Wifo: Bis 2017 45.000 Arbeitslose mehr

24. Juni 2016, 14:37
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Nach der schleppenden Entwicklung der vergangenen vier Jahre gewinnt das Wirtschaftswachstum in Österreich etwas an Schwung

Wien – Die Zahl der Jobsuchenden nimmt laut Wifo-Prognose heuer und im kommenden Jahr noch einmal um 45.000 zu. Zwei Drittel des Anstiegs entfällt aber auf Flüchtlinge, die in die Statistik fallen. Das geht aus einer Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) hervor.

Die knapp 90.000 Asylwerber, die im Vorjahr gekommen sind, sind bis auf wenige Ausnahmen auch jetzt schon arbeitslos. Ihnen verbietet schließlich schon alleine das Gesetz die Annahme der meisten Jobs. Offiziell arbeitslos sind sie aber erst, wenn ihr Asylverfahren abgeschlossen ist, sie im Land bleiben dürfen und sich beim AMS gemeldet haben.

Die sich leicht bessernden wirtschaftlichen Aussichten ändern aber nichts an der großen Herausforderung, die die Integration der Flüchtlinge darstellt. Fachleute gehen davon aus, dass Jahre vergehen werden, bis die meisten durch Deutschkurse und Weiterbildungsmaßnahmen jobfit sind. Die Erfahrungen Schwedens zeigen darüber hinaus, dass viele den Sprung ins Arbeitsleben nicht schaffen.

Erholung auf Kriechspur

Eine stärkere Wirtschaft würde die Sache jedenfalls erleichtern. Noch ist sie hierzulande in einer recht mäßigen Verfassung. Das Wachstum soll zwar heuer doppelt so hoch sein wie im Vorjahr, das liegt aber an den per Kredit finanzierten zusätzlichen Ausgaben für die Flüchtlingsbetreuung und der Steuerreform, die den Menschen etwas mehr Geld im Börserl lässt. Ohne diese beiden Sonderfaktoren liefe es nicht viel besser als 2015, sagte Wifo-Chef Karl Aiginger am Donnerstag bei der Vorstellung der Prognose. Er spricht von einer Erholung "auf der Kriechspur".

Die Investitionen sollen wieder stärker zunehmen, heuer und im kommenden Jahr um etwa zwei Prozent wachsen. Zum Vergleich: Im Vorjahr stand nur ein Plus von 0,5 Prozent. Das sei zwar erfreulich, aber dennoch ernüchternd, so Aiginger. In einer Erholungsphase sei ein doppelt so hohes Wachstum normal. Unternehmen würden weiterhin kein Geld ausgeben, weil sie nach wie vor pessimistisch seien, was die Zukunftsaussichten betrifft.

Verlust an Marktanteilen

Die Exporte sollen laut Prognosen heuer das zweite Mal in Folge schwächer wachsen als die Importe. Der Überschuss in der Leistungsbilanz wird also schrumpfen. Österreichische Unternehmen würden im Ausland derzeit Marktanteile verlieren. Ein Problem, das die Politik langfristig beachten müsse. Die eher schwache Entwicklung der Exporte liege aber auch am konsumgetriebenen Wachstum der Weltwirtschaft. Wenn wieder mehr auf den Erwerb von Maschinen gesetzt werde, sollte sich das wieder ändern. Das Wifo rechnet damit, dass die Exporte ab 2017 wieder stärker zulegen als die Importe.

Die Inflation steigt heuer laut Wifo-Prognose auf 1,1 Prozent, im kommenden Jahr soll sie bei 1,8 Prozent liegen. "Das sind jetzt dann das neunte und zehnte Jahr, in dem die Inflation in Österreich höher liegt als in Deutschland und im Euroraum", so der Wirtschaftsforscher, der mit Ende August seinen Chefposten zurücklegt. (sat, 23.6.2016)

Korrektur, 24.6.2016, 14.30 Uhr: Die erste Hälfte des Artikels wurde adaptiert. Nimmt man die Flüchtlinge aus der Rechnung, wird die Arbeitslosigkeit laut Wifo im kommenden Jahr leicht steigen, nicht fallen, wie zuvor berichtet. Wir bedauern den Fehler.

  • Den Österreichern bleibt mehr im Börsel, das kommt auch der Wirtschaft zugute.
    foto: dpa/steffen

    Den Österreichern bleibt mehr im Börsel, das kommt auch der Wirtschaft zugute.

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