Österreicher gegen Volksabstimmung über EU-Austritt

22. Juni 2016, 20:09
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Nur 38 Prozent wünschen sich eine Abstimmung über die EU. Die Mehrheit würde deutlich für einen Verbleib stimmen

Wien – "Am 23. Juni findet eine Volksabstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU statt. Soll es in Österreich auch eine Volksabstimmung über den Verbleib oder Austritt aus der EU geben: eher ja oder eher nein?" Diese Frage legte Peter Hajek Opinion Strategies vom 13. bis 20. Juni 700 repräsentativ ausgewählten Österreicherinnen und Österreichern vor. Die Antworten zeigen, dass das britische Beispiel nur unter den deklarierten FPÖ-Wählern eine Mehrheit findet: 38 Prozent der Gesamtbevölkerung, aber 67 Prozent der Freiheitlichen wünschen sich eine solche Volksabstimmung.

Wenig Bildung, hohe EU-Skepsis

55 Prozent der Befragten sprachen sich gegen eine Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft aus – am deutlichsten die Anhänger der Grünen, bei denen vier Fünftel gegen ein solches Referendum sind. In allen untersuchten Bevölkerungsschichten (außer eben der freiheitlichen Wählerschaft) haben die Abstimmungsgegner eine Mehrheit, jedoch sind Befragte ohne Matura wesentlich eher geneigt, über beziehungsweise gegen die EU abzustimmen, als Menschen mit höherer Bildung.

Peter Hajek, der die Umfrage im Auftrag von "ATV Österreich Trend" durchgeführt hat: "Eine klare Mehrheit der Österreicher ist gegen eine Abstimmung über den EU-Austritt Österreichs. Wahrscheinlich möchte dieser Teil der Bevölkerung gar nicht die Möglichkeit zulassen, weil man ja nie weiß, wie es sich entwickeln könnte."

Nur 28 Prozent für einen Austritt

Derzeit sieht es so aus, als gäbe es bei einer Abstimmung eine klare Mehrheit für einen Verbleib in der EU, aber Hajek warnt vor einer Überinterpretation, "denn die Abstimmungsfrage sieht klarer aus, als sie ist. Zwar sind 53 Prozent für einen Verbleib in der EU und nur 28 für einen Austritt. Es sind aber 15 Prozent unentschlossen. Und wer in Erwägung zieht, für einen Austritt zu votieren, ist für die Botschaften der Kritiker empfänglich."

Die Fragestellung lautete: "Und angenommen, es käme in Österreich zu einer Volksabstimmung über den Verbleib oder Austritt Österreichs aus der EU, wie würden Sie sich entscheiden: für einen Verbleib oder für einen Austritt?" Und wieder waren es die bildungsfernen Befragten, die sich eher für einen Austritt entscheiden würden: In dieser Gruppe sind 32 Prozent für einen Austritt und 45 Prozent für einen Verbleib – die Befragten mit Matura sind zu 73 Prozent für einen Verbleib und zu 17 Prozent für einen Austritt (der Rest ist unentschlossen).

Junge Befragte klare EU-Befürworter

Auffallend ist auch, dass jüngere Befragte wesentlich deutlicher für einen Verbleib in der EU sind als Menschen über 40.

Die Freiheitlichen sind die einzige Gruppe, in der es eine Mehrheit für einen Austritt aus gibt: 55 Prozent der erklärten FPÖ-Wähler wäre für einen Öxit, nur 26 Prozent klar für einen Verbleib. (Conrad Seidl, 22.6.2016)

Dokumentation: ATV Österreich-Trend, durchgeführt von Peter Hajek Opinion Strategies, telefonische und Online-Befragung, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren. n= 700, Feldarbeit 13. bis 20. Juni.

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