ORF-Wahl: Richard Grasl macht Antreten am Donnerstag offiziell

22. Juni 2016, 17:27
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Kein Kommentar vor heutiger Sitzung des Stiftungsrats – Öffentliches Hearing der Kandidaten scheint fix

Wien – ORF-Finanzdirektor Richard Grasl dürfte am Donnerstag die letzte Sitzung des ORF-Stiftungsrats vor der Generalswahl nutzen, um seine langerwartete Bewerbung offiziell zu machen. Die 35 Stiftungsräte bestimmen am 9. August den nächsten ORF-Chef ab 2017.

Der bürgerliche Finanzdirektor Grasl tritt damit wie berichtet gegen Alexander Wrabetz an. Der Sozialdemokrat Wrabetz ist seit 2007 Alleingeschäftsführer des ORF, davor war er Finanzdirektor unter der bürgerlichen Generalin Monika Lindner.

Wrabetz und Grasl bemühen sich seit Monaten um die Stimmen von Oppositionsstiftungsräten und Unabhängigen. SPÖ und ÖVP sind im Stiftungsrat etwa gleich stark.

Update Donnerstagvormittag: Bisher hat sich Grasl noch nicht über seinen Antritt zur ORF-Wahl geäußert. Die Mitglieder des ORF-Aufsichtsgremiums wollten sich auch keinen Spekulationen über einen Showdown zwischen Grasl und Wrabetz hingeben.

Keine Fotografen vor Sitzung zugelassen

Zumindest am Rande auffällig war allerdings, dass sich den ebenfalls zahlreich vertretenen Pressefotografen keine Gelegenheit für ein gemeinsames Foto von Wrabetz und Grasl bot: Vor der Sitzung waren, anders als früher, keine Fotografen im Saal zugelassen.

Öffentliches Hearing scheint fix

Wer auch immer alles antritt, ein öffentliches Hearing der Kandidaten scheint fix. Zwar hatte Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) zuletzt festgehalten, dass dies aus aktienrechtlichen Gründen nicht im Rahmen einer Stiftungsratssitzung stattfinden dürfe. Es zeichne sich aber ab, dass man etwa eine gemeinsame Veranstaltung von Stiftungs- und Publikumsrat abhalten könnte, hieß es am Donnerstag.

In den Bewerbungsschreiben werden wohl die Ausführungen zur ORF-Information von einigen ganz genau gelesen werden. Der Grüne Stiftungsrat Wilfried Embacher bekräftigte vor der Sitzung, dass er auf Konzepte für deren Optimierung und Weiterentwicklung Wert lege. (>>> siehe auch STANDARD-Interview: "Es gibt Abnützungs-Erscheinungen in der ORF-Information")

Neuschitzer fordert "Umstrukturierung der Information"

Der blaue Stiftungsrat Siggi Neuschitzer hält sich ebenfalls offen, wem er seine Stimme gibt. Vom neuen Generaldirektor fordert er aber eine "Umstrukturierung der Information". Die Causa Tempelberg habe gezeigt, dass eine Entflechtung der Kompetenzen rund um Infochef Fritz Dittlbacher notwendig sei, sagt Neuschitzer zum STANDARD.

Neben Grasls Antreten ist auch die Abstimmung über den Verkauf des ORF-Funkhauses an die Vorarlberger Rhomberg Gruppe Thema in der heutigen Stiftungsratsitzung. Das Gremium will auch über Nachnominierung von Kandidaten zur ORF-Wahl entscheiden. Am 30. Juni wird der Posten ausgeschrieben, am 28. Juli endet die Bewerbungsfrist, die Wahl findet dann am 9. August statt. (red, APA, 22.6./23.6.2016)

Nachlese

Schwarz gegen Rot: Kein Fall für zwei im ORF – Wer führt ab 2017 den ORF? Der bürgerliche Finanzdirektor Richard Grasl arbeitet an der Mehrheit – auch mit Schwächen seines Chefs Alexander Wrabetz

  • ORF-Finanzdirektor Richard Grasl wird Gegenkandidat von Alexander Wrabetz.

    ORF-Finanzdirektor Richard Grasl wird Gegenkandidat von Alexander Wrabetz.

  • Diese ORF-Stiftungsräte könnten die Wahl entscheiden.
    foto: der standard

    Diese ORF-Stiftungsräte könnten die Wahl entscheiden.

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