Mehr Opfer bei Verkehrsunfällen: Neue Strafen für Gurtenmuffel

Infografik22. Juni 2016, 15:43
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Die Zahl der Unfälle stagniert, die der Todesopfer ist gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent gestiegen. Verkehrsminister Leichtfried plant Maßnahmen ab Herbst

Unachtsam, abgelenkt, zu schnell: Auf Österreichs Straßen sind 2015 mehr Personen nach Verkehrsunfällen gestorben als im Jahr davor. 479 Personen starben im Straßenverkehr und damit 49 mehr (plus 11,4 Prozent) als 2014, geht aus Zahlen der Unfallstatistik der Statistik Austria hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Allerdings hatten die Unfallzahlen im Jahr 2014 einen Rekordtiefstand erreicht.

Durchschnittlich gab es jeden Tag 104 Unfälle mit Personenschaden. Alle 18 Stunden endete ein Unfall tödlich.

Mehr Todesopfer auf Freilandstraßen

Die meisten Todesopfer fordern Unfälle außerhalb des Ortsgebiets: Fast drei von vier Toten (73 Prozent) sind dort zu beklagen, 27 Prozent der Unfälle mit Getöteten ereignen sich im Ortsgebiet. 2015 hat sich das Niveau der Todesopfer bei Unfällen auf Landesstraßen wieder dem von 2012 und 2013 angenähert.

Der Anstieg bei der Zahl der Todesopfer geht vor allem auf Autounfälle zurück. Während es bei Unfällen mit Radfahrern und Mopeds weniger Todesopfer gab, waren 2015 wieder mehr Tote bei Pkw-Unfällen zu beklagen.

Langfristig gesehen ist der Straßenverkehr in Österreich sicherer geworden. 1972 habe es noch etwa 3.000 Tote pro Jahr gegeben, sagte Konrad Kogler, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, bei der Präsentation der Statistik.

Zahl der Alkoholtests seit 2006 mehr als verdreifacht

Er führt das auch auf schärfere Alkoholkontrollen zurück. 456.000-mal haben Lenker vor zehn Jahren in den Alkomaten geblasen. 2014 wurden bereits 1,8 Millionen Alkotests durchgeführt. Trotzdem habe es weniger Anzeigen gegeben, sagt Kogler. Der Anteil der Unfälle mit alkoholisierten Beteiligten geht zurück, auch die Zahl der Verletzten und Getöteten bei Alkoholunfällen sinkt langsam.

Junge und alte Lenker am häufigsten bei tödlichen Unfällen beteiligt

92 junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren sind 2015 verunglückt – zwei von drei mit einem Pkw. Ältere Verkehrsteilnehmer über 75 Jahren sind ebenso häufiger an tödlichen Unfällen beteiligt. 47 Prozent der über 75-Jährigen starben als Autoinsassen, 41 Prozent als Fußgänger. Beide Altersgruppen zählen zur Hochrisikogruppe.

Maßnahmen ab Herbst

Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) will die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 halbieren. Das langfristige Ziel müsse sein, keine Verkehrstoten zu haben, "das ist das einzig akzeptable Ziel". Dafür hat der Minister ein Paket vorgestellt, das Maßnahmen ab Herbst vorsieht:

  • Assistenzsysteme für Lkw-Lenker: Ein Warnsystem soll Fahrer vor Zusammenstößen mit Fußgängern, Radfahrern und Motorrädern warnen. Das Pilotprojekt läuft sechs Monate, vorerst werden 20 Fahrzeuge damit ausgestattet. Hintergrund: Obwohl Lkws an nur drei Prozent aller Unfälle beteiligt sind, sind 14 Prozent aller Todesopfer auf Lkw-Unfälle zurückzuführen.
  • Fahrschulen: Leichtfried plant ein Gütesiegel für jene, die ihren Schülern zusätzliche Leistungen wie moderne Simulatoren anbieten. Zudem soll die theoretische Prüfung für den Mopedführerschein künftig am Computer abgelegt und die praktische Ausbildung nicht mehr auf Übungsplätzen, sondern im Straßenverkehr absolviert werden. Die Inspektionen sollen künftig bundesweit nach einheitlichen Standards durchgeführt werden.
  • Verlängerung der Probezeit: Sie soll für Fahranfänger drei statt zwei Jahre betragen. Ablenkung durch das Handy soll in den Deliktkatalog aufgenommen werden. Ebenso sollen Radarfotos als Beweis gegen Gurtverweigerer und telefonierende Lenker eingesetzt werden dürfen. (Gerald Gartner, 22.6.2016)
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