Vorwürfe gegen Kärntner Lehrer für Waffentechnik

23. Juni 2016, 08:00
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Ein anonymer Brief von Schülern der HTL in Ferlach belastet einen Lehrer. Er soll Waffen auf Schüler gerichtet haben. Der Landesschulrat hält Vernaderung für möglich

Ferlach/Klagenfurt – Weil sie dazu beitragen wollen, dass sich an den Zuständen an ihrer Schule "etwas ändert und die Qualität des Unterrichts verbessert wird", wenden sich die Verfasser eines anonymen Briefes, der an mehrere Medien – auch den STANDARD – ging, an die Öffentlichkeit. In dem Schreiben werden auf mehr als einer Seite teils schwere Vorwürfe gegen einen Lehrer für Waffentechnik der höheren technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt (Euregio HTBLVA) Ferlach erhoben.

Honeymoon statt Unterricht

Die harmloseren davon: Der Lehrer fehle zu oft, habe sein Doktorat neben der Schule gemacht und dann auch noch seine Hochzeitsreise während des Schuljahrs absolviert – obwohl auch seine Frau Lehrerin sei und somit dieselben Ferien habe.

Auch wenn die Schüler – vor allem bei der Betreuung ihrer Abschlussarbeiten – darin echte Nachteile sahen: Darüber müsse letztlich immer die Direktion entscheiden, wichtig sei, dass es eine Fachvertretung gibt, sagt der Kärntner Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger im Gespräch mit dem STANDARD. Wann der Mann auf Hochzeitsreise fuhr, war aber nicht der Sprengstoff, der Altersberger auf den Plan rief. In dem Brief ist auch die Rede davon, dass der Lehrer "schon mehrmals während einer Unterhaltung mit Schülern eine Kurzwaffe und sonstige Waffen" mitgehabt, in einem Winkel von nur etwa 30 Grad an den Schülern vorbeigezielt und abgedrückt habe.

Zwar ohne Patrone, aber "ohne ersichtliche Prüfung des Ladezustandes für die Schüler", heißt es. Ein für die Verfasser "unprofessionelles Verhalten", das sie offenbar verunsicherte. Darüber hinaus bevorzuge der Lehrer jene Schüler, die Mitglieder einer Burschenschaft, nämlich der technischen Verbindung Hollenburg, seien, durch eine bessere Benotung.

"Ich schließe nichts aus"

Landesschulratspräsident Altersberger betont am Mittwoch, dass die "Sicht von außen auf den Innenbereich Schule immer ein Problem" sei. Konkret hätte man natürlich gerade bei den schwerwiegenden Vorwürfen gerne gewusst, "wer da dabei war, wann das vorgefallen ist". Man habe dazu Direktion und Schul- und Klassensprecher befragt, doch "es gibt weder von Schulseite noch von Schülerseite Indizien, die die Vorwürfe erhärtet hätten". Seine Conclusio bisher: "Ich schließe nichts aus, weder berechtigte Vorwürfe noch Vernaderung."

Was die Burschenschaft angehe, die in räumlicher Nähe zum Schulgebäude sei, so habe Altersberger hier schon lange klargemacht: "Diese Bräuche und Uniformen haben in der Schule nichts verloren, Lehrer dürfen keine Funktionen in der Burschenschaft innehaben, wir tolerieren hier keine Berührungspunkte." Mitglied dürfe man aber schon sein.

Mittlerweile soll der angefeindete Lehrer von Absolventen durch eine Unterschriftenaktion Rückenwind bekommen, so der Landesschulrat. Ob die Initiatoren der Unterschriftenliste auch Mitglieder der Verbindung Hollenburg seien, müsse man erst überprüfen.

Schule nach Streich gesperrt

Ob Intrige oder zu Recht besorgte Schüler: In der Schule in der traditionellen Büchsenmacherstadt und südlichsten Gemeinde Österreichs brodelt es offenbar. Am Mittwoch blieb das Gebäude am Vormittag gesperrt, weil Dienstagnacht ein sogenannter Maturastreich, für den sich Schüler nach erfolgreich absolvierter Matura diverse Späße ausdenken, etwas aus dem Ruder gelaufen sein dürfte. Die Direktorin schaltete die Polizei ein, wie der Landesschulrat bestätigt. Die Schüler seien nämlich übertrieben gründlich ans Werk gegangen, hätten alle Türen völlig verbarrikadiert, Möbel verräumt, Kaffeeautomaten umgeworfen und "Bilder von Genitalien auf die Wände geschmiert", so Altersberger, "das ist kein netter Spaß mehr, da hinterlassen sie ihren Nachfolgern ein beschädigtes Schulgebäude".

Nach stundenlangen Ermittlungen der Polizei wurde am Nachmittag wieder unterrichtet. Rund 90 Schüler hatten am Dienstag ihre letzten Prüfungen gehabt. Seitens der Direktion dürften aber nur wenige für die "Verwüstung" verantwortlich gewesen sein. Möglicherweise war Alkohol im Spiel. (Colette M. Schmidt, 23.6.2016)

  • An der HTL in Ferlach im Bezirk Klagenfurt-Land herrscht dicke Luft. Ein anonymes Schreiben und ein aus dem Ruder gelaufener "Maturastreich" sorgen für Erhebungen von Landesschulrat und Polizei.
    foto: daniel raunig

    An der HTL in Ferlach im Bezirk Klagenfurt-Land herrscht dicke Luft. Ein anonymes Schreiben und ein aus dem Ruder gelaufener "Maturastreich" sorgen für Erhebungen von Landesschulrat und Polizei.

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