Über 50.000 Briten fordern Rücktritt von "Daily Mail"-Chefredakteur Dacre

23. Juni 2016, 11:55
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Kritik richtet sich gegen die einseitige Berichterstattung über Migration und das EU-Referendum

London – Wegen einseitiger Berichterstattung über Einwanderung und das EU-Referendum zum Brexit fordern 51.480 Briten (Stand Donnerstagmittag) in einer Petition den Rücktritt des Chefredakteur der "Daily Mail" Paul Dacre, berichtet der "Guardian".

In einer direkten Anschrift an Zeitungseigentümer Lord Rothermere wird Dacre als "Nigel Farage der Zeitungen" bezeichnet, der "einen dauerhaftes Netz an Fehlinformation und Angst gesponnen hat und damit einen Beitrag zum herrschenden Meinungsklima leistet, in dem Wut und Fremdenfeindlichkeit gedeihen". Dacre habe "die journalistische Integrität der "Daily Mail" geschädigt, indem er Titelseiten erlaubt hat, die auf Lügen aufgebaut sind".

Avaaz startet Petition gegen Dacre

Die Aktionsgruppe Avaaz, die am Dienstag die Petition gestartet hat, gab bekannt, dass weitere 9.000 Personen außerdem die Möglichkeit genutzt haben, sich per E-Mail an den Mutterkonzern der "Daily Mail" DMGT zu wenden.

Die Petition zitierte die Titelseite der Donnerstagausgabe, die titelte, dass illegale Einwanderer in einem Lastwagen im östlichen London aufgegriffen wurden und behauptet haben, aus Europa zu kommen. Die Story, die auf einer ungenauen Agenturmeldung basierte, und auch von der "Sun" aufgegriffen wurde, wurde am nächsten Tag richtiggestellt.

Keith: "Lügen und Hass verbreitet"

Avaaz Kampagnendirektor Iain Keith gegenüber dem "Guardian": "Die 'Daily Mail' hat über die Dauer der Referendumskampagnen Lügen und Hass und eine unveränderte Kost von Austritts-Messages verbreitet, während man keinen Raum für die alternative Verbleib-Perspektive gelassen hat".

Weiter sagt er: "Paul Dacre stellt sich als Held der Pressefreiheit dar, aber er verrät die Grundsätze des Journalismus an die politische Agenda. Er ist der Nigel Farage der Zeitungen, und es ist an der Zeit, dass Lord Rothermere entweder an ihm festhält, oder sich von ihm loslöst."

Clarke: "Es werden lediglich bestehende Sorgen aufgezeigt"

Mail Online Chef Martin Clarke hat am Dienstag in Cannes mit dem "Guardian" gesprochen und behauptet, dass die "Daily Mail" keine Ängste zu Einwanderung schürt, sondern lediglich die bestehenden Sorgen aufzeigt.

Die "Daily Mail" habe auf die Anfrage des "Guardian", einen Kommentar zur aktuellen Berichterstattung abzugeben, nicht reagiert. (red, 23.6.2016)

  • "Daily Mail"-Chefredakteur Paul Dacre.
    foto: reuters/suzanne plunket

    "Daily Mail"-Chefredakteur Paul Dacre.

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