"Fußball ist ein Selbstvertrauen-Sport"

22. Juni 2016, 21:25
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Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Wir waren viel zu hektisch und nervös, wir haben mit dem Ball zu wenig Ruhe gehabt. Das war in jedem Spiel so, bis auf heute in der zweiten Hälfte. Natürlich hat die Erfahrung für so ein Turnier gefehlt, die Nervosität war wahrscheinlich zu hoch. Das ist menschlich, wir haben versucht, die Ruhe reinzukriegen. Aber das ist nicht so einfach, wenn 80.000 da sind und man weiß, dass man das Spiel gewinnen will. Aber man kann Erfahrung mitnehmen, da kann jeder davon ungemein profitieren. Es ist vorher viel passiert: Verletzte, andere haben im Klub nicht gespielt. Bei so einem Turnier ist das Level extrem hoch, wenn du nicht im Rhythmus bist, du hast keine Zeit. Fußball ist ein Selbstvertrauen-Sport, wenn man Spiele gewinnt, kann man das aufbauen. Wir haben aber eine Phase, wo wir in der anderen Richtung sind, jetzt müssen wir das stoppen. Ich bin überzeugt, dass uns das mit der Erfahrung von diesem Turnier auch gelingt."

Zur Wahl des Elferschützen: "Ich habe gesagt, wer sich besser fühlt, soll dann schießen. Das sind Dinge, die passieren. Das wird den Drago auch stärker machen, wir geben ihm keine Schuld."

Alessandro Schöpf (Torschütze Österreich): "Der Ausgleich ist gar nicht zu spät gekommen, wir haben auch danach noch genügend Chancen gehabt. Ich muss das 2:1 machen, dann sind wir weiter. Das tut mir sehr leid. Es war in der ersten Hälfte ein blödes Gegentor, die Isländer sind danach sehr tief gestanden und haben uns das Leben schwer gemacht. Wir haben in der ersten Hälfte die Räume nicht gefunden, in der zweiten haben wir das viel besser gemacht."

Zu den Gründen für das Scheitern: "Es war natürlich sehr schwierig, das 0:2 gegen Ungarn zu verdauen. Jetzt sind wir alle enttäuscht."

Aleksandar Dragovic (ÖFB-Verteidiger, vergab Elfmeter): "David ist zu mir gekommen und hat gefragt, wie ich mich fühle. Normal soll der Gefoulte nicht schießen. Ich habe mich gut gefühlt. Es tut mir leid für die Mannschaft, aber es haben leider auch schon andere große Spieler verschossen mit Cristiano (Ronaldo) oder Ramos gestern. Natürlich wollte ich ihn machen. Jetzt bin ich halt der Buhmann, da muss ich auch damit leben. Das gehört zum Fußball dazu."

Christian Fuchs (Kapitän Österreich): "Wir haben alles probiert und hatten genügend Chancen, um das Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden. Das letzte Tor war ein klassischer Konter, da haben wir alles auf eine Karte gesetzt."

Zum Systemwechsel bei Spielbeginn: "Das haben wir ja auch schon in der Vorbereitung eingeübt, da hat man gesehen, dass es funktioniert. Wir haben auch schon in der ersten Hälfte Chancen herausgespielt. Ich möchte nicht dem System Schuld geben. Wir stehen auf dem Platz und müssen die Tore machen, das ist uns während der EM nicht gelungen."

David Alaba (ÖFB-Mittelfeldspieler): "In der ersten Hälfte haben es die Isländer recht gut gemacht, uns früh zu stören, sie waren im Zentrum sehr kompakt. Da haben wir sicher ein bisschen ein Problem gehabt, ins Spiel zu finden. Dann haben wir unser System gewechselt, und dann waren wir die deutlich bessere Mannschaft."

Zum Elfmeter: "Drago ist ein sicherer Schütze, er hat einfach Pech gehabt."

Zu den Gründen für das Scheitern: "An was es gelegen hat, ist schwer zu sagen unmittelbar nach dem Spiel. Erfahrung spielt sicher eine Rolle. Man hat schon gemerkt, dass es anders als in der Quali ist, daraus müssen wir alle lernen. Wir haben unsere Ziele nicht erreicht, haben uns mehr gewünscht und haben das nicht umsetzen können. Das ist nicht das Ende unserer Geschichte, das Buch ist noch nicht zu Ende. Das ist ein Kapitel, das bitter ist, uns aber stärker macht."

Leo Windtner (ÖFB-Präsident): "Natürlich haben wir das Ziel nicht erreicht. Schade, es wäre absolut möglich gewesen. Grundstein beim Ungarn-Match gelegt, heute hat uns auch ein bisschen das Glück gefehlt. Wir haben es nicht ganz geschafft, aber wir können uns mit Anstand verabschieden. Keine Zweifel, der Kurs mit Marcel Koller und seinem gesamten Betreuerstab steht fest. Die WM-Quali wollen wir wieder schaffen."

Jon Bödvarsson (Torschütze Island): "Wir sind überglücklich, das ist der größte Fußballmoment für Island. Die Führung zu schießen war wirklich wichtig. Wir haben sie dann sehr gut verteidigt, vielleicht sind wir ein bisschen zu weit nach hinten gerückt. Wir haben ihnen ein bisschen viel Räume gegeben."

Heimir Hallgrimsson (Teamchef Island): "Ich glaube, wir werden den Nationalfeiertag jetzt vom 17. Juni auf den heutigen Tag umlegen. Was diese Mannschaft hier geleistet hat, ist unglaublich." (APA, 22.6.2016)

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