SPÖ im Wandel als Thema im ORF-"Report": Mit der Kraft des Lindwurms

22. Juni 2016, 17:30
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Sehr robust scheint die Neustartromantik nicht, eine ältere Dame bekundet Zweifel

Faszinierende Zeit des Übergangs für die SPÖ, fesch eingefangen vom Report, mit einer verständlichen Lücke: Der unherzlichst um den Rücktritt gebetene Ex-Chef fehlt. Zu schmerzhaft noch alles Gewesene, um es öffentlich zu reflektieren. Es gehe ihm aber gut, heißt es. Es soll Werner Faymann öfters Wiens Bürgermeister besucht haben, während sein cooler Nachfolger zahllose Selfie-Anfragen befriedigt.

Sehr robust scheint die Neustartromantik jedoch nicht, eine ältere Dame bekundet im Report längst Zweifel. Christian Kern würde die "Jungen nicht ansprechen"; ein Herr zürnt, die SPÖ würde "auf kleine Leute runtertreten". Die Zeit drängt also, gnadenlos schmilzt der Nimbus neuer, edler Worte dahin. Auch der Kärntner Landeschef Peter Kaiser wirkt nicht, als durchdringe ihn die Euphorie des Neustarts.

Es stresst wohl eher der nahende Parteitag, der Kern beflügeln soll. Die Themen, die Faymann zerrissen, sind allerdings gleich lästig geblieben – das weiß Kaiser: FPÖ. Koalitionärer Neid. Lopatka. Asyl. Mindest sicherung. Susanne Schnabl ar beitet die Punkte sauber ab, und Kaiser ringt um kompromisstaugliche Formulierungen. Die burgenländischen Pragmatiker sollen nicht veranlasst werden, noch blauer zu sehen.

Immerhin: Hinter Kaiser wirkt der Lindwurm auf dem Klagenfurter Neuen Platz offensiv, obwohl er in den letzten Jahrzehnten manches erlitten hat. Vielleicht hat ihn Kaiser nicht zufällig als Interviewkulisse gewählt, vielleicht nimmt er ihn im Kleinformat, als Maskottchen, mit nach Wien zum Parteitag, damit der Lindwurm vom Pult aus die Genossen anfeixt, wenn Kaiser Neuwahlen als "töricht" bezeichnet. Faszinierende Zeit des Übergangs. (Ljubiša Tošić, 22.6.2016)

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