Karfreitag für alle – aber nicht als zusätzlichen Feiertag

Blog23. Juni 2016, 12:02
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Dass einige Konfessionen mehr freie Tage haben als andere, ist unvertretbar – genauso wie ein 14. Feiertag

Das Oberlandesgericht Wien hat recht: Es ist diskriminierend, dass Protestanten, Altkatholiken und Methodisten einen bezahlten Feiertag mehr haben als Angehörige anderer Religionsgruppen und Bürger ohne Bekenntnis. Die jüngste Entscheidung zum Karfreitag dürfte vor dem Obersten Gerichtshof halten – beziehungsweise bei Vorlage in Luxemburg vor dem Europäischen Gerichtshof.

Aber genauso absurd wäre es, wenn als Reaktion auf diese Judikatur der Karfreitag als zusätzlicher gesetzlicher Feiertag für alle eingeführt wird. Österreich hat bereits jetzt mit 13 Tagen mehr Feiertage als die Mehrheit der europäischen Staaten – ein 14. ist wirtschaftlich nicht vertretbar.

Feiertage kosten Geld

Feiertage, so angenehm sie auch sind, belasten die Unternehmen und kosten letztlich Wachstum und Wohlstand. Die Wirtschaftskammer hat jeden Grund, dagegen ganz laut zu protestieren.

Aber das ändert nichts daran, dass Protestanten zu Karfreitag freihaben sollen, Juden zu Jom Kippur (das ist derzeit über einen Generalkollektivvertrag geregelt) und Muslime an den für sie höchsten Feiertagen.

Nur Anrecht auf einen Urlaubstag

Allerdings lässt sich das auch erreichen, indem Angehörigen dieser Religionsgruppen ein Recht auf einen bezahlten Urlaubstag (aus ihrem Urlaubskontingent) oder auf einen unbezahlten Urlaubstag eingeräumt wird. Damit wäre auch die Ungleichbehandlung, die das OLG Wien moniert, beseitigt.

Dafür müsste allerdings das Feiertagsruhegesetz geändert und evangelische Arbeitnehmer schlechtergestellt werden. Wie schwierig das in Österreich ist, sollte bekannt sein.

Karfreitag ersetzt anderen Feiertag

Die Alternative wäre, den Karfreitag zum gesetzlichen Feiertag zu erklären und dafür einen anderen religiösen Feiertag in einen normalen Arbeitstag zu verwandeln. Aus Sicht der Wirtschaft bietet sich dafür einer der beiden Donnerstage – Christi Himmelfahrt und Fronleichnam – an, weil die die Arbeitsprozesse im Frühjahr besonders stören. Im strengkatholischen Italien ist das längst geschehen.

Aber dagegen würde die katholische Kirche lautstark protestieren – und es wohl zu verhindern wissen. Kirchenvertreter haben allerdings immer wieder klargemacht, dass sie weder Ostermontag noch Pfingstmontag als gesetzlichen Feiertag benötigen. Die wichtigen Messen finden ohnehin am Sonntag statt.

Pfingstmontag ist verzichtbar

Einen dieser beiden Tage könnte man daher gegen den Karfreitag eintauschen. Am sinnvollsten wäre der Verzicht auf den Pfingstmontag – und damit auch auf die sinnlosen Pfingstferien in den Schulen. Das würde die vielen Betriebsunterbrechungen im Frühjahr etwas reduzieren.

Doch da würde sich wohl der Fremdenverkehr querlegen, der das Pfingstgeschäft sehr schätzt. Als Alternative müsste der Ostermontag daran glauben. Es gäbe dann zu Ostern weiterhin für Arbeitnehmer und Betriebe ein langes Wochenende, aber verschoben um einen Tag. Damit müssten alle leben können. (Eric Frey, 23.6.2016)

  • Die Ostereiersuche beginnt weiterhin erst am Sonntag, das lange Wochenende aber vielleicht schon am Freitag.
    foto: dpa/karmann

    Die Ostereiersuche beginnt weiterhin erst am Sonntag, das lange Wochenende aber vielleicht schon am Freitag.

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