Marzona-Deal in Dresden: Archiv gegen Museum

23. Juni 2016, 17:24
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Das riesige Archiv der Avantgarden des 20. Jahrhunderts von Sammler Marzona soll in einem Barockgebäude am Dresdner Elbufer neue Heimat finden

Dresden – Der Kunstsammler und Mäzen Egidio Marzona schenkt Sachsen sein Archiv der Avantgarden des 20. Jahrhunderts – und Dresden bekommt dafür ein neues Museum. Das etwa 1,5 Millionen Objekte umfassende Konvolut soll 2019 Teil der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) werden. Für rund 20 Mio. Euro werde das Blockhaus als Domizil saniert, sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Mittwoch.

Das Blockhaus ist ein Barockgebäude am der Altstadt gegenüberliegenden Elbufer. "Ich habe das Gefühl, dass es der richtige Ort sein kann", sagte Marzona, einer der weltweit wichtigsten Sammler zeitgenössischer Kunst und einer der großen Mäzene der Gegenwart. 2019 soll das Museum fertig sein. Tillich sprach von einem "glücklichen Tag" und einem Signal, sich gerade jetzt der Kulturstadt zuzuwenden. "Sachsen hat nicht den besten Ruf in den letzten Monaten", erklärte er mit Verweis auf "eine kleine Minderheit", der Weltoffenheit und Internationalität wenig oder nichts bedeuteten.

AfD-Märsche in Dresden schreckten Sammler nicht zurück

Dass "einige Irregeleitete" die Stadt in Verruf gebracht hätten, "hat mich nicht abgeschreckt, im Gegenteil", bekannte Marzona. Mit der Schenkung wolle er die Bürgerschaft unterstützen und Beispiel geben, sich für die Weiterentwicklung der Kultur in Dresden zu engagieren. Sein seit Ende der 1960er-Jahre angelegtes Konvolut, der weltgrößte Bestand dieser Art, umfasst Briefwechsel, Manifeste, Skizzen und Collagen, Plakate, Fotografien und Filme, Kataloge, Künstlerbücher und Zeitschriften sowie exemplarische Kunstwerke, Skulpturen, Gemälde und Designobjekte

Das Archiv wird nach Angaben der designierten SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann erforscht und ausgestellt. Sie sprach von einer "einmaligen historischen Chance" für die SKD. Der Verbund forschender Museen könne seine Kompetenz weiter ausbauen und in idealer Weise an die hiesigen Anfänge der Avantgarde in der Kunst anknüpfen, erklärte sie unter Verweis auf Reformbewegung, "Brücke" oder Neue Sachlichkeit. (APA/dpa)

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