Früherer Deutsche-Bank-Händler bekennt sich im Libor-Skandal schuldig

22. Juni 2016, 19:16
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Mithilfe bei Manipulation des Zinssatzes zwischen 2006 und 2008 – Fehlverhalten Ende Mai vor New Yorker Gericht eingeräumt – Gerichtsunterlagen nun entsiegelt

New York/Frankfurt – Ein früherer Händler der Deutschen Bank hat sich der Mithilfe bei der Manipulation des Libor-Zinssatzes schuldig bekannt. Wie aus am Mittwoch entsiegelten Gerichtsunterlagen hervorgeht, räumte der frühere Managing-Direktor der New Yorker Derivate-Handelsabteilung sein Fehlverhalten bereits Ende Mai vor dem New Yorker Gericht ein.

Demnach gab er zu, zwischen 2006 und 2008 zusammen mit anderen Bankangestellten an einem System mitgewirkt zu haben, dass den Libor-Zins beeinflusste. Er sei an dieser "unehrlichen Praxis" beteiligt gewesen. Bereits im Oktober hatte sich ein ehemaliger hochrangiger Händler der Deutschen Bank für schuldig erklärt, den Libor-Satz gesetzeswidrig zu seinen Gunsten beeinflusst zu haben. Anfang Juni sind laut US-Justizministerium zwei Ex-Händler der Deutschen Bank wegen angeblicher Manipulation angeklagt worden.

In den Libor-Skandal sind weltweit mindestens 16 Geldhäuser verwickelt, darunter die Deutsche Bank. Einzelne Händler hatten sich bei der Festsetzung des Zinssatzes abgesprochen, um ihn in die gewünschte Richtung zu lenken und Handelsgewinne einzustreichen. Am Libor und verwandten Referenzzinssätzen hängen Geschäfte in einem Volumen von vielen hundert Billionen Dollar täglich, wodurch sich schon durch kleine Bewegungen Gewinne erzielen lassen.

Viele Banken haben sich mit diversen Behörden bereits auf milliardenschwere Vergleiche geeinigt. Klagen privater oder institutioneller Anleger stehen aber noch aus. Die Deutsche Bank hatte sich im April 2015 bereit erklärt, 2,5 Milliarden Dollar (derzeit 2,21 Mrd. Euro) im Zusammenhang mit Ermittlungen in den USA und Großbritannien zu zahlen. (APA/Reuters, 22.6.2016)

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