"Das hat nichts mit dem System zu tun"

23. Juni 2016, 11:16
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Hauptgrund für 1:2 gegen Island sei nicht das System, sondern die Chancenauswertung – Baumgartlinger: Nach Rückkehr zu 4-2-3-1 "wieder Automatismen drin"

Paris – Die Enttäuschung war Teamchef Marcel Koller deutlich anzumerken, als er am Mittwoch im Stade de France das EM-Aus seiner Mannschaft analysierte. Für den mit dem 1:2 gegen Island besiegelten Abschied nannte Koller mehrere Gründe – die überraschende Systemumstellung zählte er nicht dazu.

Erstmals in seiner viereinhalbjährigen Amtszeit setzte Koller auf eine Dreierkette, außerdem stellte er David Alaba zwischen den Flügelstürmern Marcel Sabitzer und Marko Arnautovic quasi als "falschen Neuner" auf. Der Erfolg der Maßnahme blieb aus, die Österreicher wirkten desorientiert und brachten über weite Strecken keinen geordneten Spielaufbau zustande.

Koller: "Das hat nichts mit dem System zu tun"

"Aber ich glaube nicht, dass es in der ersten Hälfte am System gelegen ist, sondern an der Hektik, weil wir nicht kombiniert haben. Das hat nichts mit dem System, sondern mit Nervosität zu tun", sagte Koller.

Erst nach dem Seitenwechsel und der Rückkehr zum 4-2-3-1 sah man erstmals bei dieser EM, über welches Potenzial die Mannschaft eigentlich verfügt. "In der zweiten Hälfte haben wir so gespielt wie in der Qualifikation, leider hat es nicht mehr gereicht", erklärte Koller.

Klein: "Man kann es auch positiv sehen"

Auch Florian Klein sah die Systemänderung nicht als Grund für die Niederlage: "Man kann es auch positiv sehen. Wenn es einmal in den ersten Spielen spielerisch nicht so läuft, dann ist es vielleicht auch eine Stärke zu sagen, man stellt ein bisschen etwas um." Im Nachhinein sei man halt immer klüger. "Nach dem Spiel, wenn man ausgeschieden ist, kann man auch sagen, man hätte an dem Alten, Bewährten festhalten können. Aber die Umstellung war sicher nicht das Ausschlaggebende."

Fuchs: "Viel größer werden die Chancen nicht"

Eine ähnliche Ansicht vertrat Kapitän Christian Fuchs. "System hin oder her – wir mussten zwei Tore schießen, eines ist uns gelungen." Die deutliche Steigerung nach der Pause sei nicht nur mit der Rückkehr zum alten System zu erklären, "sondern weil wir Gas geben wollten". Außerdem war Fuchs mit Halbzeit eins gar nicht so unzufrieden: "Man hat schon gesehen, dass wir auch in der ersten Hälfte unsere Chancen hatten und dass es schon funktioniert hat."

Möglichkeiten auf einen Sieg habe es unabhängig von der Aufstellung zur Genüge gegeben. "Wir haben wieder aus unseren Chancen nichts Zählbares herausgeholt, sogar einen Elfmeter verschossen. Viel größer werden die Chancen nicht."

Baumgartlinger: "Es hat andere Probleme gegeben"

Auch Julian Baumgartlinger begründete das Scheitern gegen Island eher mit der schlechten Abschlussquote als mit dem Spielsystem. "Man kann es nicht grundsätzlich auf das System schieben. Dadurch, dass es prinzipiell funktioniert hat, war es nicht das Hauptproblem. Es hat andere Probleme gegeben, und da muss man wieder auf die Effizienz kommen."

Dass es nach dem Comeback des 4-2-3-1 besser lief, blieb auch Baumgartlinger nicht verborgen. "Natürlich fühlt man sich in dem System, das man vier Jahre lang spielt, sehr wohl. Das hat man auch in der zweiten Hälfte gesehen, dass da Automatismen drin waren."

Reaktion auf "Kick and Rush"

Mit einer ähnlichen Variante wie zu Beginn gegen Island spielte das ÖFB-Team unter Koller nur einmal – beim 14:0 im Test gegen den Schweizer Sechstligisten Schluein im Mai. "Aber wir haben es nach dem Portugal-Spiel probiert und trainiert", erzählte Goalie Robert Almer.

Sinn der Systemänderung sei es unter anderem gewesen, auf das "Kick and Rush" des Gegners zu reagieren. "Wir haben gewusst, dass die Isländer mit vielen langen Bällen arbeiten und mit Einwürfen. Wir haben mit der Dreierkette versucht, die aus dem Spiel zu nehmen", so Almer. Zumindest beim ersten Gegentor ging der Plan nicht auf. (APA, 23.6.2016)

  • Rat und Trost für Aleksandar Dragovic.
    foto: apa/afp/andersen

    Rat und Trost für Aleksandar Dragovic.

  • Die Enttäuschung nach dem Spiel: Marko Arnautovic und Christian Fuchs.
    foto: apa/jäger

    Die Enttäuschung nach dem Spiel: Marko Arnautovic und Christian Fuchs.

  • Abschied von den Fans: David Alaba.
    foto: apa/afp/schwarz

    Abschied von den Fans: David Alaba.

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