Künftige Elektroautos saugen weniger

24. Juni 2016, 07:00
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Um bis zu sechs Prozent könnte der Stromverbrauch steigen, würden alle Autos in Österreichs auf E-Antrieb umgestellt. Die Reichweiten steigen

Wien – Noch sind Elektroautos ein Programm für eine Minderheit; schon bald aber könnten sie Dieseln und Benzinern davonfahren. Und – da sind sich Experten einig: Die künftig auf den Markt kommenden Elektroautos werden mit fortschreitender Lernkurve erheblich effizienter sein und damit auch weniger Strom aus dem Netz saugen als die derzeit auf dem Markt befindlichen Modelle.

Für Österreich gibt es Schätzungen, wonach der Stromverbrauch nach Umstellung der gesamten Fahrzeugflotte auf Elektroantrieb um bis zu sechs Prozent höher liegen könnte als in einem Szenario mit mehrheitlich Dieseln und Benzinern. "Da reden wir aber über Zeiträume von 20 Jahren und mehr sowie über technische Entwicklungen, die wir noch gar nicht vorhersehen können", sagte der Geschäftsführer von Smatrics, Michael Viktor Fischer. Smatrics, ein Joint Venture von Siemens und Verbund, ist derzeit der größte Anbieter von Ladeinfrastruktur in Österreich. Lange Zeit sei so gut wie nichts in die Batterietechnologie investiert worden, sagte Fischer. Das ändere sich nun.

500-Km-Reichweite

Darauf deuten auch die Ankündigungen diverser Autohersteller abseits von Tesla hin, des E-Car-Pioniers aus den USA. So gut wie alle haben zumindest ein Modell mit elektrischem Antrieb im Portfolio oder stehen kurz davor. Mercedes will im September ein Auto mit 500 km Reichweite präsentieren, Audi kommt damit 2018 auf den Markt. Und das sei bei weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange, deutete der bei Audi für Elektroautos zuständige Manager Stefan Niemand am Donnerstag bei einem Wien-Besuch an.

Das Engagement von Audi im Bereich der Elektromobilität habe nichts mit dem Abgasskandal zu tun, unter dem insbesondere die Dachmarke VW schwer zu leiden hat. "Wir haben uns intern bereits 2013 entschieden, in die Elektromobilität zu gehen, da war vom Dieselskandal noch keine Rede", sagte Niemand, der als Gastredner auf einer Verbund-Veranstaltung auftrat.

Strafen drohen

Warum die Autoindustrie die Elektromobilität nach langem Zuwarten nun doch zu ihrem zentralen Thema macht, hängt auch mit einer EU-Verordnung zusammen, die den Klimaschutz im Auge hat. Bis 2021 muss der CO2-Ausstoß von Neuwagen auf durchschnittlich 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) je km sinken, sonst drohen Milliardenstrafen. Diese Vorgabe schaffen die Autokonzerne nur, wenn sie immer mehr Elektroautos in den Markt drücken.

In Österreich sind derzeit gut 10.000 Fahrzeuge inklusive Kleintransporter unterwegs, entweder rein elektrisch oder hybrid. Sollten 2020, wie die Regierung hofft, 200.000 Elektroautos auf Österreichs Straßen unterwegs sein, wären das noch immer erst fünf Prozent des Gesamtbestands.

Dämpfender Effekt

Wie es mit dem Strompreis weitergeht, ist indes fraglich. Fakt ist, dass die zunehmende Produktion von Strom aus Wind und Sonne zumindest in den vergangenen Jahren einen dämpfenden Effekt auf die Preisentwicklung hatte.

Laut einer von der Technischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg gemachten Studie wäre der Strompreis allein 2013 ohne Beitrag der Erneuerbaren im Mittel um 5,29 Cent je Kilowattstunde höher gewesen.

Den Kosten der Ökostromförderung von rund 20,4 Mrd. Euro seien Einsparungen für konventionell erzeugten Strom von rund 31,6 Mrd. Euro gegenübergestanden. Für die Verbraucher in Deutschland habe dies eine Nettoeinsparung von rund 11,2 Mrd. Euro bewirkt, sagte Studienautor Jürgen Karl dem STANDARD. Karl war am Donnerstag auf Einladung der IG Windkraft in Wien. (Günther Strobl, 24.6.2016)

  • Wie Mercedes sind auch viele andere Hersteller inzwischen auf den Elektroautozug aufgesprungen.
    foto: dpa / jan woitas

    Wie Mercedes sind auch viele andere Hersteller inzwischen auf den Elektroautozug aufgesprungen.

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