: der Bartgeier.

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