Gulaschfestival: Paprika und Csárdás im Wiener Donaupark

Video23. Juni 2016, 08:00
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Beim siebenten Wiener Gulaschfestival ging es im Gulaschwettbewerb scharf zur Sache

Rauch liegt in der Luft, laute Musik wird gespielt. Männer und Frauen schwingen den Kochlöffel. Eine Zutat darf dabei nicht fehlen: Paprika! Am vergangenen Wochenende fand wieder das alljährliche Gulaschfestival in Wien statt. Dessen Kernelement: der traditionelle Gulaschwettbewerb. Und mittendrin: Klaus. "Ich mache heuer mit, weil ich ein leidenschaftlicher Gulaschkoch bin. Es gibt nichts Besseres, als ein Kesselgulasch am offenen Feuer im Freien zuzubereiten", sagt der Wiener, der zum ersten Mal am Wettbewerb teilnimmt. Er tritt gegen 28 weitere Mannschaften an, die alle ein Ziel haben: die Jury davon zu überzeugen, dass sie die besten Gulaschköche sind.

"Natürlich möchte man gewinnen, aber im Vordergrund stehen der Spaß am Kochen und das Kennenlernen neuer Menschen", sagt Tibor, der extra aus Serbien angereist ist. Das Teilnehmerfeld ist bunt gemischt, Mannschaften aus Serbien, Ungarn, Bosnien und Österreich sind dabei.

In seiner siebenten Auflage ist das Festival größer denn je. "In den letzten Jahren waren wir im Böhmischen Prater, da war das Festival eher familiär. Heuer haben wir uns für einen neuen Standort hier im Donaupark entschieden. Wir wollten, dass mehr Menschen mit uns feiern", sagt Festivalorganisatorin Erika Kancsár Virág.

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Großer Besucherandrang

Die Rechnung geht auf. Mehr als 3.000 Besucher kommen, um Gulasch zu verkosten und zu ungarischer Musik das Tanzbein zu schwingen. "Ich bin halb Ungarin und bin hier, um mir bei den Teams ein paar Tipps zum Gulaschkochen zu holen, aber auch, um das ganze Flair des Festivals zu genießen", sagt die Festivalbesucherin Magdalena.

Der Andrang ist so groß, dass den Organisatoren gegen Ende das Gulasch für die Besucher ausgeht. Kancsár Virág bittet um Entschuldigung. "Wir müssen gestehen, wir haben nicht mit so vielen Menschen gerechnet. Nächstes Jahr, das verspreche ich, werden wir viel mehr Gulasch haben", sagt die Obfrau des Ungarischen Arbeitervereins (BMME). Immerhin sind für die Hungrigen auch andere ungarische Spezialitäten wie Grammelpogatschen und Lángos in Angebot.

Gulaschwettbewerb

Während die Besucher essen und sich von Csárdás-Tänzern zum Reigentanzen animieren lassen, geht das Gulaschwettkochen weiter. Um einen fairen Bewerb zu ermöglichen, haben alle Teilnehmer das gleiche Fleisch und die gleichen Zwiebeln von den Organisatoren erhalten. "Um sich von den Konkurrenten zu unterschieden, ist es wichtig, wann man welche Zutaten dazugibt und wie sich gekocht werden", erklärt Klaus. Zu viel will der Neuling nicht verraten, nur so viel: "Der Paprika muss zur richtigen Zeit eingearbeitet werden, sonst wird der Geschmack bitter."

Die Konkurrenz ist stark und vor allem erfahren. "Ich mache bei Gulaschwettbewerben in der Ukraine, Rumänien, Serbien, Ungarn und heuer bereits zum zweiten Mal in Wien mit", sagt Tibor, der europaweit schon mehr als 30 Auszeichnungen für seine Gulaschkünste erhalten hat. Auch heuer wird er als Zweiplatzierter eine Trophäe mitnehmen.

Teilnehmerin Gunda vermutet, dass wohl jeder hier seine Geheimzutat hat, "verraten möchte ich meine aber nicht". Norbert, der zum ersten Mal mitmacht, schwört, keine Geheimzutat zu haben: "Ich verwende nur Zwiebeln, Knoblauch, Wasser, Salz, Pfeffer und natürlich das richtige Paprikapulver." Vor der Juryentscheidung gibt er sich augenzwinkernd siegessicher: "Mein Gulasch ist sehr einfach, aber ich denke, ich werde gewinnen."

Klaus und sein Team Rocket Rooney erhoffen sich ebenfalls eine gute Platzierung. "Wir haben viele Besucher kosten lassen, und sie haben gesagt, dass es sehr gut schmeckt", sagt er kurz vor der Entscheidung. "Hoffentlich kommt es bei der Jury auch so gut an."

Die Entscheidung der Jury

Nach knapp vier Stunden geht Organisatorin Erika Kancsár Virág mit zwei Kollegen durch und sammelt Kostproben der Teilnehmer ein: "Wir schreiben auf die Teller mit den Proben nicht die Namen der Teams, sondern Nummern zwischen eins und 29. Somit weiß die Jury nicht, welches Gulasch zu welchem Team gehört."

In der Jury sitzen zwei Köche und drei Laien. Sie bewerten das Gulasch nach Geschmack, Farbe, Konsistenz und Fleischqualität. "Die Entscheidung ist sehr schwer", sagt einer der Juroren. Ein anderer meint: "Es ist unvorstellbar, aber alle 29 Gulasch schmecken unterschiedlich. Manche, muss ich aber gestehen, sind mir zu scharf."

Die Entscheidungsfindung dauert lang, knapp zwei Stunden lässt sich die Jury Zeit. Am Ende gewinnen der vorlaute Norbert und sein Team. Wie er schon im Vorhinein wissen konnte, dass er gewinnen wird? "Ich weiß alles. Das ist Instinkt."

Klaus belegt am Ende den beachtlichen sechsten Platz. Nächstes Jahr will er so wie die meisten anderen wieder teilnehmen. An seiner Rezeptur wird er nichts ändern: "Vielleicht schmeckt es der nächstjährigen Jury besser." (Siniša Puktalović, 23.6.206)

  • Norbert nahm heuer zum ersten Mal teil und siegte mit seinem Team.
    foto: siniša puktalović

    Norbert nahm heuer zum ersten Mal teil und siegte mit seinem Team.

  • Gulasch kochen in Tracht.
    foto: siniša puktalović

    Gulasch kochen in Tracht.

  • Profis ...
    foto: siniša puktalović

    Profis ...

  • ... und ein paar talentierte Laien.
    foto: siniša puktalović

    ... und ein paar talentierte Laien.

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