Regierung will Hilfsjobs steuerlich begünstigen

23. Juni 2016, 07:00
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Befristete Aushilfen sollen bis zu 18 Tage im Jahr steuerfrei bleiben. So will die Koalition Schwarzarbeit im Tourismus zügeln

Wien – Mit dem am Dienstag von der Regierung beschlossenen Gesetzespaket wurden nicht nur Ausnahmen von der Registrierkassenpflicht fixiert (DER STANDARD berichtete), sondern auch arbeitsrechtliche Erleichterungen für Unternehmen, insbesondere im Tourismus und in der Gastronomie. Darunter ist auch die seit Jahren von der Wirtschaftskammer geforderte steuerliche Begünstigung für temporäre Aushilfskräfte.

Es geht dabei um Hilfskräfte an Spitzentagen, beispielsweise wenn bei einer Hochzeitsfeier zusätzliche Kellner gebraucht werden. Laut Touristikern sei es zu aufwändig, Aushilfen, die bei einem anderen Unternehmen in einem regulären Arbeitsverhältnis stehen, für diese Tage separat bei der Sozialversicherung anmelden zu müssen. Außerdem kämen auf die Aushilfen oft Nachzahlungen bei der Arbeitnehmerveranlagung zu. Das mache es schwierig, temporäre Hilfskräfte zu finden. Viele solcher Jobs würden zudem schlichtweg nicht angemeldet.

Nur 30 Prozent Abgaben

Ab 2017 soll daher jede Hilfskraft, die bereits einer Beschäftigung nachgeht und damit vollversichert ist, bis zu 18 Tage pro Jahr einkommenssteuerbefreit aushelfen können. Die SV-Abgaben sind mit 30 Prozent begrenzt. Die erhofften Effekte sind eine Legalisierung von bisher nicht versteuerten Jobs, weniger Bürokratie für Arbeitgeber und mehr Netto vom Brutto für Hilfskräfte.

Fraglich ist, welche Folgen die Regelung, von der bisher nur die Eckpunkte bekannt sind, für den Arbeitsmarkt brächte. Von Steuerberatern hieß es auf Anfrage, man könne erst bei Vorliegen des Gesetzesentwurfs Stellung nehmen.

Steuerrechtliches Novum

Viele offene Fragen sieht Wifo-Ökonomin Christine Mayrhuber. "Eine prinzipielle Lohnsteuerbefreiung des Zusatzeinkommens wäre jedenfalls ein Novum", so Mayrhuber. Für Unternehmer würde dadurch zusätzlich zur Regelung für geringfügig Beschäftigte, die nur geringe Sozialabgaben zahlen müssen, eine weitere Begünstigung geschaffen. Eine Ausweitung des Modells auf weite Bereiche würde eine Subventionierung marginaler Beschäftigungsverhältnisse bedeuten. Das gehe auf Kosten aller Steuerzahler und untergrabe das Beitragssystem zur Sozialversicherung.

Laut Otto Farny, Steuerexperte bei der Arbeiterkammer, ist hingegen nicht davon auszugehen, dass Arbeitgeber in großem Stil von der Möglichkeit Gebrauch machen. Ein WKO-Sprecher sagte, es handle sich dabei um einen ausdrücklichen Wunsch der Gastronomen und sei auch nur für diese Branche gedacht. (Simon Moser, 23.6.2016)

  • Tischler im Brotberuf, Kellnern bei Hochzeitsfesten am Wochenende: In Fällen wie diesem müssen laut Regierungsplänen in Zukunft für den Zweitjob weniger Abgaben gezahlt werden.
    foto: apa/herbert neubauer

    Tischler im Brotberuf, Kellnern bei Hochzeitsfesten am Wochenende: In Fällen wie diesem müssen laut Regierungsplänen in Zukunft für den Zweitjob weniger Abgaben gezahlt werden.

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