Neun Monate bedingt für früheren Begas-Vorstand Schweifer

23. Juni 2016, 16:15
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Freispruch vom Vorwurf der Gehaltsvalorisierung

Eisenstadt – Der Prozess um mutmaßliche Malversationen im burgenländischen Gasversorger Begas ist am Donnerstag quasi im Halbfinale angekommen. Die drei der ursprünglich sieben Angeklagten – Ex-Generaldirektor Rudolf Simandl an der Spitze – wurden am Donnerstag noch einmal auseinanderdividiert.

Reinhard Schweifer, Vorstandskollege von Simandl, wurde vom Eisenstädter Schöffensenat unter Vorsitz von Karin Knöchl wegen Untreue zu neun Monaten bedingt verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Überhöhte Prämien

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schweifer zu unrecht überhöhte Prämien bezogen habe. Vom ursprünglich angeklagten 118.000 Euro Schaden blieben aber nur 39.000 urteilsrelevant. Vom Vorwurf unrechtmäßiger Valorisierungsprofite beim Gehalt wurde er freigesprochen.

Reinhard Schweifer hat bis zum Schluss seine Unschuld beteuert. Und da ist wohl ein – subjektives – Fünkchen Wahrheit dran, auf das auch Schweifers Anwalt Philipp Metlich plädierte: "Jetzt sitzt nicht der da, der die ganzen Verhandlungen geführt hat." Rudolf Simandl ist ja wegen einer schweren Depression krankgeschrieben.

Tatsächlich hat der bisherige Prozessverlauf den Eindruck erweckt, die angeklagte kriminelle Energie sitze nicht hier im Verhandlungssaal. Selbst Piroska Vargha, Anwältin der privatbeteiligten Energie Burgenland, in die hinein die Begas fusioniert worden ist, sah: "Schweifer hat im Unternehmen die zweite Geige gespielt." Aber Geige, so erkannt das Gericht, spielte er allemal.

Verfahrensfinale

Dem Verfahrensfinale erhalten bleiben zwei Geschäftsführer von Begas-Töchtern. Ihnen wird Beihilfe zu teils haarsträubenden Simandl' schen Betrugshandlungen vorgeworfen.

Zu einer war am Donnerstag schon ein Zeuge da: der Begas-Vertrauensanwalt. Es ging um mutmaßliche Scheinrechnungen, die an ein ungarisches Beratungsunternehmen gezahlt wurden für ein Gutachten überBegas-Marktchancen beim Nachbarn. Das Geld floss, so der Vorwurf, in des Simandls Privatsäckl. (wei, 23.6.2016)

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