Tipps für schlechte Verlierer

23. Juni 2016, 09:08
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Es kam für viele unerwartet: Österreich ist bei der EURO ausgeschieden. Wie man mit herben Niederlagen umgeht, wissen Psychologen

Niemand verliert gerne. Auf eine Niederlage – zumindest dem äußeren Anschein nach – angemessen zu reagieren und nicht in Geschrei oder Tränen auszubrechen haben die meisten Menschen in jungen Jahren gelernt. Kindern wird erklärt, dass es nur einen Gewinner geben kann und dass, wer mehr Erfahrung hat, auch im Spiel Vorteile hat. Zwei Weisheiten, die sich auch Erwachsene gelegentlich ins Gedächtnis rufen könnten. Denn vor allem in Zeiten einer Fußball-Europameisterschaft scheint es manchmal nicht leicht zu fallen, mit Niederlagen umzugehen.

Jetzt, da die österreichische Nationalelf die Heimreise aus Frankreich antreten muss, liegen die Nerven bei vielen Fußballfans blank. Das Spiel ist aus, die schlechte Laune an. Doch wie geht man mit der sich ausbreitenden Niedergeschlagenheit um? Wie wird man ein guter Verlierer?

Dunja Radler ist Psychologin in Wien und weiß: "Die Enttäuschung vergeht auch wieder." Das schöne an Großveranstaltungen wie der EURO sei, "dass man sich risikolos reinsteigern kann, weil es keine Auswirkungen auf das eigene Leben hat." Gerade deshalb würden Fußballfans auch so intensiv mit ihrer Mannschaft "mitleben".

Erfolge selbst in die Hand nehmen

Um sich von der Enttäuschung im TV abzulenken, sollte man selbst aktiv werden, rät Radler. "Wenn man sich hundertprozentig mit der Lieblingsmannschaft identifiziert, bricht nach dem Ausscheiden viel weg." Diese Lücke kann die eigene sportliche Betätigung füllen. "Wer sich selbst einen Sport sucht, der Spaß macht, hat die Erfolge selbst in der Hand", sagt Radler.

Und auch Freundschaften können nach einer Niederlage hilfreich sein. "Geteiltes Leid ist halbes Leid", sagt die Psychologin. Sich mit den sportbegeisterten Freunden zu treffen und sich gemeinsam auf ein neues Ziel zu konzentrieren könne Schmerz lindern. "Schließlich stehen diesen Sommer auch noch die Olympischen Spiele bevor, auf die man sich freuen kann."

Die Grübler grübeln

Beim Verlieren gibt es laut Radler zwei Gruppen: Die einen seien Grübler, "sie denken lange über einen Verlust nach und können sich nur schwer davon ablenken". Die zweite Gruppe schafft es, aus einer Niederlage neue Motivation für das nächste Mal zu schöpfen. Hier könnten Fans sich auch an den Profis ein Beispiel nehmen. Spitzensportler seien auch mental sehr gut trainiert. "Wer bei Sportlerinterviews aufmerksam zuhört, wird beobachten, dass die Verlierer sich mit Verlusten nur kurz aufhalten", sagt Radler, "da fallen Sätze wie 'Man kann nicht immer gewinnen', und nach einem kurzen Statement wird der Blick rasch auf die Zukunft gerichtet."

"Schlechte Verlierer bleiben emotional am Misserfolg hängen und hadern zu lange mit ihrem Scheitern. Viel sinnvoller wäre es, seine Leistung zu analysieren um aus der Niederlage zu lernen, und es dadurch beim nächsten Mal besser machen zu können", sagt Radler. Auf diesen Vorsatz sollten sich auch die Fans von Alaba, Arnautović und Co konzentrieren. (Bernadette Redl, 23.6.2016)

  • Auch Cristiano Ronaldo hat Probleme mit dem Verlieren. "Ich kann nicht verlieren. Ich brauche Feinde, der Hass treibt mich nach vorne", sagte er einst in einem Interview. Von anderen Spitzenfußballern kann man den Umgang mit Niederlagen aber durchaus lernen, sagt eine Wiener Psychologin.
    foto: reuters

    Auch Cristiano Ronaldo hat Probleme mit dem Verlieren. "Ich kann nicht verlieren. Ich brauche Feinde, der Hass treibt mich nach vorne", sagte er einst in einem Interview. Von anderen Spitzenfußballern kann man den Umgang mit Niederlagen aber durchaus lernen, sagt eine Wiener Psychologin.

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