Wie Russland sich zur Hightech-Nation beamen will

24. Juni 2016, 14:31
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Programm zum Aufbau eines 5G-Funknetzes und zur Abwehr von Cyberkriminalität

Fantastisch: Russland wandelt auf den Spuren von Star Trek und will innerhalb von 20 Jahren Hochtechnologien entwickeln, die den meisten Menschen bisher allenfalls aus Science-Fiction-Filmen bekannt sind. Darunter sind Quanteninformatik und – laut einem Zeitungsbericht – sogar Teleportation.

Das Programm namens "Nationale technologische Initiative" (NTI) wurde auf Anweisung von Präsident Wladimir Putin von der "Agentur für strategische Initiativen" ausgearbeitet. Am Mittwoch hat sich eine Regierungskommission mit den Perspektiven der nächsten russischen Revolution – einer technologischen – beschäftigt. Obwohl die Pläne bis in das Jahr 2035 reichen, geht es zunächst um die Finanzierung bis 2018. Und die ist mit 10,8 Milliarden Rubel (150 Millionen Euro) angesichts der hochfliegenden Pläne noch relativ bescheiden.

Ehrgeizige Ziele

Immerhin geht es um den Aufbau und die Verschlüsselung von Informationstechnologien und cyber-physischen Systemen (CPS). CPS bezeichnet die Fusion von Software mit mechanischen Elementen, laut NTI-Dokument fallen darunter "Roboter, medizinische Implantate, fahrerlos gesteuerte Autos und Flugzeuge". Angesichts des teilweisen Rückstandes, den Russland im Bereich Maschinen-, Fahrzeugbau und Medizintechnik aufweist, ist das ein durchaus ambitioniertes Ziel.

Als erster Schritt soll in einer Reihe von russischen Regionen ein Mobilfunknetz der nächsten Generation (5G) aufgebaut werden, das Datenübertragungen von bis zu einem Gigabit pro Sekunde ermöglicht. Daneben sollen russische Programmierer in den nächsten zehn Jahren einen eigenen Code "zur sicheren und effizienten parallelen Programmierung" entwickeln und ein Netz gegen Cyberkriminalität aufbauen.

Junge Probleme

Cyberkriminalität ist in Russland eigentlich noch kein großes Thema – im Gegensatz zur westlichen Welt, wo oft das Schreckgespenst des "russischen Hackers" heraufbeschworen wird. Experten schätzen den Verlust für das russische BIP derzeit auf 0,1 Prozent (zum Vergleich: Deutschland verliert dadurch 1,6 Prozent). Bis 2035 soll der Einfluss der Cyberkriminalität auf das russische BIP auf die Hälfte gedrückt werden.

In der Welt der Globalisierung setzt Moskau dabei auf eine eigenständige Programmiersprache und die Speicherung persönlicher Daten und biometrischer Erkennungsmerkmale in nationalen Datenbanken. Es besteht der Verdacht, dass diese Schritte am Ende in die gleiche Richtung gehen wie die jüngst von Alexander Bastrykin, dem Chef des russischen Ermittlungskomitees, erhobene Forderung nach einer Abschottung des russischen Internets.

Nur Nachrichten werden gebeamt

Nach dieser Abkapselung vor mutmaßlichen äußeren Gefahren sei dann der technische Durchbruch mit der Einführung von Quantencomputern, Schnittstellen zwischen menschlichem Gehirn und Computern und, wie die Tageszeitung Kommersant aus dem Dokument zitierte, sogar Teleportation geplant.

Nachdem die Meldung über Teleportation durch alle russischen Medien gegangen war, sah sich Dmitri Peskow, ein Mitarbeiter der Agentur für strategische Initiativen, zu einer Präzisierung genötigt: Es gehe nicht um den Transport von Körpern oder Energie, gemeint sei vielmehr "Quantenteleportation. Sie können eine Meldung von A nach B weiterleiten, ohne dass diese gehackt werden kann", sagte Peskow. Gebeamt werden also keine Personen, sondern Nachrichten und Befehle. (André Ballin aus Moskau, 24.6.2016)

  • Russland will 2020 Roboter Andronaut zur Raumstation ISS schicken. In anderen Technikbereichen ist das Land rückständig.
    foto: imago/itar-tass

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