Fix: Richard Grasl tritt bei ORF-Wahl an

23. Juni 2016, 11:56
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ORF-Finanzdirektor wünscht sich "postiven Wettbewerb der besten Ideen für den ORF" – Wrabetz von Kandidatur "nicht überrascht"

Wien – Wie erwartet und bereits berichtet tritt ORF-Finanzdirektor Richard Grasl bei der Wahl am 9. August gegen ORF-General Alexander Wrabetz an. Offiziell verkündete er seine Bewerbung am Donnerstag vor den ORF-Stiftungsräten, die zum letzten Mal vor der ORF-Wahl zusammentrafen.

Der bürgerliche Finanzdirektor tritt damit gegen den Sozialdemokraten Wrabetz an, der seit seit 2007 Alleingeschäftsführer des ORF ist und davor Finanzdirektor unter der bürgerlichen Generalin Monika Lindner war. Grasl wünscht sich "einen positiven Wettbewerb der besten Ideen für den ORF", wie er am Donnerstag erklärte.

Am 30. Juni wird der Posten ausgeschrieben, am 28. Juli endet die Bewerbungsfrist, die Wahl findet am 9. August statt. Wrabetz und Grasl bemühen sich seit Monaten um die Stimmen von Oppositionsstiftungsräten und Unabhängigen. SPÖ und ÖVP sind im Stiftungsrat etwa gleich stark. Für eine Mehrheit sind 18 der 35 Stiftungsratsstimmen notwendig.

Präsentation statt öffentliches Hearing

Ein öffentliches Hearing der Kandidaten für die ORF-Generaldirektion ist wieder vom Tisch. Der Stiftungsrat des ORF einigte sich am Donnerstag stattdessen auf eine öffentliche "Präsentation" am 8. August, allerdings ohne Frage- und Antwortmöglichkeiten. Die rechtlichen Bedenken hätten zu schwer gewogen, lautete die Begründung von Gremienmitgliedern für diesen Kompromiss, >>> mehr dazu hier.

Wrabetz nicht überrascht

Wrabetz hat Grasls Kandidaturankündigung "zur Kenntnis genommen", wie er am Donnerstag im Gespräch mit Journalisten sagte. "Das war ja zu erwarten und sechs Monate intensiv vorbereitet." Er selbst ist für die Wahl im August "zuversichtlich".

Zur weiteren Zusammenarbeit mit Grasl meinte Wrabetz nur, man werde sich bemühen, "fair, sachlich, offen" zu agieren, und die Arbeit weiter erledigen, "davon gehe ich aus". Auf atmosphärische Beschreibungen seines Verhältnisses zu Grasl wollte er sich nicht einlassen. Auf eine entsprechende Frage, wann ihm dieser mitgeteilt habe, dass er antritt, meinte er nur: "Ich habe die Frau Dr. Lindner früher informiert."

Der Stiftungsrat werde bei der Entscheidung seine Leistungen der vergangenen Jahre würdigen, glaubt Wrabetz. "Wir sind einer der bestaufgestellen Öffentlich-Rechtlichen in Europa." Unter seiner Führung habe das Unternehmen "schwierige Klippen gut gemeistert. Ich nehme an, der Stiftungsrat wird das in seiner Bewertung berücksichtigen."

Reaktion der Stiftungsräte

Im Stiftungsrat selbst wurde Grasls Kandidatur pragmatisch bis erfreut kommentiert. Thomas Zach, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises", sah jetzt – wie schon im STANDARD-Interview – "den Wettbewerb um die besten Konzepte und Ideen für den ORF" eröffnet. "Das ist der erste Schritt für eine gute Zukunft für den ORF." Neos-Vertreter Hans Peter Haselsteiner fand es "erfreulich, dass Herr Grasl sich der Wahl stellt". Und er wünschte sich viele weitere Bewerber, denn der ORF verdiene einen größeren Wettbewerb um seine Zukunft.

Fenninger sieht Zäsur

Stiftungsrat Erich Fenninger sieht – egal wie die Wahl ausgeht – mit Grasls Ankündigung eine gewisse Zäsur vollzogen: "Das Gesamtteam wird so nicht mehr weiterarbeiten" in der nächsten Funktionsperiode, das sei mit heute klar. Dabei habe dieses Team "aus meiner Sicht nicht unerfolgreich" agiert. Er selbst plädiert für Wrabetz – wenig überraschend als SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter, möchte man meinen. Doch Fenninger weist parteipolitische Motive zurück, man müsse Wrabetz an seiner Leistung messen, und der ORF stehe im internationalen Vergleich gut da. Und auch aus der Redaktion sei zu hören, dass der General ihr den Rücken im "Schutz vor Instrumentalisierungen" stärke, sieht er ein weiteres Argument pro Wrabetz, >>> mehr dazu im STANDARD-Interview mit Fenninger.

Der Unabhängige Franz Küberl wiederum hofft auf einen "Wahlkampf in vernünftigen Formen", sieht aber offensichtlich die Chance dafür, denn "das sind ja erwachsene Menschen", die bis auf weiteres gemeinsam ein Unternehmen führen müssten.

Optimierung und Weiterentwicklung

In den Bewerbungsschreiben werden wohl die Ausführungen zur ORF-Information von einigen ganz genau gelesen werden. Der grüne Stiftungsrat Wilfried Embacher bekräftigte vor der Sitzung, dass er auf Konzepte für deren Optimierung und Weiterentwicklung Wert lege (siehe auch STANDARD-Interview: "Es gibt Abnützungs-Erscheinungen in der ORF-Information").

Neuschitzer fordert "Umstrukturierung der Information"

Der blaue Stiftungsrat Siggi Neuschitzer hält sich ebenfalls offen, wem er seine Stimme geben wird. Vom neuen Generaldirektor fordert er aber eine "Umstrukturierung der Information". Die Causa Tempelberg rund um FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer habe gezeigt, dass eine Entflechtung der Kompetenzen rund um Infochef Fritz Dittlbacher notwendig sei, sagt Neuschitzer zum STANDARD.

McDonald: Grasl "rundum geeigneter Kandidat"

ÖVP-Mediensprecher und -Generalsekretär Peter McDonald hat das Antreten von Richard Grasl für die ORF-Wahl begrüßt. Der derzeitige Kaufmännische DIrektor sei ein "rundum geeigneter Kandidat, den man sich im ORF nur wünschen kann", erklärte er in einem Statement. Zugleich hielt er fest, dass die Kür des Generals am Küniglberg "keine Entscheidung der Parteipolitik" sei.

Der Stiftungsrat werde "im Sinne des Unternehmens die beste Wahl treffen", so McDonald. Wichtig sei ein "Wettbewerb der besten Konzepte", weswegen er sich freue, "dass es jetzt mehr als nur einen Bewerber" gebe. Grasl bringe jedenfalls "nicht nur die journalistische Erfahrung mit, sondern auch fundierte kaufmännische Kompetenz und Führungserfahrung". (red, APA, 23.6.2016)

Nachlese

Schwarz gegen Rot: Kein Fall für zwei im ORF – Wer führt ab 2017 den ORF? Der bürgerliche Finanzdirektor Richard Grasl arbeitet an der Mehrheit – auch mit Schwächen seines Chefs Alexander Wrabetz

  • Richard Grasl fordert Alexander Wrabetz heraus. Er tritt am 9. August bei der ORF-Generalswahl an.
    foto: apa/georg hochmuth

    Richard Grasl fordert Alexander Wrabetz heraus. Er tritt am 9. August bei der ORF-Generalswahl an.

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