Beschäftigung zur Integration: Kollege Asylwerber

Kommentar22. Juni 2016, 17:56
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Die Marktöffnung für Asylwerber soll dort passieren, wo bisher wenig Markt war

Wer nichts Sinnvolles zu tun hat, kommt leicht auf dumme Gedanken. Oder wird depressiv. Oder beides. Vor allem aber verlieren Menschen, die keine Beschäftigung haben, mit der Zeit auch die Motivation zur Arbeit – Kompetenzen, die man einmal hatte, gehen mehr und mehr verloren.

Das gilt besonders für jene, die mit der Hoffnung auf Asyl und einen Neuanfang zu uns gekommen sind: Wenn sie nicht arbeiten – von Rechts wegen: nicht arbeiten dürfen -, dann wird es mit jedem Monat schwieriger, sie in die österreichische Gesellschaft zu integrieren. Denn Integration von Erwachsenen erfolgt nun einmal über den Arbeitsmarkt. Es gehört ja zum Wesen unserer Gesellschaft, unserer sozial genannten Marktwirtschaft, dass sich der Wert eines Menschen zumindest teilweise über Arbeitsleistung definiert. Und, ob das nun gerecht ist oder nicht: Wer nicht arbeitet, dem wird von seinem Umfeld unterstellt, weniger wert zu sein.

Asylwerber sind von dieser Unterstellung besonders betroffen. Dass sie herkämen, um sich fürs Nichtstun bezahlen zu lassen, ist eine häufig gehörte Stammtischparole. Mit der Grundsatzentscheidung, Asylwerbern zumindest den Zugang zu gemeinnütziger Arbeit zu öffnen, wird dieses Bild ein wenig zurechtgerückt.

Ganz zufriedenstellen wird das die Stammtischgesellschaft natürlich nicht: Rasch wird da eingewendet werden, dass in den Asylwerbern eine neue Konkurrenz in einer ohnehin angespannten Arbeitsmarktlage entstehe. Aber das stimmt nur zum Teil; denn die Marktöffnung soll ja vor allem dort passieren, wo bisher wenig Markt war, wo auch wenig bezahlt wurde oder bezahlt werden konnte. Der Gemeindebund-Präsident erzählt, was jeder weiß: dass nämlich in jedem Dorf ein paar Arbeiten "liegenbleiben" – und dass diese Tätigkeiten gut geeignet wären, den Arbeitswillen der Asylwerber auch der lokalen Bevölkerung zu demonstrieren, den Betroffenen gleichzeitig Selbstwertgefühl zu geben und schließlich quasi nebenbei Deutschkenntnisse zu vermitteln.

Nun kann dieses sehr spezielle Beschäftigungsprogramm nicht alle Probleme der Integration lösen – aber es kann die Situation entkrampfen. Damit keiner auf dumme Ideen kommt oder depressiv wird – nicht die Asylsuchenden und auch nicht jene, die sie demnächst als Kollegen haben werden. (Conrad Seidl, 22.6.2016)

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