Elga: Mediziner müssen über Ausstieg aufklären

23. Juni 2016, 17:08
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Die Unfallkrankenhäuser sind ab sofort mit dem System verbunden

Wien – Wird im Landeskrankenhaus Graz eine Untersuchung mit Magnetresonanz verordnet, wird sie im nahen Unfallkrankenhaus durchgeführt. Eigentlich ressourcenschonend. Doch bisher konnte das UKH nicht auf Befunde vom LKH zugreifen: Das LKH wird von der Landeskrankengesellschaft (Kabes), das UKH von der Unfallversicherung (Auva) finanziert.

Durch die elektronische Gesundheitsakte (Elga) sollen die Befunde nun für beide Betreiber und spätestens 2017 für alle Krankenhäuser und niedergelassenen Ärzte abrufbar sein. Nach den Wiener Gemeindespitälern, den steirischen Krankenhäusern und dem Wiener AKH startet Elga jetzt an den sieben UKHs. Thomas Mück, stellvertretender Generaldirektor der Auva, erwartet sich im STANDARD-Gespräch qualitative und wirtschaftliche Verbesserungen. Doppelbefunde sollen wegfallen und Wechselwirkungen bei Medikamenten vermieden werden, ergänzt Anton Ofner, Obmann der Unfallversicherung.

Kaum Umstellung für Ärzte, Elga läuft im Hintergrund

Derzeit sind Labor- und Radiologiebefunde und ärztliche wie pflegerische Entlassungsbriefe als elektronische Befunde verfügbar. In Zukunft sollen auch die verschriebenen Medikamente dokumentiert werden.

Die Dokumentation soll lückenlos erfolgen: "Es gibt ein sekundengenaues Protokoll, was über Elga geschieht." Das System sei sicher, nur behandelnde Ärzte haben Zugriff. Aber: "Kriminelle Energie kann man nicht ganz ausschalten", ergänzt Ofner. Für Spitalsärzte ändert sich wenig, sie arbeiten bisher schon mit einem Verarbeitungssystem, Elga läuft dann im Hintergrund.

Was sich aber ändern wird: Die Ärzte müssen über Elga informieren, genauer gesagt über das situative Opt-out. Das wurde an den UKHs intensiv geschult. Jeder Bürger kann sich entweder ganz abmelden, Befunde oder Medikamente ausblenden lassen (partielles Opt-out) oder in der Situation entscheiden, ob der Krankenhausaufenthalt aufscheinen soll. Bei Schwangerschaftsabbruch, HIV, psychiatrischen Erkrankungen und bei genetischen Analysen müssen die Ärzte aufklären – und das nimmt Zeit in Anspruch. (mte, 23.6.2016)

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