Wie sich ein französischer Konzern mit dem IS arrangierte

22. Juni 2016, 16:00
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Der Zementhersteller Lafarge bezahlte den "Islamischen Staat" in Syrien für diverse Leistungen

Der Vorwurf wiegt schwer: Während Frankreich in Syrien Krieg gegen den IS führt, soll ein Pariser Großkonzern mit der Jihadistengruppe finanzielle "Arrangements" getätigt haben. Wie die Zeitung "Le Monde" am Mittwoch berichtete, soll Lafarge die Terrormiliz indirekt finanziert haben, um ein Zementwerk weiterführen zu können.

Der französische Großkonzern kaufte das Werk Jalabiya im Jahr 2007 von einem ägyptischen Besitzer für umgerechnet 600 Millionen Euro. Damals war der Standort 160 Kilometer nordöstlich von Aleppo noch im Bau. Geplant war ein Jahresumsatz von 2,6 Millionen Tonnen, womit Jalabiya abgesehen von den Erdölraffinerien die größte Industrieproduktion Syriens geworden wäre.

"Trübes" Abkommen

Kaum hatte sie 2010 den Betrieb aufgenommen, brach der Krieg aus, und die Truppen des "Islamischen Staats" näherten sich gefährlich dem Standort. "Le Monde" beschreibt detailliert die "trüben" Übereinkommen, die Lafarge in den Jahren 2013 und 2014 mit den Jihadisten eingegangen sei. Das Unternehmen habe an Kontrollposten Abgaben für den Gütertransport bezahlt; außerdem habe es über Mittelsmänner Lizenzen gekauft und Steuern bezahlt, um an Erdöl zu kommen, das "vom IS raffiniert" worden war.

"Koste es, was es wolle"

Lafarge Holcim, wie der Konzern heute heißt, dementiert diese Zahlungen nicht, behauptet aber, sie seien nur vorübergehend und aus Rücksicht auf die Werkarbeiter aufrechterhalten worden. "Le Monde" schreibt hingegen, der weltgrößte Zementhersteller habe die Produktion auf jeden Fall aufrechterhalten wollen, "koste es, was es wolle". Er habe unter anderem "einen gewissen Ahmad Jamal" beauftragt, vom IS die Genehmigung einzuholen, die Angestellten die Checkpoints passieren zu lassen.

Als Beleg nennt das Pariser Renommierblatt einen mit einem IS-Stempel versehenen Passierschein für Fabrikmaterial. Ferner berichtet die Zeitung über eine E-Mail, in der sich Jamal beim Jalabiya-Direktor Frédéric Jolibois beklagt: "Jetzt sind es schon zwei Monate her, dass Sie uns den Betrag von 7.655.000 syrischen Pfund (30.000 Euro) nicht überwiesen haben." Laut "Le Monde" war die Pariser Direktion von Lafarge über diese Mail im Bilde. (Stefan Brändle, 22.6.2016)

  • Lafarge ist mit massiven Vorwürfen konfrontiert.
    foto: reuters/christian hartmann

    Lafarge ist mit massiven Vorwürfen konfrontiert.

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