Giftige Proteste gegen designierten Volksbühne-Intendanten Dercon

22. Juni 2016, 15:13
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Mitarbeiter beklagen aktue Inhaltslosigkeit und fürchten um die Unverwechselbarkeit der Volksbühne

Wien – Ein offener Protestbrief hat den Streit um Chris Dercon, den designierten Intendanten der Berliner Volksbühne, neu angefacht. 180 festangestellte und freie Volksbühne-Mitglieder befürchten in dem Schreiben "den Ausverkauf der für uns geltenden künstlerischen Maßstäbe". Der Brief richtete sich an sämtliche Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus sowie an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). In den Reihen der Unterzeichner finden sich illustre Namen wie René Pollesch, Christoph Marthaler, Sophie Rois, Birgit Minichmayr und Martin Wuttke.

Dercon, der seinen Job als Nachfolger von Frank Castorf im Sommer 2017 übernimmt, hatte sich am 28. April der Ensembleversammlung gestellt. Mitarbeiter der Volksbühne beklagten anschließend akute Inhaltslosigkeit. Dercon, dem eine kuratorische Erweiterung des Theaterbegriffs vorschwebt, wollte nicht einmal die Frage beantworten, ob am Rosa-Luxemburg-Platz künftig Englisch die Bühnensprache sein soll.

Tatsächlich häufen sich die Fragezeichen. Die angekündigte Verschränkung von Kunst, Tanz, Theater und Musik lässt nicht nur die Betroffenen um die Unverwechselbarkeit der Volksbühne fürchten. Die geplante Bespielung des Hangars auf dem ehemaligen Flugplatz Tempelhof scheint illusorisch, da dort die bundesweit größte Unterkunft für Flüchtlinge entsteht. Das geplante Leitungsteam (u. a. mit Alexander Kluge und Romuald Karmakar) wirkt noch vor Dienstantritt in alle Winde zerstreut. Claus Peymann (Berliner Ensemble) empfahl dem Bürgermeister bereits, Dercon auszuzahlen: "Das kostet erheblich weniger als seine unsinnigen Pläne." (Ronald Pohl, 22.6.2016)

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