So reagiert das Netz auf den Brexit: "Wenigstens wird der London-Urlaub billiger"

24. Juni 2016, 17:51
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Nach dem überraschenden Austrittsentscheid der Briten steht das Pro-EU-Lager unter Schock

Am Donnerstagabend sah man im Lager der Verfechter für einen EU-Verbleib des britischen Königreiches noch entspannte Gesichter. Erste Umfragen und Buchmacher sagten dem "Bremain" einen relativ ungefährdeten Sieg voraus. Kurz nach Wahlschluss hatte sich sogar Ukip-Chef Nigel Farage, eine der lautesten Stimmen der EU-Gegner, bereits mit einer Niederlage abgefunden.

Aus Hoffnung wurde Schock

Doch es kam anders. Bestätigten die ersten Auszählungsergebnisse noch die Prognosen, drehte der Trend in der Nacht. Großbritannien hat sich mit knapper Mehrheit für einen Austritt aus der Union entschieden, Premier David Cameron hat seinen Rücktritt angekündigt. Für die "Bremainer" begann der Morgen dementsprechend mit einem Schock, wie auch erste Reaktionen im Netz zeigen.

"Das einzig Lustige heute ist es, zu erfahren, dass sich Lindsay Lohan für das Brexit-Referendum interessiert", schrieb etwa Josh Barro auf Twitter. Die amerikanische Schauspielerin hatte in der Tat um fünf Uhr früh (MEZ) noch auf einen Verbleib des Landes in der Union gehofft – vergeblich

Mit trockenem Humor nahm Ben White, Wirtschaftskorrespondent für das US-Politikmagazin Politico, das Ergebnis zur Kenntnis. "Man muss es auch positiv sehen, der London-Urlaub wurde gerade viel billiger", meint er zum Kurssturz des britischen Pfund, dessen Wert auf den tiefsten Stand seit gut dreißig Jahren rutschte.

Schon aus beruflichen Gründen reagierte auch das NDR-Satiremagazin "Extra3" heiter. Der beste Witz zum Brexit war schnell gefunden.

Drehbuchschreiber Matt Mira sah den Fehler nicht nur im Ergebnis, sondern auch beim Elektorat. Er warnte vor dem Abstimmungsverhalten "ängstlicher, älterer, weißer Leute". In der Tat stimmten viele jüngere Wähler für den Verbleib, während die "Generation 50+" mehrheitlich für den Austritt ist.

Die Wahrheit dürfte allerdings etwas komplexer sein. Neben deutlichen Unterschieden zwischen Städten und Land zeigt sich auch das Vereinigte Königreich in der Brexit-Frage so gar nicht vereinigt. Während England und Wales recht klar für einen Ausstieg votierten, waren Schottland und Nordirland mehrheitlich für den Verbleib. Die klare Schlussfolgerung von ZDF-Nachrichtenmoderator Christian Sievers: Das sind ja eigentlich zwei Länder.

In den Redaktionen vieler Medien verlief der frühe Morgen aufgrund der Ereignisse ebenfalls turbulent. Das forderte auch so manches Opfer – beim "Stern" unter anderem ein Komma. Gar so eindeutig war das Ergebnis dann auch wieder nicht.

Ein "Economist"-Cover aus dem Jahr 2008 wurde aus aktuellem Anlass auch wieder ausgegraben und dreht nun seine Runden im Netz:

Natürlich dürfen auch animierte GIFs nicht fehlen. So fasst Buzzfeed UK-Schreiber Luke Bailey seine Sicht der Dinge zusammen.

Und selbstverständlich wäre eine Abbildung der Reaktionen ohne Katzen höchst unvollständig.

Auch angedeutete Realitätsflucht bekannter Genrevertreter war im Kanon zum Austrittsreferendum zu finden. "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling hofft auf magische Hilfe. Fernsehmacher Jonathan Gilbert wiederum würde gerne die drei Drachen von Daenerys Targaryen an Angela Merkel übergeben. Ob "Game of Thrones" wirklich als Lösungsansatz für derlei Probleme taugt, darf allerdings bezweifelt werden.

Mit dem Hashtag #ScotLond wehren sich Brexit-Gegner im Netz gegen den Austritt aus der EU. Auf Twitter kursierte am Freitag eine Bildkombi, die augenscheinlich eine idyllische schottische Landschaft und die Sykline Londons zeigte – überlagert von den Sternen der europäischen Flagge. "Ich habe schnell ein neues Logo für unser neues Land gestaltet", schrieb Nutzer Michael Shaw.

Schotten und Bewohner der britischen Hauptstadt hatten mehrheitlich gegen den Austritt aus der EU gestimmt. "Nehmt uns mit!", schrieb eine Nutzerin aus Gibraltar dazu. Das Foto wurde von vielen Nutzern kommentiert und verbreitet. (gpi, 24.6.2016)

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