Euphorie künstlich, Depression echt: Österreich gegen Island in Postings nacherzählt

23. Juni 2016, 13:45
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So lang war das Leiden gar nicht. Nach 90 Minuten war alles vorbei und vieles kommentiert. Blicken Sie hier noch einmal in die geprüfte österreichische Postingseele

Nun, das Ende ist bekannt. Es ist kein schönes Ende, aber der Weg dorthin war so schlecht nicht. Denn Sie, liebe Tickerantinnen und Tickeranten, haben viel gegeben. Auch das Nationalteam präsentierte sich in Hälfte zwei so, dass man Potenzial erahnen und teilweise sogar erkennen konnte. Allein, es war zu spät. Ein Blick in die österreichische Postingseele könnte dereinst für soziologische Analysen herangezogen werden. Wir haben den Wissenschaftern von morgen ein paar Gustostückerl zurechtgelegt, für die Sie, liebe Userinnen und User, verantwortlich sind. Danke!

Chronologie einer angekündigten Niederlage

Teamchef Koller überrascht die Fußballexperten mit der Dreierkette Dragovic, Prödl, Hinteregger. Im Sturm sollen Sabitzer und Arnautovic ihr Talent zeigen, Harnik und Janko dagegen auf der Bank Platz nehmen. Die Aufstellungsvariante hat wie erwartet nicht nur Freunde, auch die Tickeranten beginnen sich aufzustellen:

Die Wege der Gefühle sind oftmals unergründlich:

Herzschmerz nach 18 Minuten. Almer bezwungen, Island führt. Dennoch Freundschaft!

Die erste Viertelstunde lang bringen die Österreicher nichts Erfreuliches zustanden. Alle Österreicher? Nein! Eine von unbeugsamen Österreichern bevölkerte Tribüne hört nicht auf zu singen:

Für Aleksandar Dragovic war's ein eher bescheidener Abend. Für alle, die ihm beim verschossenen Elfer zusehen mussten, auch. Aber gut, Karma is a bitch:

Ein sehr schönes Beispiel für die Gelernter-Österreicher-Logik der Verzweiflung:

Die Stimmung in der Pause glich der auf einer schlechten Party, auf der mensch sich traurig in die Ecke setzt und den Schwarm der Konkurrenz überlässt:

Fortuna befand sich wohl in einer Detox-Phase. Oder gab schlicht und ergreifend einen Korb:

Österreich, ein Geheimtipp als Land der Dichter und Denker!

Österreich, bekannt für destruktive Lebensfreude!

Ein Problem in warmen Sommernächten: hängende Livestreams und brüllende Nachbarn. Kurze Zeit später stand es aber auch bei diesem User 1:1. Alessandro Schöpf, 60. Minute, Traumtor, die Frisur sitzt, die Hoffnung lebt!

Nicht nur schmiss Österreich sich in Hälfte zwei richtig rein, auch die User gingen ans Äußerste:

20 Minuten vor Schluss, Österreich rennt, sogar in die richtige Richtung, sogar mit dem Ball am Fuß. Aber was ist Zeit?

Kurz später: Schöpf auf dem Weg zum Nationalhelden. Aber Fortuna (siehe oben) hat anderes vor. Will den jungen Kämpfer erst durch Unglück formen. Soll heißen: Chance vergeben. Derweil im Ticker Sprachübungen, der Situation angemessen:

"Letzte Ausfahrt Richtung Liebe, letzte Chance für unser Glück. Nur Sekunden noch, und ich bin dran vorbei. Letzte Ausfahrt Richtung Liebe" (Großmeister Udo Jürgens):

Irgendwann nach der 90. Minute, das Tor, es fällt endlich. Leider für die – aus Alpenperspektive – Falschen. Das tut weh, aber wir können noch mehr Schmerz: ein kurzer Blick in die Vergangenheit, als die Zukunft noch golden war; in der Wunde bohren ist wichtig, sonst vergisst man die Schmach allzu leichtfertig!

Wo genau liegt nun das Unglück begraben? Erste kontruktive und differenzierte Anaylsen:

Was zählt der Ruhm vergangener Tage, wenn die Gegenwart so grau ist wie des Schweizers Haar?

Weisheit als Massenphänomen:

"Und immer, immer wieder geht die Sonne auf!" (Allzweckwaffe Udo Jürgens)

Außerdem ist eh schon ein Aufwärtstrend zu erkennen, alles halb so wild:

Milde

Aber das Gute ist doch: an jeder Ecke Fun, Fun, Fun!

Es war kein langes Vergnügen. Und es war auch nicht immer ein Vergnügen, aber gelebt ist gelebt, die Erfahrung gehört uns. Und was die Zukunft bereithält, weiß auch kein Mensch. In diesem Sinne: Russland, wir kommen! Vielleicht. (jmy, 23.6.2016)

  • Oh weh!
    foto: reuters/charles platiau

    Oh weh!

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